Der Weg ist lang

27.12.2016 • Aktuelles, Kurznachrichten

Dritte Teilhabekonferenz in Bad Aibling

Eine Gesellschaft in der jeder akzeptiert wird so wie er ist, das ist das Ziel des Teilhabeplans für Menschen mit Behinderungen, den der Rosenheimer Kreistag im Dezember 2013 verabschiedete. Rund 100 interessierte Bürgerinnen und Bürger trafen sich in Bad Aibling, um den aktuellen Stand der Umsetzung des Teilhabeplans zu diskutieren. In den Debatten in den verschiedenen Arbeitskreisen wurde immer wieder deutlich, dass trotz der bereits gemachten ersten Schritte, noch ein langer Weg zu gehen ist.

Der Sozialplaner im Rosenheimer Landratsamt, Jürgen Laupheimer, blickte zu Beginn der dritten Teilhabekonferenz auf die vergangenen drei Jahre zurück und kam zu dem Schluss, dass die Belange von Menschen mit Behinderungen inzwischen stärker berücksichtigt werden. Er schränkte aber auch ein, dass die Teilhabeplanung ein dauerhafter Prozess ist und noch viel zu tun ist.

Kinder mit und ohne Behinderungen gehen unbefangen miteinander um. Die Unterschiedlichkeit ist für sie kein Problem. Die Bereitschaft von Kindertageseinrichtungen, Kinder mit Behinderungen aufzunehmen, ist groß. Allerdings stößt das Personal immer wieder an Grenzen. Unter anderem muss die Elternarbeit verstärkt werden, weil manche Mütter und Väter Sorge haben, ihr nichtbehindertes Kind könnte zu kurz kommen.

In der Schule klappt Inklusion oft noch im Grundschulbereich. Danach wird es zunehmend schwieriger. Die Teilnehmer der Teilhabekonferenz schlugen unter anderem vor, andere Unterrichtsformen zu ermöglichen und mehr Personal einzustellen auch um kleinere Klassen bilden zu können. Auch sollte der Umgang mit behinderten Kindern umfassender zum Inhalt der Lehrerausbildung werden. Moniert wurde zudem, dass es Schulgebäude gibt, die immer noch nicht barrierefrei sind.

Im Bereich „Wohnen und unabhängige Lebensführung“ passiert einiges. So stellten die Teilnehmer fest, dass es örtlich unterschiedlich barrierefreien Wohnungsbau gibt.

Immer mehr Menschen können in ihrer eigenen Wohnung leben, allerdings ist der Bedarf an bezahlbaren Wohnraum wesentlich größer.

Deutlich wurde auch, dass barrierefreies Bauen alleine nicht ausreicht. Die dort lebenden Menschen brauchen zudem ambulante Pflege- und Betreuungsdienste vor Ort.
Der allgemeine Arbeitsmarkt ist für viele Menschen mit Behinderung weiterhin nur schwer zu erreichen. Aufgeschlossene Arbeitgeber lassen sich nur vereinzelt finden, stellten die Teilnehmer in den Arbeitskreisen „Arbeit und Beschäftigung“ fest. Um mehr barrierefreie Arbeitsplätze schaffen zu können wurde vorgeschlagen, rechtliche Hürden abzubauen, damit interessierte Arbeitgeber Förderleistungen leicht und unbürokratisch abrufen können.

Zahlreiche positive Beispiele fanden die Teilnehmer auf dem Gebiet „Freizeit, Sport und Kultur“. Beispiele waren gelungene Mobilitätsprojekte wie das Seniorentaxi in Raubling oder die Sportgeräte im Kurpark in Prien. Viele Kulturstätten entwickelten sich positiv und immer mehr Gaststätten bieten Rampen für Rollstuhlfahrer an. Größtes Manko sind weiterhin die behindertengerechten Toiletten in Gaststätten und Freizeiteinrichtungen. Auch der Öffentliche Personennahverkehr ist nicht überall barrierefrei.

Seit beinahe einem Jahr gibt es im Rosenheimer Landratsamt die Fachstelle Inklusion. Jakob Brummer kümmert sich dort um die Umsetzung des Teilhabeplans. Ein Schwerpunkt ist die Inklusion vor Ort, kündigte er an. Er will schauen, welche Möglichkeiten es in den Gemeinden gibt und welchen Bedarf. Er will die örtlichen Behindertenbeauftragten stärken und beispielweise Arbeitgeber durch positive Beispiele motivieren, Menschen mit Behinderung einzustellen.

Brummer gab zudem bekannt, dass mehrere Arbeitsgruppen zu den Schwerpunkten „(früh)kindliche Bildung und Betreuung“, „Wohnen und unabhängige Lebensführung“ sowie „Freizeit, Sport, Kultur und Mobilität“ eingerichtet werden sollen. Er forderte die Teilnehmer auf, sich in den Arbeitsgruppen zu engagieren.

Mit dem vor drei Jahren verabschiedeten Teilhabeplan hat sich der Landkreis Rosenheim eine Art Wegweiser zur Verwirklichung der Inklusion gegeben. Auch wenn die darin empfohlenen Maßnahmen rechtlich nicht bindend sind, ist mit dem Teilhabeplan die Erwartung verbunden, dass sich die Lebenssituation für Menschen mit Behinderungen verbessert. Sozialplaner Jürgen Laupheimer verabschiedete die Teilnehmer der dritten Teilhabekonferenz mit dem Satz: Wir sind auf einem guten Weg.

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