Invasion der Mini-Vampire

02.07.2019 • Aktuelles, Landkreis Rosenheim, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Was gegen die Mückenplage unternommen werden kann

Suchende Blicke durch den Supermarkt, verzweifeltes Aufstöhnen in der Drogerie, wenn die Sicht auf das leere Regal fällt. Nach mehrmaligem Nachfragen bei verschiedenen Angestellten, in der Hoffnung, die erste angesprochene Person könnte sich ja eventuell getäuscht haben und irgendwo im Laden versteckt sich doch noch ein Spray, muss der arme Mensch schließlich kapitulieren. Eine weitere Nacht mit den kleinen Plagegeistern steht ihm bevor. Danach ein weiterer Tag voller Jucken und Kratzen und blutiger Armen. Wie konnte es nur so weit kommen?

Die Stechmücke mit dem wissenschaftlichen Namen Culicidae ist ein Insekt, das in feuchten Gebieten den idealen Brutplatz für Larven findet. Somit war dieses Jahr mit dem verregneten Frühjahr prädestiniert für eine Mückenplage. Kein Wunder also, dass es am Chiemsee, Simssee, an den Happingerseen, den restlichen Badestellen der Region und in ganz Deutschland vor Blutsaugern nur so wimmelt. Der Mensch fühlt sich mittlerweile so in seinem Sommeralltag beeinträchtigt, dass bereits Petitionen mit der Forderung nach dem Einsatz von chemischen Mitteln ins Leben gerufen wurden. So geschah es letzte Woche am Ammersee: Ein Anwalt rief Landratsamt und Rathaus dazu auf, aktiv etwas gegen die Stechmücken zu unternehmen, so heißt es in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung.
Doch so ganz unproblematisch ist die Mückenbekämpfung mit Insektiziden nicht.
Man kann ja schlecht nach einem Volksbegehren für Artenvielfalt nach Spritzmitteln verlangen.
Gegen Mittel für die Haut wie Autan oder Anti Brumm, die meist Diethyltoluamid oder Icaridin enthalten, spricht jedoch nichts. Sie verändern den Körpergeruch, der dafür verantwortlich ist, dass Mücken überhaupt erst angezogen werden. Natürliche Wirkstoffe wie ätherische Öle sind nicht ganz so effektiv, halten die kleinen Sauger aber zumindest für kurze Dauer ab.
Anti-Mücken-Spiralen für draußen oder spezielle Verdampfer für die Steckdosen sind ein bisschen aggressiver: Hier werden die kleinen Tiere vertrieben oder gar getötet.

Außerdem wird bei Letzteren die Raumluft erheblich belastet. Knoblauch hilft übrigens ähnlich wenig gegen Stechmücken wie Vitamin B-Pillen oder Ultraschallgeräte.
Interessant ist außerdem die Tatsache, dass Licht tatsächlich nicht der Grund für viele Mücken im Zimmer ist, sondern eben die körpereigene Mischung aus ausgeatmeten Kohlenstoffdioxid und Schweißgeruch.
Wissenswert ist auch der Unterschied zwischen Männchen und Weibchen. Während die weiblichen Stechmücken nur Blut saugen, um an notwendige Proteine für die Eierproduktion zu gelangen, ernähren sich die männlichen von Pflanzensäften. Unterscheiden kann man die Geschlechter aber kaum, die Männchen summen lediglich in einer etwas höheren Tonlage.

Was ist aber zu tun, wenn man sich trotz der Hitze dieser Tage in der Wohnung verbarrikadiert hat und ein kleiner Parasit es nun doch durch all die Schutzgitter geschafft hat?

Neben den guten alten Hausmitteln Spucke oder Zwiebel können die Stiche mit besonderen Salben eingerieben werden. Kälte-Gels lindern den Juckreiz. Hitzestifte oder auch ganz klassisch ein heißer Löffel erhitzen die Einstichstelle und zerstören so die Enzyme, die das Jucken verursachen.
Prinzipiell sind Mückenstiche in Deutschland ungefährlich. Doch mit der Globalisierung und dem Klimawandel breiten sich tropische Mückenarten, die schwerwiegende Krankheiten übertragen können, immer weiter aus. Ein Paradebeispiel ist die Asiatische Tigermücke, auch Tigermoskito genannt. Der Name rührt von ihrem Aussehen her, sie besitzt nämlich eine auffällig schwarz-weiße Färbung. Das West-Nil-Virus, das Gelbfiebervirus, das Dengue-Fieber und vermutlich auch das Zika-Virus – all diese Krankheiten können nun auch in großen Teilen Europas, unter anderem in Deutschland, durch die gemusterten Zweiflügler ausbrechen. Um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden, müssen mögliche Einfallsrouten, also Häfen, Bahnhöfe, Lagerhäuser mit importierten Waren und Rastplätze überwacht werden. Nachgewiesene befallene Stellen werden mit Insektiziden behandelt. Laut dem Umwelt Bundesamt besteht in Deutschland derzeit aber kein hohes Risiko für eine Übertragung von Viren durch den Tigermoskito. Als gänzlich unbedenklich einstufen darf man das Vorkommen dieser Stechmücken allerdings auch nicht.

Weitere invasive Mückenarten sind die Asiatische Buschmücke oder die ostasiatische Mücke Aedes koreicus. Ihre Eier überleben die kalten Winter, weshalb präventive Maßnahmen zur Eindämmung der Populationen nötig sind.
Wenn man von diesen Parasiten weiß, ist man ja fast schon wieder froh, dass man sich nur mit „normalen“ juckenden Stichen plagen muss. Und vielleicht sind die Regale in den Drogeriemärkten auch bald wieder aufgefüllt.
Nathalie Stenger

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