Eines der „Sehstücke“ der Klasse Doberauer. Repro: Klasse Doberauer

„Sehstück“

06.06.2017 • Aktuelles, Kultur, Lk Rosenheim

Münchener Kunstakademie Anke Doberauer mit Klasse

Als erste Ausstellung junger, aktueller Kunst in der mustergültig neu renovierten Galerie im Alten Rathaus freut sich der Kulturförderverein Prien, die renommierte Malerin Anke Doberauer mit ihrer mittlerweile weit über Münchens Grenzen hinaus bekannten Klasse für Malerei und Grafik der Münchner Akademie der Bildenden Künste von Donnerstag, 15. Juni, bis Mittwoch, 9. August, präsentieren zu können.

Für ihr „Sehstück“ haben sich die Künstler etwas ganz Besonderes ausgedacht: sie nahmen die Ausstellung zum Anlass, um sich ausgiebig vor Ort mit der Chiemseelandschaft und dem Wirken der historischen Künstlerkolonie um den Chiemsee zu beschäftigen – im Rahmen eines zweiwöchigen Plein-Air-Malereiworkshops auf der Fraueninsel und in den umliegenden Ortschaften. Im Verein mit anderen Werken der jungen Künstler gezeigt, bilden diese neu entstandenen Arbeiten das Herzstück der Ausstellung. Das Leben in einer Künstlerkolonie ist angesichts der fortschreitenden Fragmentarisierung unseres städtischen Lebens ein aussterbendes Konzept. Die Plein-Air-Malerei, also das direkte Malen vor Ort an der freien Luft, hatte in der Genese der modernen Kunst eine zentrale Rolle gespielt, von John Constable über die Schule von Barbizon und Gustave Courbet bis hin zum Impressionismus und Cézanne. In eigentlich allen europäischen Ländern waren Plein-Air-Malerkolonien entstanden. In der heutigen Zeit dagegen, in der Realität weitgehend durch digitale Medien vermittelt wird, wirkt es zunehmend exotisch, wenn Maler dieselbe noch in ihrer unmittelbaren visuellen und taktilen Umgebung verorten. Spätestens seit dem Siegeszug der Pop Art ist das Malen nach Photos allgemeiner Standard, alles andere ist eigentlich verpönt und wird kaum praktiziert. Besonders aber die Darstellung landschaftlicher Schönheit wirkt problematisch, denn als Sujet der Malerei hat sie etwas ebenso Unzeitgemäßes wie Blumensträuße oder Sonnenuntergänge, und anders als in ironischer Brechung scheint sie kaum mehr möglich zu sein. Die jungen Künstler überprüfen im Experiment des Workshops, ob es heute tatsächlich unmöglich geworden ist, die außergewöhnliche und unbestreitbare Naturschönheit dieser Landschaft in gültigen, wahren und absolut zeitgenössischen Werken darzustellen: Blicke des einundzwanzigsten Jahrhunderts auf den schönen und von Einheimischen, Gästen und Urlaubern geschätzten Chiemsee.
Während der Ausstellung „Sehstück“ hat die Galerie im Alten Rathaus Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eingang befindet sich in der Alten Rathausstraße 22.
Weitere Informationen gibt es unter www.galerie-prien.de und unter der Telefonnummer 0 80 51/9 29 28.

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