..wie gut, wenn sie dann jemanden finden, der mit ihnen den Zauber der Weihnacht teilt. Fotos: i-stock

Weihnachten ist trotzdem

16.12.2014 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

„Herbergen“ für Trauernde, Kinder und Einsame

Wenn draußen die Weihnachtslichter blinken, die Luft nach Plätzchen und Glühwein duftet, Geschenke auf ihre Käufer warten und Weihnachtslieder unsere Ohren betäuben, dann ist diese duftende Glitzerwelt für manche von uns nur schwer zu ertragen. Wer sich von einem lieben Menschen verabschieden musste, wer kein Zuhause hat oder keine Eltern, der wird dieses Fest der Liebe ganz anders erleben – aber Weihnachten ist trotzdem – und wichtig ist gerade für diese Menschen, dass sie zu Weihnachten eine Herberge finden.

Drei schöne Beispiele aus unserer Region: Weihnachten ist in den Kinderdörfern eine nicht gänzlich unbeschwerte Zeit. Das Fest der Liebe, das normalerweise im Kreise der Familie gefeiert wird, erinnert die Kinder oftmals schmerzhaft an ihr eigenes Schicksal.

Dennoch ist im Caritas Kinderdorf Irschenberg Vorfreude zu spüren. Gemeinsam mit den Hausmüttern und Erzieherinnen werden Plätzchen gebacken, erste Weihnachtslieder klingen aus den zwölf weihnachtlich dekorierten Häusern. Die Kinderdorfeltern sind in diesen Wochen besonders um eine ruhige Atmosphäre bemüht, denn die Gedanken vieler Mädchen und Jungen sind in dieser Zeit auch bei ihren leiblichen Eltern. Auf Grund von psychischen Krankheiten, Suchtproblemen, Gefängnis-aufenthalten oder anderen familiären Schwierigkeiten können sie nicht bei ihnen leben.

Viele kennen das Gefühl umsorgt und geliebt zu werden erst, seitdem sie im Kinderdorf leben. Wie der sechsjährige Jonas (Name von der Redaktion geändert). Auch Wochen nach seiner Ankunft fragte er jeden Tag nach dem Kindergarten erstaunt, ob es denn heute Mittag schon wieder etwas zu essen gäbe.

Den Verantwortlichen der Caritas liegt sehr viel daran, den Druck in der Adventszeit von den Kindern und Jugendlichen zu nehmen und ihnen ein entspanntes Weihnachtsfest zu ermöglichen. Dorfleiter Wolfgang Hodbod weiß: „Die eigenen Eltern bleiben immer die Eltern, auch wenn sie Fehler gemacht haben. Nach Möglichkeit sollen die Kinder auch wieder zu ihnen zurückkehren, wenn diese sich ausreichend um deren Wohl kümmern können.“

Wenn jetzt in der Schule oder im Kindergarten Weihnachtsgeschenke gebastelt werden, ist es den Mädchen und Buben deshalb freigestellt, diese ihren leiblichen Eltern zu schicken. Jedoch für die meisten ist klar, dass diese die Kinderdorfmama bekommen soll. Denn sie ist es, die immer für sie da ist. Die ihnen jeden Tag die Pausenbrote streicht, mit ihnen Hausaufgaben macht und in der Nacht aufsteht, wenn sie wach werden. Einen großen Beitrag zur Harmonie leisten die Jugendlichen in den Kinderdorffamilien.
Insbesondere die, die schon länger dort leben, wissen gut mit der Situation umzugehen und kümmern sich um die Kleineren. Genau wie in einer normalen Familie.

Festessen für einsame Menschen

Einer von ihnen ist Peter Kaiser mit dem Verein „Rosenheimer Leibspeise e.V.“. Seit zehn Jahren lädt er am Heiligen Abend in die Räume der Pfarrgemeinde Heilig Blut alle ein, die sonst an Weihnachten allein sein würden. Gemeinsam feiern sie im Katholischen Pfarrzentrum Heilig Blut Happing/Kaltwies, Heilig-Blut-Straße 43 c, mit einem festlichen Mahl, einer beschaulichen Andacht und einem geselligen Abend das große Fest. Im vergangenen Jahr nahmen knapp 50 Menschen diese kostenlose Gelegenheit wahr und verbrachten einen glücklichen Abend in Gemeinschaft.
„Niemand soll in dieser Nacht allein oder traurig sein müssen“, so die ehrenamtlichen Helfer. Wir sind dort ab 17 Uhr bis zum frühen Morgen des ersten Feiertages für die Menschen da, die mit Weihnachten nicht so recht umgehen können oder die, die allein sind und es nicht bleiben möchten. Es gibt verschiedene Gründe, das Team von der „Leibspeise“ ist für sie da. Am Ende, egal wie spät es ist, wird jeder von Helfern nach Hause gefahren.
Wer mitfeiern oder noch Geschenke abgeben möchte, meldet sich gern unter Telefon 0 80 31/9 00 33 25 oder 0 1 72/8 52 60 34 bei Peter Kaiser an.

„Weihnachten ohne dich“

In Bruckmühl gibt es heuer erstmals einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen, die heuer einen lieben Menschen verloren haben und sich das Weihnachtsfest ohne ihn nicht vorstellen können.

„Weihnachten ohne dich“ heißt es am Montag, 22. Dezember, von 17.30 bis 22 Uhr, im Pfarrhaus Kirchdorf am Haunpold bei Bruckmühl, Ginshamer Straße 21.

„Für Trauernde, die einen lieben Menschen verloren haben, ist Weihnachten eine schwere Zeit,“ wissen die Veranstalterinnen dieses Abends, Trauerbegleiterin Susanne Miller und Hospizhelferin Annemarie Schmid.
Mancher glaubt, die Festtage nicht durchstehen zu können. Vielleicht liegt aber auch der Verlust schon länger zurück und man verspürt die Trauer noch gleich stark, so dass man sie seinem Umfeld an den Festtagen nicht zumuten möchte.
Für sie kommt dieses Angebot gerade recht, einen Abend im Kreis von Menschen zu verbringen, denen es ähnlich geht oder die Ähnliches erlebt haben. Nach einem schönen Abendessen soll Gelegenheit sein, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Jakobus-Hospizverein e.V. für Stadt und Landkreis Rosenheim und dem Pfarrverband Heufeld-Weihenlinden statt. Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 0 80 62/67 59 oder auch per E-Mail an: klampfensepp@t-online.de. Die Teilnahme kostet 20 Euro pro Person inklusive Abendessen und Getränke.
 Petra Maier

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