Neben den zahlreichen anderen Besuchern des Gottesdienstes nahm auch Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer bewegt Abschied von den Schwestern. Foto: Schlecker

Kapuziner und Klarissen-Kapuzinerinnen verabschiedet

03.01.2017 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Ordensleute müssen ihr Wirken an anderen Standorten fortführen

Die Kapuziner und Klarissen-Kapuzinerinnen von St. Sebastian haben Rosenheim zum Jahresende verlassen. Die Kapuzinerpatres werden an anderen bayerischen Niederlassungen des Ordens eingesetzt. Die Klarissen-Kapuzinerinnen werden ihr Apostolat der Ewigen Anbetung deshalb in Bad Adelholzen fortführen. Zum bewegenden Abschiedsgottesdienst in der Klosterkirche kamen die Rosenheimerinnen und Rosenheimer so zahlreich, dass viele nur einen Stehplatz fanden.

„Leider sind unsere Bemühungen, die Gemeinschaft zu stärken, gescheitert. Das ist schmerzlich, denn Rosenheim war und ist ein Ort, an dem unser Orden das Wohlwollen der Menschen erfahren hat“, sagt Bruder Marinus Parzinger OFMCap, Provinzialminister der Deutschen Kapuzinerprovinz. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir bedauern sehr, dass wir uns aus Rosenheim zurückziehen müssen.“ Wesentlicher Grund sei der Mangel an Berufungen, so der Provinzialminister: „Wir würden uns etwas vormachen, wenn wir meinten, wir könnten alle Klöster so fortführen, wie wir es bisher kennen. Wir können Schließungen leider nicht vermeiden.“

Die Kapuziner von St. Sebastian sind in der Seelsorge tätig; sie feiern Gottesdienste, wirken als Beichtväter und unterstützen die Seelsorgearbeit in den umliegenden Pfarreien. In Rosenheim war der Orden bereits von 1606 bis zur Säkularisation 1803 vertreten, seit 1856 gibt es das Kloster bei der Kirche St. Sebastian in der Nähe des Friedhofs, zu dem aktuell drei Ordensmänner zählen.

Seit 1986 lebten in dem Kloster bei St. Sebastian auch Klarissen-Kapuzinerinnen von der Ewigen Anbetung. Ihr Apostolat sind der Lobpreis Gottes und das Gebet für Kirche und Welt, die sie gemeinsam mit den Gläubigen in der eucharistischen Anbetung verwirklichen. „Die Schwestern waren eine verborgene Oase für die vielen Menschen, die in ihren Nöten Rat und Orientierung suchten. Die Begleitung zur Persönlichkeitsstärkung und Glaubensorientierung war sehr geschätzt“, sagt Äbtissin Schwester Renate M. Tiefenthaler. Durch den Weggang der Kapuziner müssen auch die derzeit drei Klarissen-Kapuzinerinnen Rosenheim verlassen. Sie gehen gemeinsam nach Bad Adelholzen, Landkreis Traunstein, dem Standort der Schwesternheime der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul. „Wir bedauern außerordentlich, dass wir Rosenheim verlassen müssen“, so Schwester Renate. „Gleichzeitig sind wir den Barmherzigen Schwestern dankbar, die uns ermöglichen, unser Apostolat eigenständig weiterzuführen.“

Auch das Erzbistum München und Freising bedauert den Entschluss der beiden Ordensgemeinschaften, Rosenheim zu verlassen. „Ihr Wirken hat das geistliche Leben in der Stadt mitgeprägt“, sagt Prälat Lorenz Kastenhofer, Leiter der Hauptabteilung Liturgie und geistliches Leben im Erzbischöflichen Ordinariat München. „St. Sebastian war ein Ort der Anbetung, der Sammlung und Stille, aber auch ein Ort, an dem zahlreiche Menschen Hilfe und Zuspruch erfahren haben.“ Gleichzeitig respektiert das Erzbistum die Entscheidung: „Angesichts der sinkenden Zahl von Berufungen ist es gut, wenn Ordensgemeinschaften bewusst und in einem intensiven geistlichen Prozess die Weichen für ihr zukünftiges Wirken stellen.“ Nach dem Weggang der Ordensleute werde es nötig sein, Ideen zu entwickeln, wie das Klostergebäude und die Kirche weiter genutzt werden könnten, die den Ordensgemeinschaften durch das Erzbistum überlassen worden waren.

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