Zeit und Raum für Familien

11.08.2020 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Rosenheimer Nachbarschaftshilfe gibt Startschuss für Projekt

Ein Blick in die vollen Regale mit Familienratgeberliteratur in den Buchhandlungen, ein kurzer Streifzug durch die unzähligen Diskussionsforen im Internet zeigt: Das Informationsbedürfnis der Eltern, immer auf der Suche nach dem „Besten“ für ihren Nachwuchs ist riesengroß.
Zugleich macht sich angesichts der großen Informationsvielfalt bei vielen Müttern und Vätern Unsicherheit breit: Wie sollen wir unsere Kinder individuell fördern? Was ist eine gesunde Ernährung, wertvolles Spielzeug? Wie gehen wir mit dem Medienkonsum unserer Kinder um? Wie setzen wir Grenzen und sorgen dafür, dass diese auch eingehalten werden? Das sind nur einige Fragen, die Eltern beschäftigen und für die sie Lösungen suchen.

Und immer öfter kommt es vor, dass insbesondere Mütter angesichts der allgegenwärtigen, in Gesellschaft und Medien verbreiteten Leitbilder und Idealvorstellungen unter Druck geraten und auch nicht mehr auf ihr eigenes Gefühl, ihren eigenen Instinkt hören. Genau das bestätigt auch Barbara Baur, seit über 25 Jahren Leiterin der Kinderhortes Jonathan der Nachbarschaftshilfe Rosenheim in der Innsbruckerstraße: „Ich habe im Laufe der Jahre festgestellt, dass die Problemfelder, die unsere Eltern beschäftigen, immer umfangreicher und die Beschäftigung damit immer zeitintensiver wird. Oft habe ich das traurige Gefühl, nicht mehr allen gerecht werden zu können. Dabei wäre die Begleitung der Eltern auch in herausfordernden oder kritischen Lebensphasen so wichtig. Die gesunde Entwicklung von Kindern kann man nie losgelöst vom Familienumfeld sehen. Das gehört einfach zusammen und diesem Auftrag haben wir uns als Hort-Team auch schon immer gestellt.“ Die erfahrene Erzieherin berichtet von Familien, die in finanziellen Schwierigkeiten geraten sind, die an kulturellen Barrieren scheitern oder in denen lebenspraktisches Basiswissen, etwa Kochen mit frischen Zutaten, fehlt.

Einen starken, wichtigen Impuls, um das pädagogische Fachpersonal ihrer Kindertagesstätten zu unterstützen, hat jetzt die Nachbarschaftshilfe Rosenheim e.V. gesetzt, wie Geschäftsleiterin Beate Hoyer-Radtke berichtet: „Unser Vorstand hat die Ressourcen für das Projekt ,ZeitRaum für Eltern und Familien‘ genehmigt. Der Startschuss fällt zu Schulbeginn im September.“ Das Angebot richtet sich zunächst an alle Eltern, Großeltern oder andere Betreuungspersonen und Kinder in den drei Einrichtungen der Nachbarschaftshilfe, den Kinderhort Jonathan, das Kinderhaus Aising und die Kinderkrippe Gärtnerstraße. „Das Projekt soll Familien Zeit und Raum geben, ins Gespräch zu kommen, sich gegenseitig zu bestärken und neue Kulturen kennenzulernen“, berichten die Erzieherinnen Martina Dietersberger und Andrea Sanftl . Sie sind das neue ZeitRaum-Team und gerade intensiv mit den Vorbereitungen und Planungen für offene oder auch themenbezogene Veranstaltungen beschäftigt. Zudem stehen sie mit festen Bürozeiten den Eltern und Erziehungsberechtigten bei allen Fragen und Anliegen zu einem persönlichen Gespräch zur Verfügung.

Noch ist „ZeitRaum“ den Kitas der Nachbarschafthilfe vorbehalten. Doch das soll nicht mehr lange so bleiben, hofft Beate Hoyer-Radtke: „Unser Antrag auf Förderung als Familienzentrum liegt der Stadt Rosenheim bereits vor. Wir sind sehr glücklich und dankbar, bei den Verantwortlichen mit diesem Anliegen auf offene Ohren und aufrichtiges Interesse gestoßen zu sein. Als Familienzentrum wären unsere Angebote auch für alle Eltern und Kinder offen; ein wichtiger Schritt zur Unterstützung von Familien in diesem Stadtgebiet. Die Grundlage dafür haben wir als Nachbarschaftshilfe mit unserem ,ZeitRaum‘ jetzt geschaffen.“ Die Stadt Rosenheim steht dem Projekt sehr positiv gegenüber, so Stephan Höfer von der Jugendhilfeplanung: „Sowohl das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien als auch das Amt für Schulen, Kinderbetreuung und Sport begrüßen es sehr, dass sich die Nachbarschaftshilfe Rosenheim e.V. / Kita GmbH mit einem Familienzentrum in den Räumen des Hans-Schuster-Hauses engagiert und dieses zum Beginn des kommenden Schuljahres an den Start bringen möchte.“ Beide Ämter würden, so Stephan Höfer, derzeit das vom Jugendhilfeausschuss beschlossene und vom Freistaat Bayern geförderte Familienbildungskonzept der sogenannten Familienstützpunkte in Rosenheim auf den Weg bringen. Und er ergänzt: „Sehr gerne wollen wir die Nachbarschaftshilfe Rosenheim e.V. / Kita GmbH dabei in die Planungen miteinbeziehen. Nach der Antragstellung und der Förderzusage durch das Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) folgt zunächst eine zweijährige Projektphase, in welcher die Konzeption den Bedarfsanalysen angepasst wird.“ Allerdings könne und dürfe die Stadt Rosenheim erst nach Abschluss dieser Projektzeit Familienstützpunkte einrichten.

Es geht also etwas vorwärts in Sachen Familienzentrum an der Innsbrucker Straße, das dann die dritte Einrichtung dieser Art neben den Zentren in der Finsterwalderstraße und an der Christkönigkirche in Rosenheim wäre. Die Eltern und Kinder wird es freuen! ff

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