Wertvolle Entwürfe wiederentdeckt

17.10.2017 • Kultur

In der aktuellen Ausstellung „vermacht.verfallen. verdrängt.“ beleuchtet die Städtische Galerie Rosenheim bis zum 19. November die eigene Entstehungsgeschichte zur Zeit des Nationalsozialismus. In diesem Zusammenhang werden erstmals auch Originalentwürfe des Galeriegebäudes ausgestellt, die jahrzehntelang als verschollen galten.

Erbaut von den Nationalsozialisten 1937 ist die Rosenheimer Galerie deutschlandweit das einzige Kunsthaus, das zwischen 1933 und 1945 außerhalb nationalsozialistischer Metropolen wie München oder Berlin errichtet wurde. Die Planung und Gestaltung des Hauses oblag dem Münchner Architekten German Bestelmeyer, einer der damals führenden Architekten in Süddeutschland. Mit mit seiner konservativen Vorstellung von Kunst und Architektur hatte er bereits zu Beginn der 1930er-Jahre die Gunst verschiedener NS-Größen erworben. Parteiintern war Bestelmeyer frühzeitig als verantwortlicher Architekt für das Rosenheimer Ausstellungshaus ausgewählt worden. Nichts desto trotz wurde offiziell in der Stadt ein Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem verschiedene einheimische Architekten ihre Vorschläge einreichten.
Diese eingereichten Entwürfe sowie der Großteil der Baupläne Bestelmeyers galten lange als verschollen. Durch Zufall wurden sie vergangenes Jahr in der städtischen Altregistratur wiederentdeckt und zunächst an das Stadtarchiv gereicht. Im Zuge des 80-jährigen Jubiläums der Städtischen Galerie Rosenheim werden sie nun erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Betrachtet werden kann etwa der „Entwurf Hakenkreuz“, der einem zeitgenössischen Bericht des Rosenheimer Anzeigers zufolge als „in der Gesamtlösung interessant aber doch etwas zu streng“ galt. Der Entwurf „Alt-Rosenheim“ wiederum sah an der Vorderfront des Gebäudes ein monumentales Bild der für Rosenheim so bedeutsamen Inn-Schifffahrt vor, was den Kuratoren als „sehr glücklicher Plan“ schien, jedoch besser geeignet für einen späteren Museumsbau. Die ausgestellten Entwürfe Bestelmeyers offenbaren, dass auch seine Vorstellungen, wahrscheinlich aus Geldmangel, letztlich nicht hundertprozentig umgesetzt wurden.
Neben diesen wertvollen Wiederentdeckungen präsentiert die Galerie in der Ausstellung ausgewählte Werke bekannter Künstler der Region, die sich im „Dritten Reich“ auffallend großer Beliebtheit erfreuten und erörtert dabei die Beziehungen der Rosenheimer Künstlerszene zum Nationalsozialismus. Als solches bietet die Ausstellung erstmals einen umfassenden Einblick in einen gewichtigen Teil der Rosenheimer, aber auch der allgemeinen Kunst- und Architekturgeschichte.
Begleitend zur Ausstellung wurde mit Hilfe von Fördergeldern der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung ein substantieller Katalog erstellt. Zudem bietet die Galerie wieder ein kulturelles Rahmenprogramm, kunstpädagogische Angebote für Schulklassen und Sonderführungen an.

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