Muslime und Christen gedenken der Geburt Jesu

23.12.2013 • Aktuelles, Kultur, Kurznachrichten, Lk Rosenheim, Stadt Rosenheim

Dipl. Theol. Johannes Boldt zeigt Gemeinsamkeiten

Erfahrungsgemäß wissen die wenigsten Menschen, dass auch der Islam, der Koran die Weihnachtsgeschichte kennt. In der Sure 19 des Koran, die den Namen Maryam (Maria) trägt, begegnen wir ihr. Durch den Geist Gottes empfängt hier Maria ihren Sohn Jesus (Isa), den sie an einem entlegenem Wüstenort unter einer Palme allein zur Welt bringt. Aus der Sicht des Koran ist Jesus der größte Prophet vor Mohammed. Über die Geburt des Propheten Mohammed allerdings findet sich im Koran kein Wort. So lesen wir aber im Koran über Jesus: „Und da Jesus mit den deutlichen Zeichen kam, sprach er: Ich bin mit der Weisheit zu euch gekommen, um euch etwas von dem zu erklären, worüber ihr uneins seid…“ (Sure 43,68).

So wird in Sure 19 des Koran auch die Geschichte von Zacharias (Zekeria) und Johannes (Yahya) erzählt, und sodann wie zu Maria der Engel Gabriel (Dschibril) kommt. Er verkündet ihr, dass sie einen Sohn bekommen wird. Sure Maria 19, 2-34: „Dies ist Jesus, der Sohn der Maria – das Wort der Wahrheit…“

Im Übrigen sind in erstaunlicher Breite im Koran biblische Überlieferungen aufgenommen worden. Die Traditionen von Bibel und Koran überschneiden sich aber nirgendwo stärker als bei der Geschichte von der Geburt Jesu. So wird Jesu zwar für den Islam nur als Verkünder der Erlösung und des Heils gesehen, jedoch als Prophet ist er höchst angesehen.
Neben markanten Unterschieden zeigen sich somit überraschende Parallelen im Verständnis der Person Jesu. Denn auch Muslimen ist die Geburt Jesu ein „Zeichen Gottes“ für die Menschheit.

Theologe Karl-Josef Kuschel ermutigt in seinem Buch „Weihnachten und der Koran“ über die Betrachtung der Geburtsgeschichten Jesu in Bibel und Koran, auch im Gespräch von Muslimen und Christen über Grundfragen ihres Glaubens zu sprechen. Denn bei allen Unterschieden ist es auch wichtig, die Gemeinsamkeiten zu sehen, zu einem Dialog der Versöhnung bereit zu sein. Denn wenn Muslime und Musliminnen, Christen und Christinnen nicht miteinander in Frieden leben, kann es auf der Welt keinen Frieden geben.

Gemeinsam kennen sowohl Christen eine „Heilige Nacht“, in der sie in besonderer Weise der Ankunft Jesu Christi gedenken, als auch der Koran, nämlich die „Nacht der Bestimmung“, der Erinnerung der Herabkunft des für die Muslime heiligen Koran. So gibt es nicht nur die „Heilige Nacht“ für die Christen, sondern auch für die Muslime, in der sich für beide Glaubensrichtungen die Ankunft des Göttlichen kundtat. Christen wie Muslime sollten deshalb auch ihre „Heiligen Nächte“ dazu nutzen, sich einander den Friedensgruß zu schenken.

Dipl. Theol. Johannes Boldt, Referent für Religions- und Weltanschauungsfragen, Katholisches Bildungswerk Rosenheim

Related Posts

Comments are closed.

« »