Medizin alleine reicht oft nicht

14.09.2016 • Aktuelles, Landkreis Rosenheim, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Zehn Jahre Nachsorge an der Kinderklinik Rosenheim

Die Geburt eines Kindes ist für Familien ein wunderschönes Erlebnis. Verwandte und Freunde überschlagen sich mit Glückwünschen, Blumen und Besuchen. Doch was ist, wenn der oft und gerne zitierte Spruch „Egal, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, Hauptsache gesund!“ nicht zutrifft? Wenn das Baby zu früh oder mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung geboren wird. Viele Angehörige und Bekannte fühlen sich in dieser Situation verunsichert. Soll man zum Nachwuchs gratulieren, bunte Luftballons und Blumen ins Krankenhaus bringen?

Auch für die Eltern ist diese Situation, die so gar nichts mit den wunderschönen Bildern und Berichten aus einschlägigen Elternzeitschriften zu tun hat, nicht leicht. In die Freude über den Nachwuchs mischen sich Sorgen, Angst und Unsicherheit. Auf ihrem Weg vom stationären Klinikaufenthalt in den Alltag im häuslichen Umfeld begleitet diese Familien seit zehn Jahren das Nachsorgeteam der Kinderklinik am RoMed-Klinikum Rosenheim.

„Medizin alleine reicht oft nicht aus“, so bringt es Elisabeth Nützel, leitende Koordinatorin der Nachsorge an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin ihre Erfahrung auf den Punkt.

Sie begleitete 2006 den Aufbau der Harl.e.kin-Nachsorge im Haus. Diese institutionalisierte Nachsorge geht auf die Initiative der Kinderklinik München Harlaching zurück. Das Sozialministerium entschloss sich dann dazu, die Harl.e.kin-Nachsorge in ganz Bayern aufzubauen und Rosenheim war einer der ersten Standorte, die sich zur Zusammenarbeit bereiterklärt haben.

2009 erweiterte sich das Angebot in Rosenheim noch um die sozialmedizinische Nachsorge, das heißt die Betreuung chronisch kranker Kinder und Frühchen mit medizinischer Diagnose. „Die medizinische Versorgung bei uns in der Klinik ist hochqualifiziert und gut. Doch wir haben festgestellt, dass es oftmals mit der Entlassung aus dem Krankenhaus für Eltern und Kind eben nicht getan ist. Was im geschützten Klinikalltag mit der Unterstützung von Pflegekräften noch machbar scheint, wird auch nach vorheriger Schulung und Einweisung im häuslichen Alltag zur Herausforderung“, erzählt Elisabeth Nützel. Das gilt für Eltern mit einem frühgeborenen Baby genauso wie für diejenigen, mit einem chronisch kranken Kind, zum Beispiel mit angeborenen Herzfehlern oder Tumorerkrankungen. Bei Kindern mit Diabetes mellitus kommen die Berater etwa auch ins Haus, schulen Betreuungspersonen etwa in Kindergarten oder Schule und geben praktische Tipps für den Alltag. Unter der Trägerschaft der Nachbarschaftshilfe e.V. und in Kooperation mit der interdisziplinären Caritas Frühförderstelle und dem RoMed-Klinikum Rosenheim, unterstützen zwei Mitarbeiterinnen des Harl.e.kin-Teams, sozusagen als „Tandem“, Eltern und Kinder nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zuhause: Eine Kinderkrankenschwester und eine Mitarbeiterin des Mobilen Dienstes der Caritas Frühförderstelle. „Unser Anliegen ist es, den Müttern und Vätern Mut und Sicherheit zu geben und ihre Elternkompetenz zu stärken“, so Elke Gebauer, Koordinatorin der Harl.e.kin-Nachsorge in Rosenheim. „Eltern von frühgeborenen Babys sind vielfach verunsichert, ob sich ihr Kind regelgerecht entwickelt. Wir können hier bei Bedarf Ratschläge aber auch Entwarnung geben. Oft ist es für die Mütter und Väter schon allein beruhigend, für Rückfragen eine Telefonnummer von uns zu haben, bei der man sich bei Bedarf melden kann“, so Gebauer. Dass sich in den letzten zehn Jahren der Focus neben der bestmöglichen medizinischen Versorgung kranker Kinder auch auf das familiäre Umfeld gerichtet hat, das ist in Rosenheim der engagierten und hochqualifizierten Arbeit des Nachsorgeteams zu verdanken. „Was eine Krankheit, was Frühgeburt mit den betroffenen Familien macht, welche Auswirkungen diese auf Eltern, Geschwister und das ganze Umfeld haben das stand lange Zeit nicht im Blickfeld. Dass die Betroffenen die Situation in und um Rosenheim jetzt besser bewältigen können, das ist unter anderem dem Einsatz des gesamten Nachsorgeteams zu verdanken“, resümiert Elisabeth Nützel.

Das Jubiläum wird am Freitag, 23. September, um 19 Uhr im Rahmen einer Feier im Verbindungsgang von Haus 1 zu Haus 6 im ersten Obergeschoss des RoMed-Klinikums Rosenheim begangen. Zeitgleich wird die Ausstellung „ÜberLeben“ mit Bildern des Fotografen Walter Schels eröffnet. Er hat sich sensibel mit dem Thema „Frühgeburten“ auseinander gesetzt und sieben Babys, die vor der 28. Schwangerschaftswoche geboren wurden, über mehrere Jahre begleitet. Entstanden sind eindrucksvolle Aufnahmen, die ganz unterschiedliche, kleine Persönlichkeiten zeigen. Zu besichtigen ist die Ausstellung dann bis zum 10. Oktober im oben genannten Verbindungsgang.

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