„Aus Unglück wird Glück“

19.07.2021 • Aktuelles, Landkreis Rosenheim, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Der Chiemgauer Markus Wössner und sein Herzensprojekt „Gold für Kristi“ in Nepal

Wenn aus einem tragischen Flugzeugabsturz ein nachhaltiges Hilfsprojekt für Kinder erwächst, aus Unglück Glück wird, dann klingt das unfassbar und unglaublich. Und doch ist das die wunderbare Geschichte des Chiemgauers Markus Wössner und seines Herzensanliegens, das ihn bereits seit fast 20 Jahren begleitet.

Der traurige Ausgangspunkt liegt 19 Jahre zurück: Im August 2002 starb die Schwester von Markus Wössner gemeinsam mit ihrem Mann und 16 anderen Menschen bei einem Flugzeugabsturz im nepalesischen Kristi, Nähe Pokhara. Ein schmerzhafter, traumatischer Verlust, der bei Markus Wössner aber nicht zu Verbitterung führte, sondern den Impuls gab für sein leidenschaftliches Engagement, das ihn seither nicht mehr loslassen sollte. Seine verunglückte Schwester war Lehrerin, ebenso wie seine Eltern Pädagogen sind: Was lag also näher, als an der Absturzstelle als Gedenken an die Toten eine Schule zu errichten? Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass mit Geld der Fluggesellschaft und des Reiseveranstalters sowie unglaublich viel Eigenleistung der Bewohner die „New Social English School“ gebaut werden konnte.

Sie ermöglicht Waisenkindern und den Söhnen und Töchtern verarmter Eltern den Schulbesuch. „Bildung ist ein höchst wertvolles Geschenk, das frei von Geschlecht oder materiellen Hindernissen jedem Kind zugänglich sein sollte“, ist Markus Wössner zutiefst überzeugt. Und deshalb begleitet er dieses „Pflänzchen der Hoffnung“, das inzwischen zu einem segensreichen, nachhaltigen Projekt gewachsen ist, auch weiterhin. Und zwar mit viel Herzblut, Kreativität und persönlichem Einsatz. Wössner arbeitete mit der Organisation „Zahnärzte ohne Grenzen“ zusammen, aktueller Projektpartner ist der gemeinnützige Verein „radeln und helfen“ von Gerhard Dashuber. Mit unzähligen Spendenaktionen, Sammlungen und nicht zuletzt durch die persönliche Überzeugungskraft von Markus Wössner kamen die nötigen finanziellen Mittel zusammen, die Schule nicht nur zu erhalten, sondern auch immer weiter auszubauen und besser auszustatten.

Und die Ideen gehen dem sympathischen Chiemgauer dabei nie aus: Bei der „Everesting Woche“ vor einem Monat bezwangen Wössner und sein Team etwa ihren persönlichen Everest, die Kampenwand und radelten mehrfach auf den „Chiemgauer Hausberg“, um die 8848 Höhenmeter des höchsten Berges der Welt zu bewältigen. Sponsoren belohnten die Leistung mit Spenden. Zudem hat Markus Wössner mehrere regionale Unternehmer und Produzenten gefunden, die das Projekt unterstützen wollen und pro verkauftem Produkt eine Spende abführen. „Das ist einfach wunderbar, dass sich so viele Menschen von der Begeisterung für dieses Hilfsprojekt anstecken lassen! Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass immer wieder Leute in mein Leben treten, die dafür offen sind!“, freut sich Markus Wössner. So auch eine Künstlerin, die eindrucksvolle Bronzefiguren von Athletinnen und Athleten fertigt. Die Versteigerung der Kunstwerke zugunsten des Schulprojektes ist geplant, wenn die Reihe der Skulpturen fertiggestellt ist.

Rückschläge und Probleme haben Markus Wössner und seine Mitstreiter übrigens immer wieder mit Leidenschaft und Hartnäckigkeit bewältigt. Etwa als nach dem verheerenden Erdbeben 2015 in Nepal eine Gebietsreform durchgeführt wurde und die Schule am ursprünglichen Standort länger geschlossen werden musste. „Ein schwerer Schlag! Doch es gab nach mehreren Monaten eine wunderbare Fügung des Schicksals: 15 Gehminuten entfernt liegt die Shree Bayali Basic School, mit der wir sozusagen fusionieren und unser Projekt so fortführen konnten“, erinnert sich Markus Wössner. „Der Direktor dieser Schule, das stellte sich heraus, ist der Bruder eines der Ersthelfer, die seinerzeit beim Flugzeugabsturz 2002 vor Ort waren. Und er war unglaublich aufgeschlossen und begeistert für diese Idee!“ Und so konnte die wunderbare Geschichte weitergehen: nachhaltige Hilfe für Kinder und ihre Eltern in einem bitter armen und übrigens von der Corona-Pandemie heftig gebeutelten Land.

Und das sichtbare Zeichen dafür, dass diese Idee und das Projekt weitergeführt werden, steht auf dem Hof der Schule: Ein Stupa, ein buddhistischer Gedenkstein, der ursprünglich im Jahr 2005 auf dem Gelände der ersten Schule am Unglücksort errichtet wurde und auf dem die Namen der Verunglückten stehen. Das Denkmal wurde abgebaut und bei der neuen Schule wieder aufgestellt. Und so schließt sich der Kreis wieder: Aus dem Unglück wurde Glück.

Alle Informationen über das Projekt und das Engagement von Markus Wössner findet man unter gold-fuer-kristi.de.
Franziska Finsterwalder

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