Begrünte Fassaden schaffen ein deutlich kühleres Stadtklima.

Zu viel Hitze in der Stadt

07.05.2019 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Rosenheim bemüht sich um Lösungen für trockene, heiße Sommer wie im letzten Jahr

Der Rekordsommer 2018 ist wohl allen noch in Erinnerung: monatelang kaum Niederschläge dafür aber extreme Hitze. Der Deutsche Wetterdienst hat eine besorgniserregende Bilanz gezogen: Im Bundesdurchschnitt gab es 75 Sommertage (25°C und mehr), davon waren 20,5 sogenannte „heiße Tage“ mit 30°C und mehr. Allein von Juni bis August gab es bundesweit 770 Sonnenstunden (30 Prozent über Sollwert) und im gesamten Bundesgebiet gab es mit 130 Litern Niederschlag pro Quadratmeter nur 54 Prozent des Regensolls.

Zu schaffen machte die extreme Trockenheit und Hitze besonders der Landwirtschaft und den Wäldern. Der Deutsche Wetterdienst geht davon aus, dass sich durch die weltweit steigenden Temperaturen auch die Wetter- und Klimaextreme wie Hitze- und Dürreperioden häufen werden. Der Frühling in diesem Jahr hat zumindest für 2019 einen Vorgeschmack auf die warme Jahreszeit gegeben.

Ernsthafte Gedanken machen sich seit Jahren auch Stadtplaner angesichts des drohenden Klimawandels und der Erderwärmung. In Ballungszentren entstehen sogenannte städtische Hitzeinseln; eine verdichtete Bauweise verhindert, dass Regen versickern und wieder verdunsten kann und dass sich Luft austauscht. Die dunklen Oberflächen von Fassaden, Dächern und Plätzen speichern Sonnenenergie, die als Wärme nachts wieder abgestrahlt wird. Die Folge: Die Städte kühlen in den Sommernächten nicht mehr richtig ab und können bis über zehn Grad wärmer werden als das Umland.
Mit dieser Entwicklung beschäftigt sich auch die Stadt Rosenheim seit Längerem und erarbeitet derzeit eine Studie zur klimaangepassten Stadtentwicklung.

Neben der Hitzeproblematik legt die Studie einen wesentlichen Schwerpunkt auf mögliche Folgen von Starkregenereignissen. Das Thema stehe bereits seit vielen Jahren auf der Agenda des Stadtplanungsamtes, so Christian Schwalm, stellvetretender Pressesprecher der Stadt Rosenheim: „Im Rahmen der Stadtsanierung wird bereits seit vielen Jahren das Ziel verfolgt, Flächen in der Innenstadt zu entsiegeln, verrohrte Gewässer offenzulegen und straßen- beziehungsweise gewässerbegleitende Bäume zu pflanzen. In den Bebauungsplänen speziell von Gewerbegebieten werden begrünte Dächer ebenso als Standard festgesetzt, wie Maßnahmen zum Schutz vor Hochwassergefahren. Im Bereich des Bahnareals Nord wird zusammen mit den Stadtwerken Rosenheim ein innovatives Geothermie-Projekt realisiert, das Grundwasser zur Kühlung und zur Heizung von Gebäuden nutzt.

Außerdem ist die Stadt Rosenheim Partner im Forschungsprojekt BUOLUS (Bauphysikalische Gestaltung urbaner Oberflächen für nachhaltige Lebens- und Umweltqualität in Städten). Zentral im Projekt sind die Wechselbeziehungen von Nutzung und Gestaltung urbaner Flächen mit anderen Handlungsfeldern wie der Ressourcen- und Energieeffizienz, der Klimaresilienz sowie der Mobilität und Produktivität städtischer Strukturen. Die Gestaltung der urbanen Oberflächen hat starken Einfluss auf die Entstehung von Hitzeinseln sowie auf die Möglichkeit der Regenwasserversickerung bzw. -pufferung. Ein Schwerpunkt ist unter anderem die Erstellung eines Grünflächenkatasters für die kommunalen Flächen. Am 19. September diesen Jahres werden die Zwischenergebnisse des Projekts im Rahmen eines Fachsymposiums in Rosenheim präsentiert.“

Ganz konkrete Auswirkungen hat die Entwicklung des Klimas übrigens auch bei der Auswahl der städtischen Bepflanzungen. Wissenschaftler berichten nämlich, dass manche Baumarten, etwa Kastanie, Linde oder Ahorn, besonders hitzeanfällig und deshalb nicht mehr als Stadtbäume geeignet sind. Deshalb würden neue, robustere Sorten in Ballungsräumen gepflanzt. Dies bestätigt auch Schwalm: „Bei Neupflanzungen werden im Stadtgebiet sowohl entlang von Straßen als auch in den Grünflächen bereits seit Jahren verstärkt stadtklimaverträgliche Baumarten verwendet, etwa Dornenlose Gleditschien, Hopfenbuchen, Tulpenbäume, Schnurbäume, Zelkoven, Ginkos und Blumeneschen. Wenn historische Gründe die Baumart vorgeben, zum Beispiel bei Lindenalleen, wird bei der Ersatzpflanzung auf anspruchslosere Sorten dieser Baumart zurückgegriffen.“

Außerdem würde die kühlende Wirkung von begrünten Dächern und Fassaden bei Planungen öffentlicher Gebäude immer mit einbezogen: „Das neue Fahrradparkhaus am Bahnhofsvorplatz wird etwa ein Gründach erhalten. Beim Regionalen Omnibusbahnhof wurde allerdings zugunsten der Fotovoltaik-Anlage auf ein Gründach verzichtet.“

Übrigens: Bei starker Hitze empfiehlt die Bundesärztekammer, deutlich mehr als sonst zu trinken, mindestens drei Liter am Tag. Schnell und unkompliziert geht dies, wenn man in Rosenheim unterwegs ist, mit den 13 öffentlichen Trinkwasserbrunnen der Stadt, etwa im Mangfallpark, im Riedergarten oder am Dorfbrunnen in Happing.  ff

 

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