König Ubu (Alexander Rathmacher) und seine Frau (Gabriela Schmidt). Foto: Margrit Jacobi

Köstliche und witzige Ideen

06.11.2013 • Aktuelles, Kultur, Stadt Rosenheim

Groteskes Drama „König Ubu“ in der Theaterinsel

Vater Ubu (Alexander Rathmacher) ist ein Faulpelz und Dickwanst. Seine Liebe gehört Leberwurst und seinem großen Teddybären. Mutter Ubu (Gabriela Schmidt) aber schubst ihn provozierend auf den polnischen Thron. Daniel Burton, langjähriger Schauspieler im Ensemble der Theaterinsel Rosenheim, hat sich als seine erste Regiearbeit nun „König Ubu“, ein groteskes Drama des französischen Autors Alfred Jarry auserwählt.

Uraufgeführt 1898, entfachte das Stück damals einen riesigen Theaterskandal. Jarry war der Vorreiter des absurden Theaters. Ubu, Ausgeburt des Bösen, verbreitet Schrecken und makabere Komik, ist ein Paradebeispiel des schwarzen Humors. In märchenhaft hübschen Kostümen bringen Alexander Rathmacher als Protagonist und Gabriela Schmidt in der Rolle seiner Frau diese beiden Charaktere in professionellem Spiel zum Tragen. Den Plan zur Ermordung des polnischen Königs Wenzeslas entwirft Hauptmann Bordure (Klaus Lüders), Leibgardist von Mutter Ubu. Diesen Getreuen wird Ubu, sitzt er erst auf Polens Thron, statt ihm zu danken, später in Haft nehmen.

Zuvor aber knöpft er den Adeligen, Richtern und Beamten ihr Geld ab und wirft sie in ein Loch. Die Gesetze macht er nun selbst, die Steuerlast erdrückt seine Untertanen. Seine Thronbesteigung endet nach einem unappetitlichen Mahl in einer wüsten Orgie. Auch als König behält Ubu sein fäkales Lieblingswort „Scheuse“ bei. Ubu ist ein Großmaul und Feigling. Wenn es brenzlich für ihn wird, macht er sich aus dem Staub. Als Bordure die Flucht gelingt und er mit Hilfe des russischen Zaren und seiner Ubu und dessen Heer im Kampf besiegt, besteigt König Ubu sein Pferd. Gemäß der Absurdität des Stückes ist dies ein Fahrrad. Autor Jarry war selbst begeisterter Radler! Mutter Ubu bereichert sich am Gut der Kirche, doch wird sie den Schatz verlieren. Am Ende raufen sich Vater und Mutter Ubu wieder zusammen und erleben im Schlauchboot auf der Ostsee starke Turbulenzen. Macht aber will Ubu, wie alle Politiker, nicht aufgeben und wird Finanzminister in Paris.

Es gibt viele köstliche und witzige Ideen in der Inszenierung. Klappbare Requisiten werden bei häufigem Szenenwechsel heftig bewegt. Gekämpft wird auch mit Wasserpistolen, sogar ein Kreuz fungiert als Waffe. Protz und Prunk, hohle Religiosität und Adelsdünkel, Machtgier und Ausbeutung, Dummheit und Schläue zeigt das Stück deutlich auf. Das ganze Ensemble der Darsteller agiert spielfreudig und Rollen gerecht. Als Ansager fungiert Robert Reichert. Daniel Burton gelang eine interessante, oft possenhafte Aufführung, die mit einigen Kürzungen noch gewänne.

Weitere Spieltermine: 1., 2., 8., 10-.15., 16., 17., 22., 23., 28., 29., 30.November. Beginn jeweils 20 Uhr, sonntags immer 19 Uhr.   Margrit Jacobi

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