„Bitte sagen Sie meinen Eltern nichts,“ schluchzen die meisten Kinder, wenn der Kaufhausdetektiv sie erwischt hat. Bei Minderjährigen erfahren die Eltern aber immer, was geschehen ist. Foto: i-stock

Ladendiebstahl ist überhaupt nicht cool!

20.01.2015 • Aktuelles, Lk Rosenheim, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Die Klügsten sind die, die es sein lassen: Eltern werden informiert – Strafe droht

Jeder achte Viertklässler hat schon einmal einen Ladendiebstahl begangen. Dabei handelt es sich zum großen Teil um Diebstähle geringwertiger Sachen. Eine Studie bestätigt, dass Geldmangel nicht das Hauptmotiv zum Stehlen ist. Es ist wie bei der roten Ampel: Klar, man weiß, dass es verboten ist, bei Rot über die Straße zu gehen oder zu fahren, aber wenn kein Gesetzeshüter hinschaut, tut man es doch. So ähnlich geht es Jugendlichen mit Ladendiebstahl: Das Unrechtsbewusstsein ist hoch, doch wenn die Situation passt, lässt man das eine oder andere Ding schon einmal in der Tasche verschwinden. Die Klügsten sind jedoch diejenigen, die es sein lassen: Ladendiebstahl ist kein Kavaliersdelikt und wer erwischt wird, hat die „A…-Karte“ gezogen. Wie peinlich ist das, wenn die Eltern informiert werden und eine Erziehungsmaßnahme droht.

Manche Jugendliche stehlen, weil sie sich vor ihren Freunden behaupten wollen. Egal ob als Mutprobe gedacht, zum Taschengeld aufbessern und Nervenkitzel erleben – wer erwischt wird, der wird ganz schnell ganz klein bei seiner Vernehmung. Und die meisten Ladendiebe werden erwischt: CDs, Parfüm, Bekleidung, Kosmetikartikel, Sportartikel und Alkohol werden gerne mitgenommen, ohne bezahlt zu werden. Deshalb hat der Einzelhandel viele Maßnahmen getroffen, mit denen ein Ladendieb fast immer erwischt wird.

Der Ladendiebstahl hat ein bedrohliches Ausmaß für den Einzelhandel angenommen. Deshalb lassen sich die Geschäftsleute die Vermeidung des Ladendiebstahls einiges kosten. Der Einzelhandel gibt jährlich mehr als eine Milliarde Euro für die Bekämpfung des Ladendiebstahls aus. Die Detektive in einem Kaufhaus arbeiten meist verdeckt, das heißt, sie sitzen vor einer Überwachungsanlage und beobachten per Kamera alle Verkaufsräume. Es wird jeder Diebstahl auf Video aufgezeichnet und diese Aufzeichnung wird der Polizei als Beweismittel mit der Anzeige übergeben.
Die Chance beim Ladendiebstahl nicht erwischt zu werden, wird durch die eingesetzte Technik immer geringer. Die gut geschulten Ladendetektive sehen vielen Ladendieben ihre Diebstahlabsicht jedoch meist schon an der Nasenspitze an.

Ganz schnell vorbei mit der Coolness

Sie nehmen eine unnatürliche, gehemmte oder verkrampfte Haltung ein, hektische Flecken im Gesicht oder am Hals tauchen auf und häufiges, betont unauffälliges Umblicken verraten die dunkle Absicht. Oft werden sie auf frischer Tat geschnappt. Dann jedoch ist es meist aus mit der aufgesetzten Coolness: „Bitte sagen Sie meinen Eltern nichts,“ schluchzen die meisten Kids vor dem Detektiv. Daraus wird jedoch nichts: Die Polizei wird immer eingeschaltet, ein Anhörungsbogen wird ausgefüllt und ein Staatsanwalt entscheidet, wie das eingeleitete Strafverfahren gegen den Beschuldigten weitergehen soll.

Er kann das Strafverfahren einstellen aber auch eine Anklageschrift anfertigen und den Jugendlichen oder Heranwachsenden vor dem Jugendgericht anklagen.

Entscheidet sich der Staatsanwalt das Verfahren einzustellen findet keine Gerichtsverhandlung vor dem Jugendstrafgericht statt. Der Jugendrichter entscheidet – unter Mitwirkung der Jugendgerichtshilfe und des Staatsanwaltes – welche Bestrafung der Angeklagte erhalten soll.
Der Richter kann dieses Ladendiebstahlsverfahren einstellen, er kann erzieherische Maßregeln wie Ableistung von Freizeitarbeit anordnen aber auch einen Dauerarrest von bis zu vier Wochen verhängen.

Vorbestraft ist man dann noch nicht und im Führungszeugnis ist noch nichts eingetragen. Die Straftat wird aber ins Jugendzentralregister das in Berlin geführt wird eingetragen und erst mit Vollendung des 24. Lebensjahr aus dem Register gelöscht.  Petra Maier

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