Unsere Mitarbeiterin Natalie Stenger erfuhr Wohl und Wehe des „Handyentzugs“.

Die Handytragödie

28.08.2018 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

15 Tage ohne Handy – ein Erlebnisbericht

Was an diesem Freitag, dem vorletzten Freitag vor den Sommerferien, geschah, klingt eigentlich wie ein Montag. Mir wurde nämlich mein Handy überfahren. Und ich bin in Brennnesseln reingefahren. Wobei das hier nicht der Punkt ist. Der Punkt ist: unfreiwilliger Handyentzug.

So ziemlich jedem sind die Straßenverhältnisse in Westerndorf bekannt, es müsste also leichtfallen, sich folgende Situation vorzustellen: Mädchen fährt, vielleicht sogar ein bisschen zu schnell, mit dem Radl auf der Straße, fährt über ein Schlagloch, Handy fliegt aus der dummerweise geöffneten Tasche im Fahrradkorb in hohem Bogen auf die Straße, Mädchen fährt an die Seite (praktischerweise mit dem Schienbein direkt in die Brennnessel), stellt das Rad ab, rennt verzweifelt zu der Unfallstelle zurück und muss live zusehen, wie das Handy von einem weißen Seat überfahren wird. Übrig bleiben ein Scherbenhaufen und eine kaputte Hülle.
So kam es, dass ich, 17 Jahre, 15 Tage ohne mein Handy auskommen musste. Das heißt also 15 Tage kein Whatsapp, kein Instagram und kein Netflix. Aber es hat mir gut getan. Nach einer gefühlten Ewigkeit war mein Zimmer so richtig aufgeräumt, meine Nachbarn kamen mal wieder in den Genuss meiner Klavierkenntnisse und ich habe gelesen. Im Garten, am See oder eben in meinem neu liebgewonnenen und sauberen Zimmer.

Ich habe Social Media gar nicht so wirklich vermisst, allerdings muss man schon sagen, dass Whatsapp unglaublich praktisch ist. Einfach nur, um mit Freunden etwas auszumachen. Das stellte sich nach der Handytragödie als höchst kompliziert heraus. Denn die wenigsten von uns sind noch mit dem Festnetz vertraut. Noch dazu muss man immer mehrere Leute nacheinander anrufen, da schätzt man Gruppenchat und Partygruppe gleich noch viel mehr. Bei einer Planänderung erfährt man immer als letzte Person davon und auch sonst fühlt man sich alles andere als gründlich informiert. Aber das Schlimmste ist, festzustellen, dass man wirklich fast abhängig ist. Wenn man keines mehr besitzt, merkt man erst, wie viel Zeit man aufgrund des Handykonsums über den Tag verteilt verliert, weil man meint, immer auf dem neuesten Stand sein zu müssen. Man könnte ja etwas verpassen.

So ein Schwachsinn. Das Einzige was man verpasst, ist die reale Welt und die schönen Dinge, die außerhalb des Internets geschehen.
Auch wenn ich froh war, als ich nach ungefähr 360 Stunden endlich wieder in Kontakt mit dem virtuellen Kosmos in Form eines Leihgabe-/Übergangshandys einer Freundin kam, bin ich fast schon dankbar, dass mir mein Handy an jenem Freitagmorgen überfahren wurde. Erst so hab ich gemerkt, dass es auch ohne geht.  Natalie Stenger

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