Ohne Gegenstimme wiedergewählte BN-Kreisvorstände, von rechts: Schatzmeister Klaus Jordan (Rosenheim), 1. Vorsitzender Peter Kasperczyk (Bernau), 2. Vorsitzende Dr. Gertrud Knopp (Feldkirchen-Westerham), 3. Vorsitzender Georg Binder (Nußdorf) und Schriftführer Theo Schneider (Feldkirchen-Westerham).

„Reine Spatenstichpolitik ist eine Politik ohne Zukunft“

02.05.2017 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Jahreshauptversammlung der Bund Naturschutz Kreisgruppe Rosenheim mit Neuwahlen

Zur Jahreshauptversammlung der Bund Naturschutz Kreisgruppe Rosenheim konnte Peter Kasperczyk als besondere Ehrengäste MdL Klaus Stöttner (CSU), Bauernverbands-Kreisobmann Josef Bodmaier, Bezirksrätin Elisabeth Jordan (SPD) sowie zahlreiche Vertreter von Behörden und Verbänden begrüßen. In seinem Rückblick auf die vergangene Amtsperiode zeigte er Schwerpunkte der Arbeit der BN-Kreisgruppe auf: Mit Brennerbasistunnel, Westtangente, B15 neu, Ausbau A8, Bundesverkehrswegeplan 2030 und aktuell dem Brennernordzulauf war der Verkehr das dominierende Thema.

Der BN-Landesbeauftragte und Verkehrsexperte Richard Mergner stellte seinem Grundsatzreferat „Chancen und Herausforderungen für den Natur- und Umweltschutz“ mit dem Schwerpunkt Verkehr und Landschaftsschutz das deutliche Statement voran, dass es heute zuerst darum gehen müsse, die Demokratie mit ihren freien Medien gegen populistische Tendenzen zu verteidigen und „fake news“ mit Fakten zu begegnen. Gerade auch der Natur- und Umweltschutz brauche Demokratie und eine „Partizipationskultur, die den Namen verdient“ – auch beim Brennernordzulauf-Dialogverfahren, dem der BN weiterhin angehören will. Allerdings unter der klaren Prämisse einer ergebnisoffenen Erörterung auch grundsätzlicher Alternativen inklusive der Untersuchung und Bewertung eines strategischen Planszenarios „Verkehrsvermeidung und Bestandsstrecken-Ertüchtigung (zweigleisig) ohne neue Trasse“. Dies wäre eine nachhaltige Weichenstellung in Sachen Mobilität und Demokratie. Mergner brachte ein nicht zu unterschätzendes Problem auf den Punkt: „Auch Scheinbeteiligungs-verfahren, die keine Erörterung des ‚ob‘ vorsehen und in Alternativlosigkeit nur noch das ‚wie‘ diskutieren lassen, tragen zur wachsenden Politikverdrossenheit bei.“

Durch Wegfall der Dieselsubvention, faire Löhne und wirksame Kontrollen gegen Betrügereien, marktwirtschaftliche Steuerung mit intelligenterer Verteilung des Alpentransitverkehrs (Transitbörse), Erhöhung und Ausdehnung der LKW-Maut etc. könnte mit politischem Willen eine Reduzierung des LKW-Verkehrs und auch eine Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene erreicht werden, ohne dass im Inntal ein 3. und 4. Gleis neu gebaut werden müssen.

Wollte man dagegen weiterhin nichts Grundsätzliches an der Politik der Förderung von Verkehrswachstum ändern, würde das Inntal immer weiter in Lärm und Diesel-Abgasen ersticken, gerade auch mit zusätzlichen Schienenstrecken, so Richard Mergner. Die als treibende Notwendigkeit für eine völlig neue Bahntrasse angesehene massive Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene sei in der Praxis überhaupt nicht erkennbar. Im Gegenteil würden laufend Güterbahnhöfe geschlossen und die Gesellschaft DB cargo sei „am Straucheln“. Im Gegensatz zur verkehrspolitisch vorbildlichen Schweiz mangle es in einem „Auto- und Betonland Deutschland“ Politik und Bürgern an der Phantasie, sich die rational bereits als notwendig erkannte Transformation von Gesellschaft und Infrastruktur vorzustellen. Denn parallel zur „Stromwende“ müsse allein schon aus Gründen des Klimaschutzes zwingend auch die „Verkehrswende“ kommen. Der Verkehrssektor ist tatsächlich der einzige ohne jede CO2-Reduktion seit 1990. Daher müsse und werde „die Welt der Mobilität im Jahr 2040 völlig anders ausschauen.“ Planungen auf der Basis linearer Verkehrsprognosen seien in mehrfacher Hinsicht sinnlos. Kontraproduktiv sieht Mergner jedenfalls „gigantomanische Projekte, die eher der Bauindustrie dienen als einer zukunftsfähigen Mobilität.“
Durch eine unverändert hohe Mitgliederzahl (5400) sowie Spenden und dank einer großzügigen Schenkung an den BN ist die Arbeitsfähigkeit der KG laut Schatzmeister Klaus Jordan langfristig gesichert. Umweltpädagogin Ursula Fees berichtete über die erfolgreiche 2016er-Kampagne „Klimaschützer Moor“ und stellte das aktuelle Projekt „Niedermoor – unbekannte Schätze“ vor, an dem nach Möglichkeit Flüchtlinge beteiligt werden sollen. Ein großer Erfolg war die Erneuerung des Qualitätssiegels „Umweltbildung Bayern“ für die Bildungsarbeit der Kreisgruppe.
Führung und Programmatik der Kreisgruppe wurden in den Vorstandswahlen insbesondere dadurch bestätigt, dass der 1. Vorsitzende Peter Kasperczyk und seine zwei Stellvertreter Dr. Gertrud Knopp und Georg Binder in geheimer Abstimmung ohne eine einzige Gegenstimme im Amt bestätigt wurden. Schatzmeister Klaus Jordan, Schriftführer Theo Schneider sowie Steffen Storandt und Ingrid Stegmaier wurden ebenfalls wiedergewählt. Neu im zwölfköpfigen Gremium sind Mathias Otte (Brannenburg), Andrea Wauer (Raubling), Klaus Dehler (Kolbermoor) und Peter Wiedeburg (Stephanskirchen); nach sechs Jahren Pause wieder dabei: Ernst Böckler (Rosenheim). Mit herzlichem Dank für langjährige aktive Vorstandsarbeit wurden Ingrid Wittner, Gerhard Märkl, Burkhard Martl und Michael Hertel verabschiedet, die sich unter anderem bei Themen wie Flächenschutz, Bärnsee, Jugendarbeit und stadtökologischem Themenweg bleibende Verdienste erwerben konnten.

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