Die Ergebnisse der letzten Analysen waren nicht verwertbar. Deshalb konnte die Chlorung nicht wie geplant am Montag ausgesetzt werden.

Weihnachtswunsch: Wasser ohne Chlor

04.12.2013 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Trinkwasserchlorung geht auf alle Fälle noch bis Donnerstag

Die Zeit des gechlorten Trinkwassers in Rosenheim, Stephanskirchen, Schechen und im Ortsteil Raubling-Wasserwiesen soll bald ein Ende haben, darin sind sich alle einig. Wann es aber soweit sein wird, steht frühestens am 5. Dezember fest. Nachdem im November keine Keime mehr im Trinkwasser aufgetaucht waren, war geplant, am Montag, 2. Dezember, die Chlorung wieder aufzuheben. Abwarten wollten die Behörden noch Analysen von Trinkwasserproben, die die Stadtwerke am letzten Donnerstag genommen hatten.

Jetzt stellte sicher heraus, dass zwei der Trinkwasserproben nach Aussagen des beauftragten Labors nicht verwertbar gewesen waren. Nachdem ein negatives Ergebnis dieser Proben Voraussetzung für die Aufhebung der Chlorung gewesen wäre, war nun eine erneute, verwertbare Probennahme erforderlich. Der Laborbericht soll laut Stadtwerken Rosenheim am Donnerstag vorliegen. Nachdem im November keine Trinkwasserproben mehr auffällig waren, wollen die Behörden das Chloren jetzt schnellstens beenden. Mit einer letzten Probenreihe sollen nach Aussage der Stadtwerke die Auswirkungen von Baumaßnahmen an den Brunnen in der vergangenen Woche überprüft werden.

Seit ziemlich genau acht Wochen (10. Oktober) haben die Stadtwerke das Trinkwasser mit Chlorgas versetzt, weil Keime in Proben gefunden worden waren. Bei einer Pressekonferenz mit Vertretern von Ordnungs- und Gesundheitsamt, Wasserwirtschaftsamt, dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie dem Technologiezentrum Wasser (TZW) des Branchenverbands DVGW präsentierten die Stadtwerke Rosenheim die Ergebnisse ihrer Ursachensuche.

UV-Desinfektion wirksam

Widerlegen konnten die Werke fachliche Zweifel an der Wirksamkeit der seit 2011 eingesetzten UV-Anlagen: Umfangreiche Tests durch unabhängige Sachverständige vom TZW bestätigen, dass die UV-Anlagen auch in den vergangenen Wochen einwandfrei funktionierten. „Die Ergebnisse der UV-Prüfung liefern den Beleg, dass keine Keime aus dem Grundwasser über unsere Brunnen ins Trinkwasser gelangt sind“, erklärt Dr. Götz Brühl, Geschäftsführer der Stadtwerke Rosenheim. Um das Trinkwasser vorsorglich vor möglichen Einträgen aus dem Grundwasser zu schützen, wollen die Stadtwerke entgegen früheren Plänen ihre UV-Anlagen nun dauerhaft betreiben. Zudem gibt Brühl Entwarnung für die Grundwasserqualität im Brunnen-Schutzgebiet: „Die Messdaten zeigen aktuell keine außergewöhnliche Belastung des Grundwassers. Die sehr vereinzelten Keimfunde liefern zudem keine Hinweise darauf, dass Schutzgebiets-Anrainer gegen Auflagen verstoßen hätten, wie häufig in Internet-Kommentaren vermutet wurde.“ Die Stadtwerke haben trotzdem die Kontrollen in den Schutzgebieten verstärkt. Zusätzlich soll der Zaun um das innerste Schutzgebiet gegen das Eindringen von Wildtieren ausgebaut werden.

Warum trotzdem Keime sowohl vor, als auch nach der UV-Desinfektion in Proben auftauchten, erklärt Dr. Beate Hambsch, leitende Mikrobiologin am TZW, unter anderem mit einer Entdeckung an Probennahmenhähnen: „In der Gewindedichtung eines Hahns fanden wir eine größere Konzentration von Keimen.“ Der Hahn war mit eingefettetem Hanf umwickelt, eine laut Hambsch gängige Vorgehensweise. Beim Abfüllen waren so vermutlich Keime in die Probenbehälter gelangt. Die Stadtwerke haben inzwischen alle betroffenen Hähne ausgetauscht und mit Teflon eingedichtet.

Allerdings seien an den Gewinden der Hähne bislang keine Enterokokken nachgewiesen worden, die Analysen einiger Hähne stünden aber noch aus, sagt Brühl. „Unserer Ansicht nach sind die Probenhähne eine von mehreren möglichen Ursachen, die die Probenergebnisse verfälscht haben können. Auf jeden Fall konnten wir die Ursachen eingrenzen, und zwar auf den Bereich der Probennahme. Der umfasst die Probennahmenhähne und ihre Zuleitung in den Brunnen bis hin zur Auswertung der Messdaten“, so Brühl.

Für diese Annahme spricht laut Brühl auch das Muster der aktuellen Keimfunde: Bei der Keimbelastung nach den starken Regenfällen im Jahr 2011 etwa sei die Zahl der Keimfunde seinerzeit sehr schnell angestiegen und daraufhin langsam wieder abgeklungen, erklärt Brühl. „Wir haben also kontinuierlich Keime gefunden. Diesen Oktober hingegen erhielten wir nur wenige isolierte Einzelwerte. Zudem fanden wir in den Proben keine Begleitkeime, was bei nennenswerten Einträgen aus der Natur zu erwarten wäre.“

Besonders widersprüchlich erscheinen nach Darstellung der Stadtwerke im Rückblick zwei Messungen: „In einer Probe fand sich nach der UV-Behandlung eine große Zahl von Keimen, während eine parallele Probe aus dem Rohwasser, also vor der UV-Desinfektion, völlig keimfrei war“, sagt Brühl. Ebenso wenig Sinn ergebe, so Brühl, ein Befund aus dem Hochbehälter in Waldering von Ende Oktober, bei dem sogar zwei Keime in einer gechlorten Probe gemessen wurden: „Dieser Befund ist nur zu erklären, wenn die Keime im Bereich der Probennahme, also von der Zuleitung, den Hähnen bis zur Auswertung eingetragen wurden“, sagt Brühl.

Geduldsprobe

Angesichts der Untersuchungsergebnisse und unbelasteter Trinkwasserproben im November begrüßt Brühl die baldige Aufhebung der Chlorung und entschuldigt sich für die Belastungen durch das gechlorte Trinkwasser: „Unsere Kundinnen und Kunden mussten lange genug die Chlorung ihres Trinkwassers erdulden. Dafür entschuldigen wir uns bei den Rosenheimern und den Menschen in den Umlandgemeinden und bedanken uns für ihre Geduld“, betont Brühl.

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