Sport sucht Perspektive!

22.02.2021 • Aktuelles, Nachrichten

Der Bayerische Landessportverband (BLSV) schlägt Alarm

Bundesliga, Fußball-Champions League, Handball-Weltmeisterschaft oder Biathlon Weltcup. Die aktuelle Sport-Berichterstattung ist an Höhepunkten nicht arm. Die Athletinnen und Athleten reisen für diese Veranstaltungen quer durch die ganze Welt; gerade in den letzten Wochen sorgte der Flug des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München zur Club-WM nach Katar für Schlagzeilen und zum Teil heftige Kritik.

Im Profisport läuft alles wie geschmiert, so scheint es. Doch angesichts der derzeitigen Pandemie-Einschränkungen und nach der Verlängerung des Lockdowns bis 7. März steht es um den Breitensport schlecht. Leere Hallen, Schwimmbäder und Sportplätze- der Trainingsbetrieb der rund 12 000 Sportvereine in Bayern steht still.
Nun schlägt der Bayerische Landessportverband (BLSV) Alarm und fordert eine Perspektive für den Wiedereinstieg in die Sportausübung.
„Wir brauchen jetzt eine Öffnungsperspektive, ab wann der Vereinssport wieder ausgeübt werden kann“, sagt Jörg Ammon. „Für die Gesundheit unserer Bevölkerung ist es höchste Zeit, dass wieder Sport im Verein stattfinden kann.“ Der BLSV-Präsident führt weiter aus, dass der Verband für die Wiederaufnahme zusammen mit der TU München ein Stufenmodel entwickelt habe, das die Sportausübung in Stufen ermöglicht, abhängig vom jeweiligen Infektionsgeschehen. Bei einem 7-Tage-Inzidenzwert zwischen 50 und 100, wie derzeit, soll der Trainingsbetrieb in allen Sportarten in festen Gruppen bis maximal zehn Personen im Innen- und Außenbereich bei größtmöglicher Vermeidung des Körperkontaktes geöffnet werden. Sportveranstaltungen im Freien und in Hallen ohne Zuschauer sollen genauso wie die Nutzung von Hallen und Schwimmbädern erlaubt werden. Sinkt der Inzidenzwert weiter, können stufenweise weitere Lockerungen erfolgen. Bei alledem werden die gängigen Hygienekonzepte befolgt. „Schon letztes Jahr hat der organisierte Sport bewiesen, dass seine Hygienekonzepte von den Sportlerinnen und Sportlern befolgt werden. Disziplin gehört zum Sport dazu“, sagt Ammon weiter.
Große Sorge bereitet dem Verband neben der dringend nötigen Öffnungsperspektive für die Vereine auch ein anderer Punkt. „Der Bewegungsmangel gerade bei Kindern und Jugendlichen hat durch die erhöhte Bildschirmzeit aufgrund des Corona-bedingten digitalen Distanzunterrichts noch einmal zugenommen. Deswegen ist es gerade für Kinder und Jugendliche immens wichtig, dass der Sportbetrieb so schnell als möglich wieder anläuft, um sie wieder für Sport und Bewegung zu begeistern“, erklärt Dr. Volker Renz, der Vorsitzende der Bayerischen Sportjugend im BLSV. Der Verband hat festgestellt, dass gerade bei den Kindern und Jugendlichen der derzeitige Mitgliederrückgang mit fünf beziehungsweise 3,7 Prozent besonders gravierend sei und noch über dem Durchschnitt von minus zwei Prozent insgesamt liege.

Verbunden damit sind natürlich neben den gesamtgesellschaftlichen Folgen auch enorme wirtschaftliche Einbußen für die Vereine, die von einem großen ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder und Übungsleiter getragen werden. Derzeit ermittelt der BLSV gerade über ein Meldeportal wirtschaftlichen Schäden. 2020 konnte die vom BLSV erreichte Verdoppelung der Vereinspauschale von 20 auf 40 Millionen allerdings etwas Linderung verschaffen, ebenso wie finanzielle Hilfen für die Sportfachverbände. Eine Hilfe, die auch heuer wieder dringend erforderlich ist. „Auch dafür setzen wir uns wieder beim Freistaat ein“, bestätigt Ammon.
Genauso wie der BLSV-Präsident fordert auch Klaus Jordan, Vorsitzender des SV Westerndorf wieder eine Perspektive für den Breiten- und Amateursport. Sein Verein in Rosenheim hat über 1000 Mitglieder in unterschiedlichen Abteilungen, darunter fast 50 Prozent Kinder und Jugendliche. Die größte Abteilung mit 490 Mitgliedern und 15 Mannschaften ist die Fußballabteilung. Er schildert die derzeitige Situation: „Ein Sportverein in Corona-Zeiten ist eine traurige Sache. Natürlich schmerzt es sehr, dass unsere Sportler bei den sehr guten Trainingsbedingungen über viele Monate gar nicht trainieren konnten. Gerade den Jugendlichen ist die Sehnsucht nach einem ungezwungenen geregelten Trainings- und Spielbetrieb anzumerken und es ist auch ungeheuer wichtig für sie. Es gibt im Verein einige Angebote auch in diesen Zeiten, so hat die Gymnastikabteilung auf Online-Kurse umgestellt, die Fußballer – alle Altersgruppen – haben im Januar eine online-Laufchallenge veranstaltet, alles um wenigstens etwas vom Vereinsleben zu retten.“ Selbstverständlich, so Klaus Jordan, bedeute der Lockdown auch finanzielle Einbußen: „Natürlich gehen uns auch Einnahmen ab, u.a. die Zuschauereinnahmen aus den Kreisligaspielen, und natürlich die Bewirtung dieser Zuschauer im Vereinsheim nach den Spielen. Da klafft eine große Lücke, die wir so nicht schließen können, wir müssen halt sparsam wirtschaften.“ Zudem mache sich natürlich auch ein Schwund der Mitglieder bemerkbar; allerdings nicht wegen Austritte, vielmehr würde die normale Fluktuation nicht mehr durch Neueintritte kompensiert: „Aber klar, wer tritt zur Zeit in einen Sportverein ein?“
Ein großes Lob spricht Vereinsvorsitzender Jordan seinen Mitstreitern beim SV Westerndorf aus: „Bedanken möchte ich mich bei allen Trainern und Übungsleitern, die gewisse Einschnitte zu ertragen hatten, und das immer zum Wohl des Vereins mitgetragen haben.“ Und er freut sich schon auf die Zeit, wenn das normale Vereinsleben wieder beginnt, man sich ungezwungen im Vereinshaus wieder treffen und austauschen kann: „Denn das fehlt uns allen wahrscheinlich am meisten!“ ff/Foto: istock

 

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