Liebe und Hoffnung

16.03.2021 • Aktuelles, Kultur, Stadt Rosenheim

Debutroman über Rosenheimer Familienschicksale

„Geschrieben habe ich schon als Kind“, sagt die junge Rosenheimerin Raphaela Höfner, „und davon geträumt, einen eigenen Roman zu veröffentlichen, ebenso lang“. Nun ist es soweit, „Von Liebe und Hoffnung“ ist dieser Tage erschienen und im Buchhandel erhältlich.
Als Thema wählte die Lehrerin für Deutsch und Sport eine Geschichte der Generationen in ihrer Heimatstadt. Eine Geschichte, die in dunkler Zeit spielt, und die von wahren Begebenheiten inspiriert und geleitet wurde.

Die Familien Sedlmayr und Sternlicht aus Rosenheim sind schon lange befreundet. Der Vater von Hannah Sedlmayr und ihren Brüdern ist ein bekannter Arzt und sie durchleben, wenige Jahre vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, eine sorglose Kindheit. Im Gegensatz dazu sieht sich die jüdische Familie Sternlicht schon früh mit dem Hass gegen Juden konfrontiert. Als dann noch Erich Winter, ein Angehöriger der SS, in die Stadt kommt, spitzt sich die Lage der Familie immer weiter zu. Trotz all dieser Gefahren verlieben sich Hannah und Jacob Sternlicht ineinander und riskieren dafür ihr Leben. Auch die anderen Familienmitglieder müssen in diesen Jahren voller Misstrauen, Intrigen und Bedrohungen ihren Weg finden.

Um authentisch zu sein, betrieb Raphaela Höfner einen großen Aufwand. Unter anderem im Stadtarchiv Rosenheim fand sie historische Quellen zu Begebenheiten und Personen, deren Namen sie allerdings im Roman änderte, auch aus Rücksicht auf die Nachkommen.
Eine Hauptquelle für Höfner waren die Tagebuchaufzeichnungen ihres Großvaters, Jahrgang 1917, der während der Kriegszeit akribisch Buch führte und auch viele Zeitungsaussschnitte sammelte, auf die Höfner nun zurückgreifen konnte. Er und sein Bruder wurden auch im Buch verewigt, in den Vornamen Hermann und Karl.
Ihr Ziel war es, die Geschichte auch einmal aus der Perspektive einer kleinen Stadt zu erzählen: „Meist spielen sich Erzählungen, Romane oder Filme in den Großstädten wie Berlin oder München ab. Doch auch in den kleineren Städten wie eben Rosenheim fanden Ereignisse wie die Pogrome um den 9. November 1938, die Aufmärsche und Reden der NS-Partei und der Abtransport der jüdischen Bevölkerung in die Vernichtungslager ab.“
Auch war es ihr wichtig, dass die Protagonisten verschiedenen Alters und Geschlechts sind, um die Geschichte aus möglichst vielen Blickwinkeln erzählen zu können.
Rosenheim, die Stadt mit der ersten Ortsgruppe der Hitler-Partei außerhalb Münchens schon Anfang 1920, ist dafür ein ebenso gutes Beispiel wie Hunderte anderer Städte im damaligen Deutschen Reich. Hitler selbst sprach in dieser Zeit vier mal in Rosenheim, stieß allerdings bei der Bevölkerung auf wenig Interesse, es blieb bei Reden in kleineren Gaststätten – vorerst.

Raphaela Höfner freut sich, zusammen mit ihren zwei Schwestern die erste Generation waschechter Rosenheimerinnen in der Familie Höfner zu sein. Vater Ernst Höfner dürfte beinahe jedem Einwohner ein geläufiger Name sein. Der ehemalige Eishockeystar kam in den frühen 1980er-Jahren aus Augsburg zum Sportbund Rosenheim, mit dem er unter anderem zwei mal Deutscher Eishockeymeister wurde und später auch als Trainer hier aktiv war. Seine spätere Ehefrau und die Mutter von Raphaela und ihren zwei Schwestern nahm er aus Schwaben mit. Derzeit ist Vater Höfner beim Deutschen Eishockeybund (DEB) beschäftigt. Hatte er denn schon Zeit, sich in das Buch der Tochter einzulesen? „Er hat schon reingeschaut und in nächster Zeit wird er es sich wohl vornehmen und freut sich schon auf die Lektüre“, so die Tochter.

Für die Zukunft hat Raphaela Höfner schon den zweiten Teil der Familiensaga um die Sedlmayrs und die Sternlichts geplant, eher schon fast fertig gestellt. Ebenso wie der erste Band soll er eigenständig zu lesen sein und im Herbst 2021 erscheinen. Er wird sich chronologisch dem ersten Band anschließen. Abschließend ist ein dritter Band geplant, der mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs abschließen soll.
Von der Autorenschaft träumte die Realschullehrerin schon früh: „ Mit sechs Jahren hatte ich schon meinen ersten ‚Roman’ geschrieben und träumte davon, mein eigenes Buch in den Händen zu halten“. Nun ist es soweit, und die junge Schriftstellerin ist stolz und glücklich darüber.  nu

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