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„Mein Bär hat Bauchweh!“
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„Mein Bär hat Bauchweh!“

Neues vom Teddybärkrankenhaus Rosenheim: digitales Angebot und Besucher in Kitas

Spritzen, Untersuchungsgeräte, hektische Betriebsamkeit, weiß gekleidete Menschen, all das macht den meisten Kindern beim Arzt oder in Krankenhäusern oftmals Angst. Was passiert denn da genau? Tut das weh? Darf ich wieder nach Hause oder muss ich dort bleiben? Diese Fragen und viele mehr beunruhigen kleine Kinder, wenn sie sich mit Schmerzen oder nach einem Unfall in ärztliche Behandlung begeben müssen.

Genau da setzt das Projekt Teddybärkrankenhaus Rosenheim an: Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um Organisator und Medizinstudent Nico Hanny waren vor der Pandemie in Krankenhäusern in Stadt- und Landkreis und boten eine „Sprechstunde“ für Kinder und ihre Kuscheltiere an. Der Kuschelbär hat Bauchweh oder ein gebrochenes Bein? Kein Problem für die Teddy-Docs! Mit viel Einfühlungsvermögen führen sie dabei die Kinder gemeinsam mit ihren kuscheligen Patienten durch einen simulierten Krankenhausalltag, von der Anmeldung über sämtliche Untersuchungen bis hin zur Apotheke. Der Perspektivwechsel vom Kind zu Teddy-Vater oder -Mutter ermöglicht den Buben und Mädchen wichtige Einblicke, vermittelt Sicherheit und Vertrauen und kann so ihre Angst oder Unsicherheit mindern oder gar nehmen.

Wie in so vielen anderen Lebensbereichen hat die weltweite Pandemie auch diesem Projekt in den letzten beiden Jahren einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht: Ein Event wie das Teddybärkrankenhaus mit über 600 Kindern an zwei Tagen und fast 100 ehrenamtlichen Helfern war undenkbar.2020 wurde das Teddybärkrankenhaus digitalisiert und kann damit jederzeit über die Website teddybaerkrankenhaus-rosenheim.de zu Hause durchgeführt werden.

Aber „nur“ digital ist Projektleiter Nico Hanny auch zu Coronazeiten nicht ausreichend. Normalerweise macht das „Teddybärkrankenhaus“ Rosenheim keine Kindergarten- oder Schulbesuche, damit die Kinder bewusst ihr gewohntes Umfeld verlassen müssen: „Aber durch Corona hat sich viel verändert. Es bleibt das Zwischenmenschliche wie der Austausch mit den Kindern auf der Strecke. Ich wollte wissen, wie es den Kindern geht und ihnen auch Perspektiven aufzeigen. Jeder kann selbst etwas für seine Gesundheit tun oder psychologischer formuliert, seine Selbstwirksamkeit stärken und Verantwortung übernehmen.“ Und deshalb ging es für Nico Hanny und Magdalena Schmid in Kindergärten und Schulen, natürlich unter den geltenden Hygieneauflagen.Die Kinder waren über das Thema Corona sehr gut aufgeklärt und hatten nicht mehr viele Fragen dazu an die Teddydocs. Durch den mitgebrachten Organ-Teddybär Berni, einen Stoffbären in Kindergröße mit maßstabsgetreuen Stofforganen im Bauch, und der Ernährungspyramide ergaben sich dafür aber viele andere Fragen.„Es ist immer wieder eine neue Situation und es wird nicht langweilig, da jedes Kind andere Vorkenntnisse und Ideen mitbringt. Fragen jeglicher Art sind erlaubt und gewünscht und so kann es schon einmal vorkommen, dass ein Kind den Grund dafür wissen möchte, warum es mit einem Kaiserschnitt geboren wurde“ erzählt Nico Hanny.

So ging es um ernsthafte Themen wie Organspende: „Ohne welches Organ können wir leben?“ oder „Mit einer Spende kann man mehrere Leben retten!“. Bis hin zur Erklärung der Widerspruchslösung in Deutschland, welche leider nicht zufriedenstellend ist, vor allem weil es an Aufklärung fehlt. Ebenso bei der Knochenmarkspende, bei welcher heutzutage die Stammzellen meistens aus dem Blut gefiltert werden können und man keine Angst mehr vor einer Knochenpunktion haben muss.

Weiter ging es mit Fragen zu Gehirnerschütterungen, warum ein Fahrradhelm Sinn macht, über Bauchschmerzen und Blinddarmentzündungen. Außerdem Fragen zur gesunden Ernährung und der Bedeutung von Bewegung und Sport im Alltag oder in Vereinen.Und genau das war das Ziel des Besuches: Den Kindern zu zeigen, dass es noch viel mehr gibt als nur Corona, und dass sie sich auch untereinander über diese Themen austauschen. Vielleicht entdeckt ein Kind so ein bis dahin unbekanntes Sportangebot und kann seinen Klassenkameraden zum nächsten Training einfach begleiten.

Insgesamt konnten etwa 400 Kinder an dem Programm teilnehmen und etwas über ihren eigenen Körper und darüber hinaus lernen. Ermöglicht wird das Projekt Teddybärkrankenhaus Rosenheim durch die Sparkassenstiftung für die Stadt Rosenheim und Startklar Soziale Arbeit Oberbayern. ff/re

Bild: Nico Hanny bei der eingehenden Untersuchung des Organbären Berni.

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