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Happing, seine Kirchen und die Pfarrei Heilig Blut

06.06.2017 • Aktuelles, Kultur, Stadt Rosenheim

Zweiter Teil der Reihe zum 1000-jährigen Jubiläum Happings – Von Hans Demberger

Im zweiten Teil unserer Reihe zum 1000-jährigen Bestehen des Rosenheimer Ortsteils Happing schildert Hans Demberger die Geschichte von Happings Kirchen und seiner Pfarrei Heilig Blut.

St. Martin in Happing

Die Happinger Kirche St. Martin wird, wie fast alle Kirchen des Wasen, 1315 in den konradinischen Matrikeln, einem Verzeichnis des Bistums Freising, das erste Mal erwähnt, und zwar als Filiale der Urpfarrei Pang. Das Gotteshaus stand zu dieser Zeit bereits fertig samt Friedhof an seinem angestammten Platz auf einem kleinen Hügel mitten im Dorf. Das Patrozinium St. Martin kann man als Hinweis auf fränkischen Einfluss sehen.

Entstehung der Kirche Heilig Blut

Diese Kirche erscheint erst 1507 in einer Urkunde, als der Panger Pfarrer Wolfgang Hagedorn den Propst vom Petersberg um die Erlaubnis zum Bau einer steinernen Kirche bittet. Warum wollte man hier eine Kirche bauen, wo außer einem Bauernhof weit und breit keine Besiedelung bestand. Auch die notwendigen Geldmittel konnten nur von den Einnahmen aus einer Kapelle hier stammen. Was war vorausgegangen? Wahrscheinlich eine hölzerne Kapelle, von der Franz Wachinger in seinen Aufzeichnungen schreibt: „So erzählen die alten Leute von Heilig Blut, man habe diese Kirche anfangs in den Winkel an der Landstraße bei Hochstraß bauen wollen. Das Gebälk sei schon abgebunden gewesen, da habe sich ein Zimmermann mit dem Beil verwundet. Die blutigen Späne wurden von Vögeln dorthin getragen, wo heute die Kirche Heilig Blut steht. Man habe darin einen Wink Gottes erkannt.“

Wallfahrt zum Heiligen Blut

Als Gnadenbild vermutet man die Abbildung des Schmerzensmannes, der sich heute am linken Seitenaltar befindet. Eng damit verbunden war der Brunnen neben der Kirche, wo das Wasser als Symbol für das Blut Christi floss. In der Brunnenkapelle ist eine weitere Christusfigur zu sehen. Aus deren Wundmalen floss Wasser.

Die Sebastianibruderschaft

Einen weiteren Aufschwung nahm die Wallfahrt und damit auch die Kirche, als die Sebastianibruderschaft 1654 aus Platzgründen von Pang hierher verlegt wurde. Der Heilige Sebastian war der bekannteste Schutzpatron gegen die Pest, die damals unsere Gegend heimsuchte. Von nun an zogen viele Pilger vom Wasen, aber auch aus der weiteren Umgebung am Sebastianstag, dem 20. Januar, in festlicher Prozession zur Kirche. Die Bruderschaftsmitglieder trugen einen Stab und einen Chorrock samt einem rosa Kragen und einem gleichfarbigen Gurt. Zusätzlich feierte man jedes Quartal einen gemeinsamen Gottesdienst. Das Zentrum der Pilger war der Sebastiansaltar an der Nordwand mit den sieben Gemälden, die der Rosenheimer Handelsherr Weidacher gestiftet hatte.

Die Wallfahrt wurde 1992 von den Rosenheimer Gebirgsschützen wiederbelebt.
Heilig Blut erhielt seine Gestaltung im Wesentlichen im 17. Jahrhundert. Der Gnadenstuhl aus der Zeit um 1510 des Meisters von Rabenden behielt auch in der barockisierten Kirche seinen Ehrenplatz auf dem Hochaltar. Gott Vater hält den Körper seines gemarterten Sohnes auf dem Schoß.

Das Gotteshaus machte im Lauf der Jahrhunderte einige Veränderungen mit. Im letzten Krieg wurde das Gebäude durch Bomben schwer beschädigt.

Eine neue Pfarrei entsteht

Kooperator Othmar Rieder kümmerte sich nach dem Krieg mit Einverständnis des Panger Pfarrers besonders um die Bewohner der neuen Siedlungen im Süden Rosenheims. Am 1. April 1948 wurde Heilig Blut samt Filialkirche St. Martin zu einer Expositur erhoben, die 1957 mit Othmar Rieder eine selbstständige Pfarrei wurde. Aufgrund der dynamischen Bevölkerungsentwicklung wurde schon 1959 Oberwöhr herausgelöst und 1965 zur eigenständigen Pfarrei erhoben. In den 1990er-Jahren begann man mit den Planungen für ein neues Pfarrzentrum. 2004 wurde es an der Heilig-Blut-Straße feierlich eingeweiht. Der Bau der ebenfalls geplanten modernen Kirche unterblieb.

Stadtteilkirche Rosenheim – Am Wasen

Ab 2008 betreute der Pfarrer von Heilig Blut auch die Mutterpfarrei Pang mit. Wegen des Priestermangels führte das Erzbistum München und Freising eine Strukturreform durch. 2012 wurde deshalb die Stadtteilkirche „Rosenheim – Am Wasen“ offiziell gegründet. Dazu gehören die drei Pfarreien Heilig Blut, Pang und Oberwöhr, die ihre Kirchenverwaltungen und Pfarrgemeinderäte behielten und auch ihre Eigenheiten erhalten sollen. Zentrale der Stadtteilkirche ist Heilig Blut. Der Pfarrer, zur Zeit Domkapitular Dekan Daniel Reichel und sein Seelsorgeteam betreuen rund 10 000 Katholiken und die Kirchen Heilig Blut, St. Martin in Happing, Josef der Arbeiter in Oberwöhr, Mariä Himmelfahrt in Pang, St. Stephanus in Aising und Johann Baptist / Heilig Kreuz in Westerndorf.

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