Jenny Püschner an ihrem Arbeitsplatz: Sie hat Spaß an ihrem Beruf. Foto: Stadtwerke Rosenheim

Typisch Mann, typisch Frau?

26.03.2019 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Girl´s Day am 27. März: Immer mehr Frauen erobern Männerdomänen

Mal ganz ehrlich: Denkt man an einen Kindergarten, wer betreut hier die Kinder? Natürlich Frauen. Beim Blick in eine Autowerkstatt, wen erwartet man? Selbstverständlich Männer als Mechaniker. Und mit diesen Rollenklischees ist man nicht allein, betrachtet man eine repräsentative Umfrage, die vor fünf Jahren anlässlich des bundesweiten „Girl`s Day“ am 27. März veröffentlicht wurde.

Fast jeder dritte befragte Mann meinte nämlich, dass es nicht mehr Frauen in sogenannten klassischen Männerberufen geben sollte. Die weiblichen Befragten zeigten sich immerhin etwas offener; hier verneinten 19 Prozent, dass Frauen in männliche Domänen vordringen sollten, 62 Prozent hingegen finden das gut.
Die Berufsrealität entwickelt sich jedoch an diesen Vorurteilen und Klischees vorbei in eine ganz andere Richtung. Immer mehr Männer etwa wählen den Beruf des Erziehers und immer mehr junge Frauen machen eine Ausbildung und arbeiten in männerdominerten Berufen.
Zwei davon sind Jenny Püschner und Sophie Kink bei den Stadtwerken Rosenheim. Jenny Püschners Arbeitsplatz ist die Wertstoffsammelstelle in Rosenheim, wo sie ihre Ausbildung zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft absolviert. Sophie Kink hat ihre Ausbildung vor einem halben Jahr abgeschlossen und arbeitet als Anlagenmechanikerin Fernwärme.

Den Wunsch nach einem handwerklichen Beruf hatten beide junge Frauen bereits sehr früh. Sophie Kink: „Ich bin in einer Landwirtschaft aufgewachsen und wusste von Anfang an, dass mein Berufsweg in diese Richtung geht.“ Sie und auch Jenny Püschner konnten dabei immer auf die Unterstützung ihrer Eltern zählen. „Das ist eine wichtige Hilfe für die jungen Menschen“, bestätigt auch Ines Köppl, Ausbildungsleiterin bei den Stadtwerken. „Wenn die Eltern ihren Sohn oder ihre Tochter in ihren Begabungen fördern und sie bei der Berufswahl unterstützen, ist ein wichtiger Schritt in Richtung gelungenem Berufsstart gemacht.“

Ein weiterer wichtiger Baustein für die Berufswahl, so Ines Köppl, sind Betriebspraktika, die es ermöglichen, in einen Beruf „reinzuschnuppern“: „So lernt man den Betrieb kennen, die Kollegen und den Berufsalltag. Und damit kann man so manche Enttäuschung vermeiden, wenn man sich die Ausbildung etwa anders vorgestellt hat.“

Sophie Kink und Jenny Püschner haben übrigens auch beide vor ihrem Ausbildungsbeginn mehrere Praktika in verschiedenen Bereichen gemacht. Für sie eine wichtige Erfahrung, bei der man sich mit unterschiedlichen Berufsbildern auseinandersetzen konnte. So haben sie übrigens auch ihre beiden „Traumberufe“ bei den Stadtwerken gefunden, von denen sie voller Begeisterung erzählen. Beide schätzen den regelmäßigen Kontakt zu den Kunden, die Vielseitigkeit und Abwechslung, die ihre Tätigkeit zu bieten hat. Ihr Rat an alle jungen Schulabgängerinnen: „Traut Euch einfach! Ein Praktikum ist absolut empfehlenswert!“
Voll des Lobes sind die beiden jungen Frauen für ihren Arbeitgeber, die Stadtwerke: „Wir sind vom Betrieb, den Kollegen und unseren Ausbildern immer unterstützt und respektiert worden!“ So ist das Thema „Frau in einem Männerberuf“ eigentlich gar keines für die beiden selbstbewussten, sympathischen jungen Frauen: „Falls wirklich mal ein blöder Spruch kommt, da können wir wirklich nur darüber lächeln!“

Von der anderen Seite her betrachtet der 50-jährige Christian, der als Heilerziehungspfleger in einer Kindertagesstätte im Landkreis Rosenheim arbeitet, die Rollenklischees. Seiner langjährigen Erfahrung nach, könnten Männer als pädagogisches Fachpersonal ganz besondere, neue Aspekte einbringen: „Der Zugang zu den Kindern ist ein anderer. Allein schon durch die Besonderheit, dass sie ein männliches Wesen im sozialen Bereich treffen. Männer können zuhören, Kinder mit ihren Bedürfnissen wahrnehmen und ernst nehmen. Und vorallem können sie den Jungs zeigen, dass Männer auch sensible Seiten haben dürfen, die auch positiv sind.“ Er berichtet, dass seine Entscheidung, Heilerziehungspfleger zu werden und damit in einer „Frauendomäne“ zu arbeiten, von seinem persönlichen Umfeld durchweg positiv aufgenommen wurde, der eine oder andere Mann sei jedoch etwas „irritiert“ gewesen.

Gesellschaftlich habe es in den letzten Jahren durchaus Fortschritte in der Akzeptanz von männlichen Mitarbeitern in Kindertagesstätten gegeben, so der Heilerziehungspfleger: „Grundsätzlich werden in den Einrichtungen Männer gerne gesehen und freundlich aufgenommen. Auch das Bewusstsein in der Bevölkerung für gute Kinderbetreuung aber auch dafür, wie herausfordernd der Erzieherberuf ist, steigt.“

Wermutstropfen bleibt für ihn das Gehalt, das pädgagogische Fachkräfte erhalten und in keinem Verhältnis zu den Herausforderungen und der Verantwortung des Berufes steht: „In diesem Bereich und bei der dringend benötigten Ausbildungsreform und der Weiterentwicklung von Betreuungsideen, kann ich leider keine Fortschritte ausmachen.“
F.Finsterwalder-Bach

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