Ein Naturparadies
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Ein Naturparadies

Besuch auf der Streuobstwiese in Rohrdorf

„Streuobst blüht!“, unter diesem bezeichnenden Motto steht eine Initiative des bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Sie will auf die wichtige ökologische, nachhaltige Funktion der Streuobstwiesen, leider heutzutage eine der meistgefährdeten Biotoplandschaften Mitteleuropas, aufmerksam machen.

Sie sind wertvoller Lebensraum für viele Kleintiere, Insekten, Vögel und Pflanzen: Bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten finden hier Nahrung und Lebensraum. Gerade auch im Landkreis Rosenheim prägen die wie zufällig auf die Wiesen gestreuten Obstbäume die voralpine Landschaft.

Diese Naturparadiese liefern aber auch hervorragend schmeckende Äpfel, Birnen oder Zwetschgen, die man pur aber auch zu exzellenten Nahrungsmitteln, wie Obstsäften, Edelbränden oder Marmeladen, verarbeitet genießen kann: beste Produkte aus der Region für die Region!

Vor Kurzem lud nun das Staatsministerium in Zusammenarbeit mit der ORO Obstverwertung zu einem Informationstermin auf die Streuobstwiese des „Amselhofes“ von Helmut Wiesböck nach Rohrdorf. Sein Vater Ludwig Wiesböck erbaute zwischen 1941 und 1943 nicht nur den Hof direkt gegenüber des Zementwerkes, er legt auch gemeinsam mit seinem Freund, dem Gartenbaufachberater Hermann Seibold vom Landratsamt Rosenheim, den Streuobstgarten an. Auf einer Fläche von rund 1,7 Hektar wurden bis zu 200 Obstbäume, Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Kirschen gepflanzt. 1973 übereignete Ludwig Wiesböck seinem Sohn Helmut den Hof, der ihn seitdem leidenschaftlich in seiner Freizeit bewirtschaftet. Der Ingenieur und spätere Firmeninhaber einer Logistikfirma erwarb 1983 ein Schnapsbrennrecht und brennt seitdem mittlerweile hochqualitative Edelbranntweine aus den Amselhoffrüchten. Seit einigen Jahren ist der Streuobstgarten über die ORO Streuobstinitiative biozertifiziert. Das meiste Obst wird durch ORO – Die regionale Kelterei verwertet, deren Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Wiesböck seit über 20 Jahren ist. Seit Bestehen wurde im Obstgarten weder Kunstdünger noch Spritzmittel eingesetzt.
Auch Joachim Wiesböck, Geschäftsführer der ORO Obstverwertung, unterstrich den großen Beitrag, den die Obstbauern zum Erhalt und zur Pflege unserer Kulturlandschaft leisten. Äpfel und Birnen von Streuobstwiesen seien allerdings Obst, das nicht auf Produktivität und „Höchstleistung“ getrimmt ist, viel mehr eine Mischung vieler Sorten, mit teilweise sehr charakteristischem Geschmack. Die Ernte sei dafür bei Weitem mühevoller als in Plantagen-Anlagen. Nur folgerichtig war es deshalb, dass 1958 einige Obstbauern aus Rohrdorf und Umgebung die ORO Obstverwertung eG als Selbstvermarktungs-Genossenschaft gründeten. Joachim Wiesböck: „Ziel war und ist es, das eigene Obst aus Streuobstwiesen qualitätvoll zu verwerten und zu wohlschmeckenden Fruchtsäften, Fruchtnektaren und Fruchtsaftmischgetränken zu verarbeiten und ausschließlich in der heimatlichen Region zu verkaufen.“

Josef Stein, ehemaliger Gartenfachberater im Landratsamt Rosenheim, unterstrich als erfahrener Experte die Bedeutung der Streuobstwiesen für das gesamte Ökosystem: Hier könne sich eine ungeheuer große Flora- und Fauna-Artenvielfalt entwickeln; zudem leisten die Streuobstwiesen einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt alter Obstsorten. ff

 

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