Medien gemeinsam nutzen beugt unliebsamen Überraschungen vor. Foto: ,,SCHAU HIN“

Nicht ohne mein Handy…

15.12.2015 • Aktuelles, Landkreis Rosenheim, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Kinder brauchen Aufsicht beim Umgang mit Facebook, Online-Spielen und Co.

Die Nutzung von Computer, Internet und Handy ist für uns alle mittlerweile sowohl in der Arbeitswelt als auch im Privatbereich selbstverständlich. Sie machen unseren Alltag oftmals leichter, eröffnen neue Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung und zur unkomplizierten Kommunikation.

Doch diese schöne digitale Medienwelt hat auch ihre Kehrseite: Die erste, vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte, repräsentative Studie zur Häufigkeit der Internetabhängigkeit der Universitäten Lübeck und Greifwald hat bedenkliche Ergebnisse gebracht. Sie stuft ein Prozent der 14- bis 64-jährigen Bundesdeutschen als ,,internetabhängig“ ein, das entspricht rund 560 000 Menschen; 4,6 Prozent, also rund 2,5 Millionen Menschen, werden als problematische Internetnutzer eingestuft. Besonders erschreckend: In der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen ist die Verbreitung am größten: 2,4 Prozent abhängige und 13,6 Prozent problematische Internetnutzer.

Internetabhängigkeit wird in der Studie unter anderem durch eine Reihe von Merkmalen bestimmt. Internetsüchtige leben fast nur noch in der virtuellen Welt des Internets. Die Betroffenen verlieren die Kontrolle darüber, wie viel Zeit sie im Internet verbringen, sie leiden unter Entzugserscheinungen wie Missstimmung, Angst, Reizbarkeit oder Langeweile, wenn sie nicht online sind. Abhängige nutzen das Internet, um schlechten Gefühlszuständen zu entrinnen und nehmen dabei auch negative Konsequenzen in Kauf.

Sie gehen nicht mehr zur Arbeit oder zur Schule, vernachlässigen soziale Kontakte und verwahrlosen teilweise sogar körperlich. Wenn mehrere von diesen Kriterien gleichzeitig vorliegen, spricht man von einer Internetabhängigkeit.

Wolfgang Forstner, Schulleiter der Johann-Rieder-Realschule in Rosenheim, bestätigt diese Entwicklung: ,,Der unkontrollierte, unvorsichtige Umgang mit digitalen Medien ist ein ernst zu nehmendes, gesellschaftliches Problem, mit dem auch wir an den Schulen täglich in allen Jahrgangsstufen konfrontiert werden. Zwar handelt es sich hier noch um niedrige Prozentsätze, die Zahl der Betroffenen steigt aber erkennbar an“. Kinder und Jugendliche, die den großen Teil ihrer Freizeit vor Online-Spielen, mit dem Handy oder in sozialen Netzwerken verbringen, verlieren meist schnell ihre Lern- und Leistungsbereitschaft, sind unkonzentriert und müde in der Schule, so die Erfahrungen der Lehrer. ,,Hier ist wirklich das Verantwortungsbewusstsein der Eltern und Erziehungsberechtigten gefragt. Sie sollten achtsam sein, was ihre Kinder im Internet machen und wie viel Zeit sie vor den elektronischen Medien verbringen.“, so Wolfgang Forstner. Auch ,,Cypermobbing“, Diffamierung oder Belästigung mit Hilfe von elektronischen Kommunikationsmitteln in Internet oder in Chats, ist an Rosenheimer Schulen kein Fremdwort mehr. Wolfgang Forstner: ,,Ich rate den Schülern dringend dazu, äußerst vorsichtig zu sein und keine persönlichen oder intimen Informationen oder Bilder über Netzwerke weiterzugeben!“
Als Schule nehme man die Problematik sehr ernst und habe dazu auch schon einen Infoabend mit qualifizierten Referenten veranstaltet. Als qualifizierte Begleiter bei Problemen und als Ansprechpartner für besorgte Eltern stünden, so Wolfgang Forstner, die Schulpsychologen bereit.

Rat und Hilfe gibt es auch bei ,,neon“, der Suchthilfe- und Präventionseinrichtung in Rosenheim. Benjamin Grünbichler, Geschäftsführer von ,,neon“ kennt die Problematik rund um Mediennutzung in der Familie ebenfalls gut aus seinem Beratungsalltag. ,,Wir müssen bedenken, dass bei Kindern und Jugendlichen sehr wohl das technische Verständnis für diese Medien vorhanden ist, ihnen aber die geistige Reife für die Nutzung dieser immens großen Vielfalt an unbedenklichen aber teilweise oftmals bedenklichen und gefährlichen Daten fehlt!“ Mit den überall einsetzbaren, mobilen Smartphones, die Kinder oftmals schon mit zehn oder zwölf Jahren besitzen, wird diese Flut an Informationen, Spielen, Filmen und vielem mehr, viel schwerer für die Eltern zu kontrollieren. ,,Die Eltern haben es zudem schwer, bei der exponenziell rasant fortschreitenden technischen Entwicklung in dem Sektor ständig auf dem Laufenden zu bleiben. Die Kinder sind ihnen da oftmals weit voraus“, so Benjamin Grünbichler. Sein Ratschlag an die Eltern: ,,Das Thema Medien sollte nicht verbannt, sondern gemeinsam besprochen werden. Es braucht klare Absprachen und Regelungen zur Nutzung des Gerätes am besten vor der Anschaffung eines solchen. Eltern sollten sich auch nicht davor scheuen, mit technischen Regulierungen Dauer und Inhalt des Konsums zu begrenzen.“

,,neon“ bietet als Beratungsstelle sowohl Kinder und Jugendlichen als auch Eltern und Erziehungsberechtigten Unterstützung in Form von persönlicher Beratung und Präventions- und Informationsvorträgen etwa an Schulen.

Als besonders erfolgreich hat sich das Familienseminar ,,ESCapade“ erwiesen. Hier erarbeiten Familien gemeinsam in mehreren Kursmodulen nicht nur den adäquaten Umgang mit Medien, sondern lernen auch positive Gesprächskultur und können somit Konflikte reduzieren. ,,Wir sind den Sparkassenstiftungen Zukunft für die Stadt und Landkreis Rosenheim sehr dankbar dafür, dass sie mit ihrer Unterstützung dieses Projekt ermöglichen“, so Benjamin Grünbichler.

Mehr über ,,neon“ erfährt man unter www.neon-rosenheim.de oder Telefon 0 80 31/ 3 04 23 00.

Ausführliche Informationen und wertvolle Tipps für Eltern und Erzieher gibt es auch auf der Internetseite www.schau-hin.info, einer gemeinsamen Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, eines Telekommunikationsunternehmens, der öffentlich-rechtlichen Sender und einer Programmzeitschrift.                                                               FranziskaFinsterwalder

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