er Narr, Viola, Sir Leichenwang und Sir Toby Rülps beim ängstlichen Gefecht (von links) Foto: Jacobi

Schönste und bitterste Komödie

17.11.2015 • Aktuelles, Kultur, Stadt Rosenheim

Shakespeares „Was ihr wollt“ im TAM-Ost

Wer sich einen wunderbaren Theaterabend lang köstlich amüsieren will, dem sei „Was ihr wollt“, Shakespeares verrückteste, auch seine schönste wie bitterste Komödie in der Inszenierung von Stefan Vincent Schmidt mit dem Ensemble des TAM-Ost nachhaltig empfohlen. In der Geschichte mit poetischer Sprachkunst liefern Liebespaare allen Couleurs und zu jeder Zeit Stoff für Rollentausch und Grabenkämpfe zwischen den Geschlechtern. Shakespeare führt hier das Kernthema seiner Komödien fort: die Sehnsüchte, Schmerzen und Nöte menschlicher Beziehungen mit Gefühlschaos, Liebeswirrwarr, falsche Identitäten und seelische Verirrungen. Wie der Regisseur und die exzellente Riege seiner Schauspieler das vorführen, ist höchst gelungen und von professioneller Qualität. Das Rund der Bühne ist großzügiger Spielplatz für das turbulente Geschehen. Hier wird zu Beginn die schiffbrüchig gewordene Viola (Jutta Schmidt) von Valentin (Anian Rutz), dem Diener des Herzogs Orsino (Christian Domnick) gerettet.

Ihren Zwillingsbruder Sebastian (Florian Fuchs) birgt der Pirat Antonio (Hermann Hager) aus den Fluten, doch glaubt Bruder wie Schwester jeweils vom anderen, er sei ertrunken.

Beim Herzog verdingt sich Viola, als Knabe verkleidet, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der Herzog wiederum glaubt, in die Gräfin Olivia (Claudia Loy) unglücklich verliebt zu sein und genießt doch nur sein vergebliches Werben. Musik (am Klavier Stefan Vincent Schmidt) lässt ihn in seine Liebessehnsucht versinken. Viola wiederum verliebt sich in Orsino, was sie in ihrer Maskerade in erhebliche Schwierigkeiten und Gefühlsverwirrungen stürzt. Gräfin Olivia dagegen, eigentlich spröde und den Herzog stets abweisend, fällt in Liebe zum vermeintlichen Knaben, in dem doch Viola steckt und der die Liebesbotschaften des Herzogs Olivia überbringt. Der Gräfin Onkel, der trinkfeste Sir Toby Rülps (Klaus Einsele) und sein Kumpan, der einfältige Sir Andrew Leichenwang (Helmut Huber) reißen das Publikum mit ihrer herrlichen Komik immer wieder hin zu Lachsalven.

Der selbstverliebte, eitle und gehässige Haushofmeister der Gräfin, Malvolio (Alexander Schoenhoff) wird schließlich ein Opfer seines Hochmuts. Die schlaue, kesse und ideenreiche Maria (Sabine Herrberg), Zofe der Gräfin, wird ihn mit Hilfe von Sir Toby und Fabian (Klaus Lüders), dem Malvolio einst übel mitgespielt hatte, in einem Ränkespiel der Lächerlichkeit preis geben. Der Narr aber (Klaus Schöberl) scheint als kluger Unterhalter voll des Humors, ist jedoch erfüllt von geheimer Trauer und Schwermut, wie sie jeder weise Clown kennt. Zum Ende werden die Fäden entwirrt und die Figuren durch ihre Erkenntnisse in Freude oder Wehmut, die Zuschauer aber begeistert entlassen.

Weitere Aufführungen sind am: 20., 21., 22., 27., 28., 29. November sowie 3., 4., 5., 6. Dezember, donnerstags. freitags, samstags um 20 Uhr, sonntags um 17 Uhr. Margrit Jacobi

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