Zementhonig und Gelée royale

20.06.2017 • Aktuelles, Nachrichten

Bienen-Fachmann Hans-Hagen Theimer und seine nützlichen Tiere

 

Hans-Hagen Theimer, Fachwart des Imker Kreisverbands Rosenheim und Betreiber des Lehrbienenstands in Prutting, ist ein eher zurückhaltender Mensch. Doch bei seinen Bienen gerät er ins Schwärmen: „Was die alles leisten! Sagenhaft.“ Was er meint, ist die Vielfalt an Produkten, die uns die fleißigen Insekten liefern. Honig natürlich, Wachs, Propolis, eine Art Harz mit antibiotischer, antiviraler und antimykotischer Wirkung, Gelèe Royale, der Futtersaft für die Bienenköniginnen sind das eine, Pollen und auch Bienengift. Zum anderen ist da aber vor allem die enorme Bestäubungsleistung. „Umgerechnet etwa zwei Milliarden Euro erwirtschafen die ungefähr 800 000 Völker in Deutschland pro Jahr. Das sind stolze 2000 Euro pro Volk und Jahr“, erklärt Theimer, „wenn man das mit der staatlichen Förderung in Bayern von etwa einer Million im Jahr vergleicht…“

Erfreulich ist, so Theimer, dass die regelmäßig veranstalteten Schulungen und Veranstaltungen im idyllisch gelegenen Lehrbienenstand, einem von neun im Landkreis Rosenheim, einen immer größeren Zuspruch finden. „Es interessieren sich immer mehr Menschen für die Imkerei. Auch Frauen, früher eine große Ausnahme, sind mittlerweile etwa zu einem Drittel vertreten“, freut er sich. Das Züchten von Bienen ist vielleicht nicht auf dem Weg zum „Volkssport“, aber jedenfalls im Kommen. Dazu trägt sicher auch die vermehrte Aufmerksamkeit bei, die den Bienen in den letzten Jahren zuteil wurde, weil es ihnen schlecht geht. Das Wort vom „Bienensterben“ machte die Runde und auch das Zitat „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben” schreckt die Menschen auf. Allerdings, so Theimer, sei weder Albert Einstein der Urheber, wie fälschlich behauptet, noch stimme die Aussage in diesem Umfang. „Wir hier in Mitteleuropa müssten wohl tatsächlich auf ungefähr 30 Prozent unserer Lebensmittel verzichten, könnten das aber kompensieren.“

Den größten „Feind“ der Bienen sieht er weniger in den auftretenden Krankheiten, sondern viel mehr in einer monokulturellen und extensiven Landwirtschaft: „So kann nichts mehr blühen, die Bienen haben keine Nahrung“. Kurioserweise ist dies auch der Grund dafür, dass es Blütenhonig mittlerweile hauptsächlich von den immer zahlreicher werdenden Bienenstöcken in den Städten gibt, wo Gärten und Parks das liefern, was den Bienen auf dem Land oftmals abgeht. Die „Landbienen“ hingegen produzieren hauptsächlich Waldhonig.
Wenn sie überhaupt produzieren. So gab es in den letzten beiden Jahren kaum Honig. Zum einen sorgte das kalte Wetter im Frühling dafür, dass die Bienen die gerade aufgegangenen Blüten nicht bestäuben konnten, zum anderen war der „Zementhonig“ ein Problem. Hier sammeln die Bienen ausgeschiedenen Blütentau von anderen Insekten, die sogenannte Melezitose. Abhängig von Region, Wärmebedingungen und weiteren Faktoren kann es zur Zeit der Spättracht geschehen, dass Blütentau erzeugende Insekten vermehrt Melezitose ausscheiden. Diese bestimmte Zuckerart, sorgt, wenn zu viel davon im Honig landet, dafür, dass er noch in den Waben hart wird.
Auch diese Unwägbarkeiten sorgen dafür, dass Theimer die Imkerei nur als Hobby empfiehlt. „Leben kann man davon nur, wenn man 200 Stöcke und mehr hat. Das allerdings ist auch mit der gehörigen Routine richtig viel Arbeit für einen relativ geringen und auch noch von vielen Faktoren abhängigen Ertrag.“

Am Sonntag, 25. Juni, findet in Prutting, Haberspoint Nr. 4, der „Tag der offenen Tür“ statt. Die Imkerei und der Lehrbienenstand in Haberspoint bei Prutting stellen die Arbeit der Imker und Imkerinnen und vor allem die fantastische Arbeit der Bienen vor.
Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr mit einem Blick in ein Bienenvolk, Honigschleudern und mittags gibt es Brotzeit vom Grill. Fachwart Hans-Hagen Theimer stellt die Arbeiten der Bienen vor und was sie alles produzieren: Honig, Wachs, Propolis, Gelee royale, Bienengift und vor allem die Bestäubung der Blüten. In der Imkerei Haberspoint (liegt zwischen Prutting und Hofstätter See) wird mit im Freien stehenden Magazinen (Erlanger Magazinbeute) ohne Bienenhaus geimkert. (www.bienenfreunde-chiemgau.de). Der Veranstalter, Fachwart Hans-Hagen Theimer, ist unter der Telefonnummer 0 80 53/20 85 91 oder Mobilfunk 01 70/4 81 69 90 zu erreichen.

Die Imkerschulung findet am selben Tag von 10 bis 14 Uhr statt. Auch Nichtimker sind willkommen. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. nu

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