Vermeiden, reparieren, recyceln

30.07.2019 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Abfallberaterin: „Der beste Müll ist der, der gar nicht entsteht“ – Kindertageseinrichtung Christkönig macht mobil gegen Umweltverschmutzung

Verendete Seevögel und Fische, verhungert mit Unmengen Plastikmüll im Magen – diese erschütternden Bilder in den Medien haben in den letzten Jahren wohl viele Bürger für das Thema Mikroplastik und die Folgen unser aller Konsumverhaltens sensibilisiert. Was esse ich? Wo kaufe ich die Lebensmittel ein und wie sind sie verpackt? Kann ich ein kaputtes Gerät reparieren oder brauche ich ein neues? Wie entsorge ich die leeren Verpackungen ordnungsgemäß? Ein jeder von uns muss sich täglich mit diesen und ähnlichen Fragen auseinandersetzen.

Die gesammelten Wertstoffe kann man dann in Containern, die in ganz Rosenheim verteilt sind, entsorgen: Altglas, Leichtstoffverpackungen, Papier und Pappe sowie kompostierbare Grünabfälle aus Küche und Garten. Dabei gibt es auch Grenzfälle, bei denen die Art der Entsorgung nicht ganz klar ist: Wissen Sie, wie man Glühbirnen und Energiesparlampen entsorgt? Was tun mit Backpapier, beschichtetem Papier wie alten Kontoauszügen oder Kassenbons? Dürfen sogenannte Biomüll-Tüten gemeinsam mit dem gesammelten kompostierbaren Grüngut in den Container geworfen werden? Und soll man Schraubdeckel vom Altglas und den Aludeckel vom leeren Joghurtbecher abmachen, bevor man die Wertstoffe in den Container wirft?

Auf all diese Fragen und viele andere mehr gibt es kompetente Antworten bei der Rosenheimer Abfallberaterin Barbara Gasteiger im Umwelt- und Grünflächenamt. An sie können sich alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt bei sämtlichen Fragen rund um Müllvermeidung und Entsorgung wenden.
Einfache Glühbirnen, so die Abfallberaterin, kommen in den Restmüll, Energiesparlampen sind genauso wie etwa Batterien aller Art Problemmüll und müssen beim Entsorgungshof in der Innlände 25 abgegeben werden. Backpapier gehört ebenso wie beschichtetes Papier, Kontoauszüge und Ähnliches in den Restmüll.

Und bei den „biologisch abbaubaren“ Kunststoff-Müllbeuteln sei Vorsicht angebracht: Ganz im Gegensatz zu ihrem wohlklingenden Namen würden diese nur sehr langsam verrotten und gehören deshalb nicht in die Container für kompostierbares Grüngut, wo sie mit viel Aufwand wieder heraussortiert werden müssten. Anders als die Papiertüten speziell für die Biopresscontainer. Diese erhält man kostenlos beim Wertstoffhof und im Umwelt- und Grünflächenamt. Und da wäre noch die Sache mit den Joghurt-Bechern und Schraubdeckeln. Der Rat der Abfallberaterin: „Leichtverpackungen werden in einem Entsorgungsbetrieb in einem Trennsystem nach Materialien sortiert. Deshalb sollte man unbedingt den Alu-Deckel vom Becher trennen, bevor man beides in den Container wirft.“ Auch die Schraubdeckel auf Gläsern sollten weitestgehend entfernt und getrennt vom Glas entsorgt werden.

„Allerdings: Der beste Müll ist der, der gar nicht erst entsteht“, so bringt es Barbara Gasteiger prägnant auf den Punkt. Sowohl die Herstellung als auch das Recycling eines jeden Produktes koste Energie und Rohstoffe. Insofern stehe die Vermeidung überflüssiger Verpackungen ganz oben auf der Umweltschutzagenda: „Das beginnt damit, dass man zum Einkaufen einen Korb oder eine Tasche mitnimmt. Sehr gut vermeiden lassen sich auch die dünnen Plastiktüten beim Obst und Gemüse. Hier gibt es etwa wiederverwendbare Netze, in die man seine Einkäufe verpacken kann.“ Bei Getränken sollte man auf Mehrwegpfandflaschen setzen. Der Energie- und Ressourcenverbrauch für Rücktransport und Reinigung ist bei Mehrwegflaschen geringer als der zusätzliche Herstellungsaufwand für Einwegflaschen. Dies gelte umso mehr, je regionaler der Vertrieb und je höher die Zahl der Wiederbefüllungen sind.

Außerdem dürfe man einen weiteren Aspekt bei der Müllvermeidung, nämlich die Reparatur, nicht außer Acht lassen, erläutert Ralf Seeburger, Amtsleiter im Umwelt- und Grünflächenamt: „Erfreulicherweise gibt es bei uns in der Region mehrere sogenannte Repair-Cafés. Hier kann man unter fachkundiger Anleitung alle möglichen Geräte und Gebrauchsgegenstände wieder instand setzen und reparieren. Das spart Ressourcen, Energie und schont ganz nebenbei noch den eigenen Geldbeutel!“

Junge Generation macht mobil

Das Bewusstsein für Umweltschutz und Müllvermeidung ist bekanntermaßen nicht nur eine Sache für Erwachsene, was die weltweiten „Fridays for future“-Schülerdemonstrationen und Greta Thunberg bewiesen haben. Immer junge Menschen fordern die Elterngeneration und Politiker nachdrücklich auf, sich für die Zukunft des Planeten einzusetzen. So etwa auch die Kinder der Kindertageseinrichtung Christkönig in Rosenheim. Mit viel Engagement und pfiffigen Ideen hat man hier der Unachtsamkeit, Umweltverschmutzung und der zunehmenden Vermüllung des öffentlichen Raumes rund um die Kita den Kampf angesagt. Immer wieder mussten Kinder, Eltern und Erzieherinnen feststellen, dass die Wertstoffcontainer in unmittelbarer Nachbarschaft der Einrichtung regelrecht zugemüllt wurden. Jede Menge Gegenstände und Abfall wurden auf den Behältern abgestellt oder daneben geworfen. Die Hortkinder Catarina, Felix, Sophia und Veith berichten davon, dass rücksichtlose Zeitgenossen sogar Zigarettenkippen, Flaschen, Dosen und anderen Müll über den Zaun in den Garten der Kindertageseinrichtung geworfen haben. „Dagegen wollten wir ein deutliches Zeichen setzen!“, so Erzieherin Gerti Gabler. Und wer jetzt an der Einrichtung vorbeischaut, wird in deren Umfeld unzählige kreativ gestaltete Schilder sehen, mit denen die Kinder auf diese untragbare Situation aufmerksam machen. „Die Sprüche haben wir Hortkinder uns alle selbst einfallen lassen“, erzählen Catarina, Felix, Sophia und Veith stolz. „Kippen in der Abfall sonst: Knall“ oder „Willst Du unsere KITA vermüllen, werden die Kinder brüllen.“ Mit diesen Gedankenanstößen wollen sie die Menschen zu mehr Achtsamkeit und zum Nachdenken animieren. Auf große Anerkennung und Begeisterung stößt dieses Projekt, so berichtet Einrichtungsleiterin Astrid Fürleger, übrigens nicht nur bei den Eltern, sondern auch bei den Kirchgängern, die sich über einen sauberen Platz rund um das Gotteshaus freuen würden. „Wir werden uns der Themen Umweltschutz und Müllvermeidung auch weiterhin annehmen. Heuer stand unser Sommerfest ganz im Zeichen von Nachhaltigkeit, auch die Rosenheimer Abfallberaterin war bei uns schon zu Gast“, so Astrid Fürleger.

Und was machen die leidenschaftlichen kleinen Umweltschützer, wenn die Plakataktion nicht dauerhaft erfolgreich ist? „Dann lassen wir uns etwas Neues einfallen“, sagt der Grundschüler Felix voller Überzeugung.  ff

 

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