„Pflegekräfte werden bald selbst pflegebedürftig“

14.10.2014 • Aktuelles, Kurznachrichten

Leserbrief zu „Sarah‘s Pflege – im Notfall zwischen Umzugskisten?“

„Im Bezug auf den Artikel im echo Sarahas Pflege habe ich Ihnen einiges dazu zu sagen. Ich finde es schrecklich was der Familie passiert ist. Ich bin seit 1988 in diesem Beruf tätig, leider ist es so dass der Beruf einen durch die Behörden und den Staat immer mehr erschwert wird.

Ich arbeite als freiberufliche Pflegefachkraft und komme in sämtlichen Bundesländer in Heime und Kliniken. Wir sind die Feuerwehr für diese Einrichtungen. Jedoch wird immer mehr an Personal gespart. Alltagsbetreuer leisten gute Arbeit aber sind pflegerisch nicht ausgebildet. So können diese auch wenig auffangen.

Hat ein Mensch massive Schluckbeschwerden muss eine Pflegefachkraft das Essen reichen. Speisen auf Station dürfen auch nicht von Alltagsbetreuern ausgegeben werden usw. ich könnte noch mehr aufzählen. Wir als Freiberufler bekommen zur Zeit erst recht die Behördenwillkür zu spüren. Sollte eine Einrichtung eine Betriebsprüfung haben und stellen diese fest dass freiberufliche Fachkräfte gebucht worden sind, dann steht uns auch gleich eine Betriebsprüfung ins Haus. Dann heißt es wegen Scheinselbstständigkeit muss geprüft werden. Der Fragenkatalog ist so umfassend und kompliziert verfasst, dass man dies nur von einem Fachanwalt ausfüllen lassen kann.
Da der Freiberufler keine Rentenbeiträge zahlen muss, wenn er vorwiegend in der Altenpflege tätig ist. Sollte eine Frage nur verkehrt beantwortet werden kann er Beträge von 20 000 Euro und mehr nach zahlen.

Eine Schicht – tausend Aufgaben

Die Pflegekräfte müssen in einer Schicht bis zu zehn Patienten von Kopf bis Fuß pflegen. Frühstück meist richten und verabreichen, Betten machen, gegebenenfalls Desinfizieren, Nachtkästchen reinigen, Bewohnerschränke einräumen, saubere Wäsche verteilen und einräumen, Bestellungen für Pflegemittel, Küchen- und Putzbedarf schreiben, Risikomanagement dokumentieren, Pflegeplanungen erstellen, Stationssitzungen planen und durchführen (Stationsleitung), Blitzgespräche, Visiten begleiten, Angehörigen immer ein offenes Ohr schenken, freundlich sein.

Keine Zeit für Zuwendung

Nur für Kommunikation und Zuwendung bleibt fast nie Zeit. Nebenbei sollten auch die Zimmer sauber und ordentlich präsentiert werden. Eine Pflegekraft hat nie pünktlich Feierabend, bekommt alle Zulagen fast gestrichen wie Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld. Es wird bei Gehältern gestrichen und gefeilscht.
Die Leute die aus dem Ausland geholt werden sind hier verraten und verkauft. Da sich an die mündlichen Zusagen nicht gehalten wird. Sind sie erst hier, schaut es mit Ausbildung und den mündlich zugesicherten Löhne gar nicht mehr gut aus. Außerdem haben die zu Pflegenden große Probleme mit dem Personal zu reden oder wichtige Informationen wie Schmerzen usw. weiterzugegeben.

Verbesserungen müssen her

Dies artet langsam in gefährliche Pflege aus. Da müssten überall Anreize und Verbesserungen her, dann sind wieder Menschen bereit in der Pflege zu arbeiten. Bleibt es so gibt es auch bald keine Pflegekräfte mehr da diese dann selbst pflegebedürftig werden.“  Angelika Ziegler

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