Von links: Stellvertretender Landrat Josef Huber, Gitte Händel, Leitung der Geschäftsstelle der Gesundheitsregionplus Landkreis Rosenheim, Tom Conrads von insa Gesundheitsmanagement GbR.

Man ist nicht mehr da, wo man ist

18.12.2018 • Aktuelles, Landkreis Rosenheim, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Die digitale Gesundheitskompetenz war Thema einer Tagung der Gesundheitsregionplus

Sind wir Experten für unsere Gesundheit in einer digitalen Welt? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Tagung der Gesundheitsregionplus Landkreis Rosenheim. Digitalisierung macht nicht vor uns halt, so der stellvertretende Landrat Josef Huber in seiner Begrüßung.

Besonders für junge Menschen hat der Umgang mit Smartphones und Selbstdiagnosen schon heute eine hohe Selbstverständlichkeit. Wie aber gehen wir mit den Anforderungen der Digitalisierung in unserem Alltag um? Tom Conrads von insa Gesundheitsmanagement GbR beleuchtete diese Frage für den privaten und den beruflichen Bereich. „Man ist nicht mehr da, wo man ist, sondern wo anders“, war einer seiner Statements. Smartphone-Nutzer sind mit sich selbst be-schäftigt, die persönliche Interaktion geht flöten. Die „Fear of Missing Out“ gehe um, die Angst davor, Neuigkeiten zu verpassen.
Neben diesen negativen Entwicklungen gibt es aber natürlich auch die positiven. So berichtete Conrads von einer Person mit einer seltenen Erkrankung, die über „das Netz“ Kontakt zu anderen Patientinnen und Patienten aufgenommen hat und gemeinsam mit ihnen das Wissen um diese Erkrankung erhöht hat. Eine Teilnehmerin berichtete darüber, wie komfortabel heute für sie die Kontrolle des Blutzuckers ist, wenn die Werte direkt aufs Smartphone übermittelt werden.
Was ist wichtig für unser Gesundheitsmanagement in einer digitalen Welt? Conrads plädierte dafür, ein ganzheitliches Gesundheitsverständnis zu entwickeln: nicht nur das Körperliche sei wichtig, sondern auch psychische, soziale und existenzielle Gesundheit. Wir müssen „digitale Resilienz“ erwerben, lernen, der Macht der schnellen Belohnungen durch soziale Medien zu widerstehen. Nur dann werde es uns gelingen, Verhaltensmuster für einen gesunden und gezielten Einsatz digitaler Hilfsmittel zu erwerben.

Ähnliches gelte auch für Organisationen. Sie müssen Grenzen schaffen und den Umgang mit digitalen Medien für ihre Angestellten regeln. Entscheidend ist dabei aber, dass die formalen und informellen Regeln übereinstimmen: Man dürfe beispielsweise nicht von Vertrauensarbeitszeit reden und gleichzeitig eine Anwesenheit zu bestimmten Zeiten erwarten.

Robert Ott, Professor an der Technischen Hochschule in Rosenheim zeigte in seinem Beitrag auf, wie Digitalisierung die Aus- und Weiterbildung schon verändert hat und auch weiter verändern wird. Das Wissen, dass künftig im Beruf benötigt werde, muss gleichzeitig breit und tief sein und auf dem aktuellen Stand. Damit werde lebenslanges Lernen immer wichtiger.

Aber durch „Sitzen und Zuhören“, wie bisher üblich, lerne man am wenigsten. Studierende wollen sich heute nicht mehr auf Vorrat Wissen aneignen, sondern dann, wenn sie es benötigen. Er zeigte an einem Beispiel, wie viel leichter es sein kann, über ein Video Kompetenzen zu erwerben, als über die Beschreibung derselben Arbeitsschritte als Fließtext. Deswegen setzen sich Lehreinheiten durch, die online verfügbar sind, und praxisnah ein situatives Lernen am Arbeitsplatz ermöglichen. Damit komme digitale Aus- und Weiterbildung auch den Patienten zugute, so sein Fazit.

Abschließend zeigte Gitte Händel, Leitung der Geschäftsstelle der Gesundheitsregionplus Landkreis Rosenheim auf, dass nur etwa die Hälfte der Bevölkerung meine, sie habe ausreichend Gesundheitskompetenz. Viele Befragte finden es häufig schon schwierig, gesundheitsrelevante Informationen zu finden und zu bewerten. Sie verstehen nicht, was ihnen ihr Arzt, ihre Ärztin erläutert. Ein Verhalten, das Gesundheit fördert beziehungsweise zu einem kompetenten Umgang mit Erkrankung führt, ist damit nicht selbstverständlich. Händel stellte daher den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Frage, ob sie es unterstützen würden, einen „Regionalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz“ zu entwickeln. Die Zustimmung der Anwesenden war eindeutig und viele sind auch bereit, sich an der Entwicklung eines solchen Plans zu beteiligen. Über die Ergebnisse wird spätestens bei der Novembertagung 2019 berichtet.

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