Fabian Eckert (links) und Florian Pachaly hatten eine zündende Idee.

Kampf den Pappbechern

27.09.2016 • Nachrichten

Ein junges Rosenheimer Unternehmen führt ein Mehrwegpfandsystem für Coffee-to-go-Becher ein

„Coffee-to-go“ ist trendy und sehr beliebt. Jeder Deutsche nutzt nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe zufolge dieses praktische Angebot 34-mal im Jahr. Damit wandern täglich bundesweit rund 7,6 Millionen Einwegbecher in den Müll – ein ökologisches Desaster. Das Problem ist längst bekannt, aber eine Lösung bisher nicht in Sicht. Ein junges Unternehmen aus Rosenheim hat jetzt den Pappbechern den Kampf angesagt: Fabian Eckert und Florian Pachaly führen ein Mehrwegpfandsystem für Coffee-to-go Becher ein; zuerst einmal begrenzt auf das Stadtgebiet.

Auf Dauer reicht das den beiden ehrgeizigen Jungunternehmern aber nicht. „Klappt es in Rosenheim, wollen wir damit bayernweit und vielleicht sogar deutschlandweit dem Müllberg Einhalt gebieten“, lautet ihre Vision. Auf dem Fairtrade-Markt am kommenden Freitag, 30. September, ab 14 Uhr, tritt das Unternehmen „reCup“ auf dem Rathausvorplatz erstmals öffentlich in Erscheinung. Die Resonanz ist bereits im Vorfeld gut: 17 Bäckereien und Cafés konnten dafür bereits begeistert und gewonnen werden.

Schweden gilt als Vorreiter in Sachen „Nachhaltigkeit“. Trotzdem wurde Fabian Eckert gerade bei seinem Studium dort auf das Problem mit den Einwegbechern aufmerksam. „In unserer Uni gab es den Kaffee immer nur im Wegwerfbecher. Das brachte mich zum Nachdenken“, erinnert sich der 26-Jährige. Das Thema ließ ihn nicht los und darum besuchte er in München eine Informationsveranstaltung, die sich genau mit diesem Problem beschäftigte. Dort lernte er den 21-jährigen Florian Pachaly kennen. Für die beiden umweltbewussten jungen Männer stand schnell fest: „Wir müssen etwas tun“. Kurze Zeit später war die Idee für „reCup“geboren.

Das Mehrwegpfandsystem funktioniert folgendermaßen: In Zukunft gibt es an den teilnehmenden Stationen den Kaffee zum Mitnehmen auch in Mehrwegbechern.

Dieses neue Angebot ist sogar preisgünstiger. „Dadurch wollen wir einen besonderen Anreiz zum Kauf schaffen“, so Fabian Eckert. Das Pfand für einen Mehrwegbecher beträgt einen Euro. Zurückgeben kann man die Becher an allen teilnehmenden Stationen. Für die Zukunft könnten sich die Unternehmer zusätzlich die Innstallation eines Rückgabe-Automaten vorstellen, beispielsweise am Bahnhof.

Fabian Eckert und Florian Pachaly haben für den Start ihres Projekts jetzt erst einmal 2500 kleine und 2000 große Mehrwegbecher eingekauft. Hergestellt wurden diese aus klassischem Plastik. Fabian Eckert weiß, dass Plastik aus ökologischer Sichtweise heraus nicht unbedingt ideal ist, aber: „Es gibt leider keine andere Alternative. Glas und Keramik scheiden aus, da zerbrechlich, Metall wäre zu aufwendig und andere Werkstoffe, die sich gut reinigen lassen, stehen derzeit noch nicht zur Verfügung.“

Die Idee mit den Mehrwegbechern ist nicht neu. Neben den Befürwortern gibt es aber auch Kritiker. Ihnen bereitet vor allem die Hygiene Probleme. Doch auch diesem Aspekt tragen die beiden Unternehmer Rechnung: Ihre Mehrwegbecher werden mit kompostierbaren Einweg-Deckeln verschlossen.

Fabian Eckert und Florian Pachaly wissen, dass es bei ihrem Mehrwegpfandsystem noch einige Verbesserungsmöglichkeiten gibt: „Wir sind ganz am Anfang. Da ist noch Luft nach oben. Aber irgendwo muss man eben mal anfangen“.

Unterstützung bekommt das junge Unternehmen vom Unweltamt Rosenheim und dem Fairtrade-Ausschuss der Stadt: „Wir arbeiten eng zusammen“.
Das Pilotprojekt „reCup“ startet offiziell am 1. November und dauert bis kurz vor Weihnachten. Je nach Erfolg entscheiden Fabian Eckert und Florian Pachaly danach, wie es mit ihren Mehrwegpfandsystem weitergeht.

Derzeit im Aufbau ist eine Homepage und eine App. Die erste Gelegenheit, Kaffee aus einem Mehrweg-Becher zu trinken gibt es beim Fairtrade-Markt am kommenden Freitag: Einwegbecher werden durch „reCups“ ersetzt. wu

 

Related Posts

Comments are closed.

« »