„Haupterwerb muss zum Leben reichen“

02.11.2017 • Aktuelles, Kurznachrichten

NGG kritisiert: Zahl der Zweitjobber in Rosenheim auf 3600 gestiegen

Immer mehr Zweitjobber: Rund 3 600 Menschen in Rosenheim haben neben dem Haupterwerb noch einen Minijob – 48 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit. Die NGG Rosenheim-Oberbayern beruft sich dabei auf neueste Zahlen der Arbeitsagentur. Besonders verbreitet sind Zweitjobs demnach im Gastgewerbe: 480 geringfügig Beschäftigte arbeiten in der Branche in Rosenheim – zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Stelle. Gegenüber 2007 stieg ihre Zahl um 110 Prozent.

Georg Schneider, Geschäftsführer der NGG Rosenheim-Oberbayern, spricht von einem „alarmierenden Trend“. „Es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen mit einem normalen Arbeitsverhältnis nicht über die Runden kommen.“ Auf den ersten Blick verzeichne der Arbeitsmarkt in Rosenheim steigende Beschäftigungsquoten. „Doch die hohe Zahl der Zweitjobber zeigt, dass nicht alles Gold ist, was auf dem Arbeitsmarkt glänzt“, so Schneider.

Keine Minijobber-Domäne

Mit Blick auf das Gastgewerbe kritisiert der Gewerkschafter, die Branche dürfe nicht zur bloßen Minijobber-Domäne werden. „In Hotels, Pensionen und Restaurants brauchen wir mehr gelernte Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte. Aushilfen können auf Dauer keine Fachkräfte ersetzen.“ Schon heute seien die Klagen über fehlende Köche und Oberkellner groß. Doch die gewinne man nur, indem man gute Löhne zahle.

Handlungsbedarf

Dringenden Handlungsbedarf sieht die NGG Rosenheim-Oberbayern auch bei der Politik. „Wenn laut Arbeitsagentur in Rosenheim mittlerweile nahezu jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen Nebenjob hat, dann ist hier etwas aus dem Ruder gelaufen“, betont Schneider. Der gesetzliche Mindestlohn sei zwar ein erster wichtiger Schritt gewesen, um extreme Niedriglöhne abzuschaffen. Doch mit derzeit 8,84 Euro pro Stunde liege die Untergrenze zu niedrig, um davon allein als Vollzeitbeschäftigter etwa eine bezahlbare Wohnung in der Stadt zu finden.

Bindende Tarifverträge

Schneider plädiert dafür, dass ausgehandelte Tarifverträge künftig in allen Betrieben einer Branche gelten sollen – unabhängig davon, ob der Chef in einem Arbeitgeberverband ist oder nicht. „Zugleich muss sich die nächste Bundesregierung dringend um die Rente kümmern. Ein Großteil der Menschen, die heute auf einen Zweitjob angewiesen sind, wird im Alter mit Armutsbezügen leben müssen. Hier brauchen wir eine Haltelinie nach unten“, sagt Schneider.

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