Neue App lässt uns alt aussehen

23.07.2019 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

FaceApp: Netter, harmloser Partyspaß oder bedenklicher Datenklau?

Einfach einmal 20 Jahre jünger oder älter aussehen, das Geschlecht wechseln oder sich einen hippen Bart zulegen? Kein Problem mit der gerade bei jungen Menschen angesagten „FaceApp“. Sie führt derzeit die Top-Charts der beliebtesten „Apps“ (englisch: Application Software = Anwendungssoftware, vor allem im Bereich mobiler Betriebssysteme) an. Mit ihr lassen sich Fotos von Frauen und Männern per Bildbearbeitung in ältere oder jüngere Versionen seiner selbst umbauen; ein angesagter Partyspaß, der derzeit auch in den Instagram-Profilen vieler Prominenter zu sehen ist. Doch viele Experten sehen gerade diese Anwendung sehr kritisch, verlangt doch diese App, die aus Russland stammt, Zugriff auf alle Fotos der Nutzer. Die Sorge vor unberechtigter Nutzung dieser Bilder hat sogar in den USA einen Top-Politiker dazu veranlasst, öffentlich eine FBI-Untersuchung zu fordern.

Der Blick in die Nutzungsbedingungen der APP offenbart, welche Rechter der Nutzer dem Unternehmen einräumt: „Sie gewähren FaceApp eine unbefristete, unwiderrufliche, nicht ausschließliche, lizenzgebührenfreie, weltweite, voll bezahlte, übertragbare Unterlizenz zur Nutzung, Reproduktion, Änderung, Anpassung, Veröffentlichung, Übersetzung, Erstellung von abgeleiteten Werken, Verbreitung, öffentlichen Aufführung und Anzeige Ihrer Benutzerinhalte und aller Namen, Benutzernamen oder Ähnlichkeiten, die im Zusammenhang mit Ihren Benutzerinhalten in allen bekannten oder später entwickelten Medienformaten und -kanälen angegeben werden, ohne dass Sie dafür eine Entschädigung erhalten… Durch die Nutzung der Dienste stimmen Sie zu, dass der Benutzerinhalt für kommerzielle Zwecke verwendet werden darf. Sie erkennen ferner an, dass die Verwendung der Benutzerinhalte durch FaceApp für kommerzielle Zwecke weder zu einer Verletzung Ihrer Person noch zu einer Person führt, die Sie dazu ermächtigt haben, in Ihrem Namen zu handeln.“
Grundsätzlich gilt: Als Helfer im Alltag sind Apps für sehr viele Bürger nicht mehr wegzudenken -aber sie machen den Nutzer auch rasch zum gläsernen Verbraucher, warnte die Verbraucherzentrale Deutschland.

Apps sind Programme für unzählige Gelegenheiten. Sie liefern etwa Bahn- und Flugverbindungen, zeigen die nächste Tankstelle binnen Sekunden an, wirken als Messaging-Dienst, treten als Einkaufs,- Haushalts- oder Fitnessberater auf. Die Software kann man in den verschiedenen App-Stores, wie zum Beispiel Apple-App, Google Play, Windows Store herunterladen.

Die Kosten sind sehr unterschiedlich. Auch wenn der Download einer App unentgeltlich sein sollte, bedeutet dies nicht, dass der angebotene Dienst ohne Gegenleistung erfolgt, so die Verbraucherzentrale.

Gratis-Apps finanzieren sich häufig darüber, dass der Anbieter die personenbezogenen Daten verwendet und das Nutzungsverhalten auf dem jeweiligen Gerät auswertet. Eine heruntergeladene App verlangt zumeist diverse Zugriffe auf bestimmte Dienste und gespeicherte Daten des Geräts – wie beispielsweise das Adressbuch mit allen Kontaktdaten, E-Mails oder Fotos. Für den Nutzer ist kaum nachvollziehbar, zu welchem Zweck dies geschieht und was mit den abgegriffenen Daten passiert.

So überträgt die App beispielsweise die Standort- und Bewegungsdaten des Nutzers an die App-Anbieter, sofern zugleich die Ortungsfunktion des Geräts eingeschaltet ist. In manchen Fällen wie etwa bei einer Navigations-App oder einer Auskunft für öffentliche Verkehrsmittel kann die automatische Übertragung des Standorts notwendig oder praktisch sein. In anderen Fällen, wie zum Beispiel einer App der Hausbank, bei Spiele- oder Kochbuch-Apps gibt es dafür aber häufig keinen erkennbaren Grund.

Es gilt deshalb der Tipp der Verbraucherzentrale: „Es ist sehr ratsam, den Zugriff auf Daten zu begrenzen und nur zu erlauben, wenn dies unerlässlich für die Funktionalität ist – wie etwa bei einer Navigations-App und der dann notwendigen Ortungsfunktion. Bei Modellen ohne Möglichkeit, Berechtigungen einzuschränken, sollte stets gut überlegt werden, ob die womöglich spionierende App wirklich gebraucht wird.“  ff

 

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