Bettina MIttendorfer ist am 14. März mit ihrer neuen Lesung in Rosenheim. Foto: Henrik Pfeifer

„Die Kostbarkeit des Lebens erkennen!“

14.02.2017 • Aktuelles, Kultur, Stadt Rosenheim

Schauspielerin Bettina Mittendorfer im Gespräch mit unserer Wochenzeitung

Einem großen Publikum ist die Schauspielerin Bettina Mittendorfer 2010 mit dem Kinofilm „Eine ganz heiße Nummer“ bekannt geworden. Sie spielt darin Maria, eine von drei Frauen, die in der bayerischen Provinz eine Telefonsex-Hotline betreiben, um ihren maroden Lebensmittelladen zu retten. Für diese ausdrucksstarke darstellerische Leistung bekam sie 2011 den bayerischen Filmpreis. Mit dem oberbayerischen Kulturpreis, den ihr der Bezirkstag heuer zuerkannt hat, hat die sympathische Künstlerin eine weitere Auszeichnung für ihr Schaffen erhalten.

Neben unzähligen Film- und Fernsehrollen machte sich Bettina Mittendorfer in den letzten Jahren mit ihren szenischen Lesungen auf den Bühnen Bayerns einen Namen. Mit Lena Christs „Erinnerungen einer Überflüssigen“, „Weibsbilder“ von Oskar Maria Graf, „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma oder dem „Georg Queri-Abend“ zieht die Schauspielerin seit über 15 Jahren die Zuschauer in ihren Bann.
In ihrem brandneuen Programm „Apropos: Ethel Rosenberg und Mata Hari“ widmet sich Mittendorfer in einer spannenden Mischung zwei Frauen, die zum Spielball politischer Machtinteressen wurden: Ethel Rosenberg und Mata Hari.

Ethel Rosenberg wurde in der Zeit des Kalten Krieges gemeinsam mit ihrem Ehemann Julius 1953 in den USA wegen Spionage auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Mata Hari, bekannt für ihre aufreizenden, exotischen Tanzauftritten, verdingte sich im Ersten Weltkrieg als Doppelagentin für Deutschland und Frankreich und starb 1917 durch ein französisches Erschießungskommando.
Am Dienstag, 14. März, ist Bettina Mittendorfer mit diesem Programm auf Einladung unserer Wochenzeitung zu Gast im TAM-Ost Rosenheim. Beginn ist um 19.30 Uhr, Karten gibt es im Vorverkauf im echo-Büro, Hafnerstraße 8, Rosenheim, Telefon 0 80 31/30 88-0.

In einem Gespräch mit der echo-Redaktion erzählt Bettina Mittendorfer mehr von ihrem neuen Projekt und dem, was sie inspiriert und antreibt. Sie fasst es wunderbar auf ihrer Homepage zusammen: „Gehen Sie doch einmal wieder ins Theater und machen Sie sich Gedanken, lassen Sie sich ein auf die anarchistischen Gedanken Thomas Bernhards, auf den ironisch-witzigen und tiefsinnigen Oskar Maria Graf, auf Brecht, auch auf die rührende, bayerische G´schicht vom Brandner Kasper, auf die innigsten Erzählungen der Lena Christ, die bedrückende Welt des Franz Kafkas oder auf die von mir gelesenen Texte der Milena Jesenská (1919-1939) „Alles ist Leben“! Sie werden die Kostbarkeit des Lebens noch mehr erkennen und somit an Lebensqualität gewinnen!“

echo: Frau Mittendorfer, Sie haben während und nach Ihrem Studium 1992 bis 1995 an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule auf renommierten Theaterbühnen gestanden und in Film- und Fernsehproduktionen mitgespielt. 2002 haben sie sich mit Werken von Lena Christ und Ludwig Thoma an die ersten Soloprogramme gemacht. Was gab den Impuls für diese sehr persönliche Auseinandersetzung mit den Schriftstellern?

Bettina Mittendorfer: Das war gerade die Zeit der Babypause, es war mir nicht möglich an einem Theater mit Vorstellungsterminen und festen Probezeiten meinen Beruf auszuüben, das wollte ich aber! Dann hatte ich die Idee, mit meinem damaligen Ehemann, der Regisseur war, eigene Produktionen aufzuziehen, wenn man gerade einen Babysitter bekommt oder wenn die Kinder schlafen. Außerdem fand ich diese Idee wunderbar, Autoren und Stücke aussuchen zu können, die ich spielen mag und die mich begeistern.

echo: Wie wählen Sie Texte und Autoren für Ihre szenischen Lesungen aus, wie bereiten Sie sich auf diese intensive literarische Begegnung mit Werk und Schriftsteller vor? Hatten etwa die bekannten Verfilmungen der Christ- oder Thoma-Stoffe Einfluss auf die Gestaltung der Lesungen?

Bettina Mittendorfer: Nein, diese Lena Christ Verfilmungen wie „Rumplhanni“ oder „Madame Bäuerin“ hatten nichts mit meiner Arbeit zu tun. Ich habe sie schon gesehen, aber das hat mich nicht dazu bewegt, diese Autoren zu spielen und zu lesen.
Ich habe die Werke der Schriftsteller gemocht und so entstand die Idee, etwas daraus aufzuführen, so wie ich es empfinde. Wie ich Lena Christ oder die „Heilige Nacht“ von Thoma oder Thomas Bernhards „Ein Kind“ und vieles mehr interpretiere, hat ausschließlich mit meinem Empfinden zu tun: was ich fühle beim Lesen und was mir aus der Seele spricht. Ein Kinofilm, oder Thomas „Lausbubengeschichten“ oder auch ein Theaterabend von Bernhard ist ja auch nur eine Interpretation von anderen Menschen. Das kann hilfreich sein, wenn man etwas vielleicht nicht verstanden hat oder schwer Zugang findet. Aber wenn ich mich für einen Stoff entscheide, dann nur, wenn ich keine Zweifel daran habe, ob ich was dazu sagen kann oder darf.

echo: Die Kombination Ethel Rosenberg und Mata Hari in Ihrem neuen Programm klingt spannend. Was verbindet die beiden Frauen, die ja in völlig unterschiedlichen Welten gelebt haben? Worauf dürfen sich die Zuschauer freuen?

Bettina Mittendorfer: Die beiden Frauen waren keine angepassten Frauen, auch nicht Ethel, obwohl sie nicht gegen die Normen der Gesellschaft rebelliert hat. Sie hat aber für ihre politische Überzeugung gekämpft. Beide mussten als Sündenbock für die jeweilige politische Situation in ihrem Land herhalten. Das ist ein aktueller Bezug, unsere Gesellschaft sucht auch wieder „Schuldige“. Außerdem geht es bei Ethel Rosenbergs Geschichte um Polarisierung in der Gesellschaft, das ist heute auch aktuell wie nie zuvor.
Mata Haris Geschichte spielt sich mehr auf der Gefühlsebene ab: Wie ist sie dazu gekommen, als Nacktänzerin zu dieser Zeit, aufzutreten? Sie war die Geliebte von unzähligen einflussreichen Männern in Kreisen des Adels und des Militärs – am Ende wurde sie als Spionin hingerichtet. Es kommen viele Themen bezüglich Moralvorstellungen“ hoch. Diese Themen zu erkennen, sich selbst zu erkennen, sein Denken und die eigenen „Schubladen“ zu überprüfen, das ist der Gewinn des Abends. Nebenbei sind beide Geschichten informativ, spannend und sehr unterhaltsam aufbereitet, mit Musik und Lieder von Brecht und Qualtinger und Gedichte von Lautensack, Brecht und anderen.

echo: Haben Sie bereits Ideen für ein neues Programm? Mit welchem Schriftsteller würden Sie sich gerne noch näher beschäftigen und dem Publikum näherbringen?

Bettina Mittendorfer: Ich glaube, es wird Cläire Goll (1890-1977) sein und vielleicht noch einige andere bayrische Amazonen.

 

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