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11.02.2020 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Schwieriger Zugang zum einzigen Defibrillator am Rosenheimer Bahnhof

Manchmal entscheiden nur wenige Minuten über Leben und Tod, schwere neurologische Schäden oder völlige Genesung. Etwa bei Herzrhythmusstörungen, wenn das menschliche Herz lebensgefährlich aus dem Takt gerät.

Um diese zu unterbrechen eignen sich Elektroschocks mittels Defibrillatoren, die alle Erregungen in dem Organ unterbrechen und dem Muskel damit die Gelegenheit geben, wieder einen geordneten Herzschlag zu beginnen – eine Art Neustart sozusagen. Die Überlebenschance des Betroffenen sinkt ohne diese Maßnahme ansonsten rasend schnell, etwa um zehn Prozent pro Minute. Es zählt also jede Sekunde.
Früher war der Gebrauch dieser lebensrettenden Geräte Sanitätern und Ärzten im Rettungsdienst und Krankenhaus vorbehalten.

In den letzten Jahren gibt es aber immer mehr so genannte Automatisierte Externe Defibrillatoren (AEDs), mit denen auch Laien mittels Stromstoß Leben retten können. Sie hängen gut gekennzeichnet an öffentlichen Plätzen, Ämtern oder in Schulen oder Betrieben auch in Stadt und Landkreis Rosenheim und sind so konzipiert, dass man sie auch ohne medizinische Vorkenntnisse bedienen kann. Ein Externer Defibrillator ist auch im Rosenheimer Bahnhof installiert, eigentlich eine sehr sinnvolle Einrichtung.

Rund 18 000 Reisende und Besucher halten sich täglich im und an dem Fernverkehrshaltepunkt auf. Doch wer sich nach dem Gerät umsieht, wird nicht so schnell fündig. Kein Schild macht auf ihn aufmerksam, auch auf den Rettungs- und Umgebungsplänen ist er nicht ausgezeichnet.

Und doch gibt es ihn, und zwar in den Räumlichkeiten der Toiletten im Bahnhofsuntergeschoss, die ein Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen als Mieter in dem Gebäude betreibt. Montiert ist der Defibrillator an der Wand der Sanitärräume, die nur nach Zahlung von einem Euro durch eine gläserne Tür zugänglich sind. Wenn also im oder vor dem Bahnhofsgebäude ein Mensch mit lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen zusammenbricht, müssen Retter zunächst den AED suchen und dann, falls sie ihn im Untergeschoss gefunden haben, vor dem Zugang zur Toilette nach Kleingeld suchen, um in die Toilette zu kommen.
Das das Sanitäranlagen-Unternehmen erklärt die Sachlage so: „Bei der Toilettenanlage handelt es sich um ein Mietobjekt, in dem wir als Mieter vertraglich tätig sind. Der Defibrillator ist unser Eigentum und hängt deshalb innerhalb unseres Mietobjektes, da er dort geschützter hängt und vor Vandalismus einigermaßen gesichert ist. Es handelt sich hier nicht um einen Defibrillator der Deutschen Bahn oder einem Defibrillator, der im öffentlichen Raum hängt, sondern in erster Linie unseren Kunden zur Verfügung stehen soll.“ Sicher dürfe das Gerät im Notfall auch von Menschen, die nicht die Toilette besuchen, genutzt werden, so das Unternehmen und stellt gleichzeitig klar: „Aber wie gesagt, in erster Linie hängt er zur Nutzung in unserem Mietobjekt dort.“
Auch dafür, dass der Defibrillator nicht in die Wegleitung der Deutschen Bahn mit einbezogen ist, hat es eine Erklärung: „Es liegt genau an dem Punkt, dass er eben nicht öffentlich sondern in einem Mietobjekt hängt und Eigentum des Mieters, also in
unserem Eigentum befindlich, ist.“ ff

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