Eine Idee setzt sich durch

17.09.2019 • Aktuelles, Nachrichten

Eine ausgefallene Idee mit ein paar Vorreitern und nur wenigen Nachahmern, das war der Gedanke an ein „Repair-Cafè“ vor einigen Jahren noch. Warum denn einen Mikrowellenofen oder einen Drucker reparieren lassen, wenn ein neues Gerät weniger kostet als die Reparatur?

Doch etliche Menschen dachten anders. Die einen aus Gründen der Nachhaltigkeit. Warum soll ein Gerät mit enormem Einsatz von Resourcen und Arbeitskraft hergestellt werden, wenn es oft nach nur wenigen Monaten schon kaputt geht? Muss da wirklich schon vor Ablauf der Garantie wieder ein neues Gerät her, wie einem oft von Kundendiensten der Hersteller vermittelt wird, nur weil es angeblich billiger ist? Oft ist es nur eine Kleinigkeit, die das Gerät außer Betrieb setzt. Ein Widerstand im Wert von ein paar Cent zum Beispiel, den man ohne große Probleme austauschen kann. Allerdings rentiert sich das natürlich nicht, wenn man das entsprechende Gerät zur Überprüfung erst in einen anderen Erdteil senden muss.
Das war die Idee hinter den ersten Repair-Cafés. Kleine Schäden, die von Kundendiensten und Reparaturservices der Hersteller nicht mehr übernommen wurden, einfach selbst zu reparieren. Denn die technischen Grundlagen der meisten technischen Gerätschaften sind wohl durchdacht. So einfach sind die nicht kaputt zu kriegen, es sei denn durch minderwertige Bauteile. Aber die kann man ja austauschen… Was für die Fachhändler und Elektromärkte zuviel Aufwand ist oder durch Serviceverträge mit den Herstellern verhindert wird, das kann der Privatmensch mit Ahnung von Technik oft relativ leicht bewerkstelligen.
Und so kam es auch bald zu einem großen Interesse an den ersten „Repair-Cafés“.

 

Verschiedene Experten für Elektrik, Elektronik, Möbel, Kleidung und vieles mehr sind immer vor Ort und helfen den Besuchern, ihre Schätze wieder in Betrieb zu bringen und auf den Glanz herzurichten. Auch hier ist ein Miteinander gefragt: Es ist nicht so, dass man sein reparaturbedürftiges Lieblingsstück einfach abgibt und im Bestzustand wieder mitnimmt. Schöner ist es, wenn man selbst mithilft und vielleicht auch einige der notwendigen Arbeitsschritte nachvollziehen kann.
Geraldine Hermann war so eine Pionierin, speziell für unseren Landkreis. Ihr war die Idee, Produkte reparieren zu lassen, die ansonsten auf den Müll gewandert wären, von Beginn an sympathisch. Die mehr als rüstige Rentnerin trommelte daraufhin viele Bekannte und ähnlich Interessierte zusammen und eröffnete so mir nichts dir nichts das erste „Repair Café“ im ganzen Landkreis. In der Cafeteria des Seniorenheims St. Anna in Rohrdorf-Thansau fand man eine passende Heimat, die bis heute den Ort für die regelmäßigen Treffen darstellt.
Geraldine Hermann schildert die Anfänge: „Wir waren gleich um die 15 Leute in verschiedenen Fachgebieten. Kurze Zeit später, nach den ersten Treffen waren es schon etwa 20, und praktisch alle davon sind auch heute noch dabei.“ Verstärkt wird das Team des Thansauer Repair-Cafés bei jedem Treffen von verschiedenen Experten zu speziellen Themen. Mal sind es Trachtenschneiderinnen, mal ein Scherenschleifer, der die hochwertigen, aber mit der Zeit stumpf gewordenen Klingen schärft, mal ist es ein Computerspezialist.

Das Interesse der Besucher – „Kunden“ wäre der falsche Ausdruck – bleibt ungebrochen. Was auch den Bedarf an Reparaturen und Restaurationen lieb gewonnener und vor allem lange bewährter Stücke zeigt. Nachhaltigkeit ist hier das Stichwort. Warum etwas wegwerfen, das Ansprüchen genügt, die von modernen Geräten oft gar nicht erfüllt werden können, nur weil niemand verfügbar ist, der Wartung und Erneuerung mancher Teile übernimmt? Menschen, die kein Einsehen für eine derartige Resourcenverschwendung hatten oder einfach nur nicht loslassen wollten von ihren lange gewohnten und lange tadellos funktionierenden Fernsehern, Kameras, Druckern und vielem anderen, das mit dem nötigen Wissen und Können wieder instand gesetzt werden konnte.
Die Nachfrage bestätigt nicht nur die Langlebigkeit des Thansauer Projekts. Denn nach dessen Vorbild und dem Ingangsetzen einer ganzen „Repair-Bewegung“ wurden mittlerweile 17 ähnliche Repair-Treffen in der Region ins Leben gerufen.
Am Samstag, 21. September, findet in der Cafeteria des Seniorenheims St. Anna in Rohrdorf-Thansau von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr das Jubiläaus-Treffen statt. Wie üblich sind alle Interessierten willkommen. Gast Wolfgang Schreib wird dabei die Besucher über die Geheimnisse des 3D-Druckens informieren, während Helga Behnisch und Helga Sell Wissenswertes zum Thema Sticken berichten. Sie stehen natürlich auch für die Fragen der Besucher zur Verfügung.

Related Posts

Comments are closed.

« »