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„Gut aufgestellt“
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„Gut aufgestellt“

Im Gespräch mit Dr. Götz Brühl, Geschäftsführer Stadtwerke Rosenheim

Kaum ein Thema bewegt die Menschen derzeit mehr als der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Konsequenzen für die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland. Steigende Preise für Lebensmittel und Energie zeigen allen auf, wie abhängig auch wir von globalen Zusammenhängen, von weltweiten Lieferketten sind. Umso wichtiger ist es, sich als Kommune gerade in Sachen Strom- und Wärmeversorgung breit und möglichst autark aufzustellen.

Und Rosenheim ist dabei auf einem guten Weg, davon ist Dr. Götz Brühl, Geschäftsführer der Stadtwerke Rosenheim überzeugt bei einem Gespräch mit unserer Wochenzeitung zur aktuellen Lage.

Herr Dr. Brühl, die Verunsicherung durch die Diskussionen um ein Embargo von Erdgas ist groß. Vor welchen Herausforderungen stehen wir und auch die Stadtwerke Rosenheim als kommunaler Versorgungsbetrieb jetzt?

„Zunächst halte ich es für sehr richtig, dass das Bundeswirtschaftsministerium die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen hat. Das macht deutlich, dass es einen allgemeinen, gesellschaftlichen Bewusstseinswandel bei uns allen braucht. Hin zu mehr Energiesparen. Grundsätzlich gilt auch, dass die Gasversorgung eine gemeinsame europäische Aufgabe ist, bei der unser Kontinent auf solidarische Kooperation angewiesen ist. So können wir als Deutschland etwa LNG-Terminals für Flüssiggas anderer Länder nutzen, nachdem wir derzeit noch nicht über diese Einrichtungen verfügen.
Es müssen jetzt alle Anstrengungen unternommen werden, um die Erdgasspeicher bundesweit wieder aufzufüllen. Knackpunkt wird der kommende Winter: Wird er milde, könnten wir meiner Einschätzung nach bei einem Embargo mit einem blauen Auge davon kommen, wird er kälter, könnte es schwierig werden. Umso wichtiger ist es, jetzt möglichst sparsam mit Energie umzugehen, und dazu können alle beitragen.
Selbstverständlich haben sich durch diese weltweite Krise auch die Rahmenbedingungen für uns als Stadtwerke geändert. Die Feinjustierungen unserer Energieversorgung in Rosenheim werden ununterbrochen optimiert; der Markt ist nämlich auch ständig in Bewegung. Übrigens haben wir als Stadtwerke, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, uns eine wichtige Option behalten: Viele unserer Anlagen können neben Erdgas auch mit Öl gefahren werden.“

Das Thema Erneuerbare Energien beschäftigt die Stadtwerke ja bereits geraume Zeit. Mit dem „Energiekonzept 2020“ peilen Sie bis zum Jahr 2025 die bilanzielle Klimaneutralität für Strom und Wärme in Rosenheim an. Wie soll das umgesetzt werden?

„Wir sind ausgesprochen breit und innovativ aufgestellt. Eine wichtige Basis ist hier das Müllheizkraftwerk, in dem jährlich rund 65 000 Tonnen Haus- und Sperrmüll sowie Abfälle aus Gewerbebetrieben für die Strom- und Wärmeproduktion genutzt werden. Unser Fernwärmenetz speist sich aus Kraft-Wärme-Kopplung und senkt die CO2-Emissionen nachhaltig. Dazu gehören auch Wärmespeicher, die deutlich günstiger und effektiver anzuwenden sind, als Stromspeicher in Form von Batterien und zudem schwankende Stromerzeugung aus Fotovoltaik und Windkraft ausgleichen können. Für dieses Jahr ist zusätzlich zu den Anlagen, die gerade gebaut werden, noch ein neuer Holzvergaser für das Fernwärmenetz geplant. Der Ausbau wird auch in den kommenden Jahren weitergehen.“

Was gehört noch zu diesem Konzept?

„Drei Viertel der Erneuerbaren Energien (EE) in Rosenheim werden von den Stadtwerken produziert: im Wasserkraftwerk Oberwöhr und Biomethan Gasmotoren. Damit leisten wir einen sehr großen Teil der CO2-Vermeidung durch EE-Strom in unserer Stadt.“

Vor drei Jahren haben die Stadtwerke Rosenheim als eines von fünf Unternehmen bundesweit den Zuschlag für insgesamt drei iKWK-Projekte von der Bundesnetzagentur erhalten. Mit der Förderung soll die Nutzung erneuerbarer Energien in Fernwärmenetzen vorangetrieben werden.

„Das sind wirklich drei höchst innovative Wärme-Kopplungssysteme an zwei Standorten; in der Schönfeldstraße gegenüber dem Heizkraftwerk und in der Oberaustraße. An der Schönfeldstraße gewinnen wir etwa Grüne Umweltwärme aus dem Mühlbach.
Ein System ist bereits in Betrieb, die beiden anderen folgen noch heuer beziehungsweise im nächsten Jahr.“

Offen für Neues und flexibel zu sein, das scheint das Motto der Stadtwerke zu sein.

„Das stimmt! Je mehr Optionen wir in der Energieversorgung haben, umso größer ist auch die Versorgungssicherheit. Wir bieten viele unterschiedliche Produkte: „Meine Mobilstrom“ für E-Fahrzeuge, den Rosenheimer Landstrom, der die von den Biogasbauern, kleinen Wasserkraftwerken sowie Photovoltaikanlagen erzeugten Energien bündelt, Wasserstrom und vieles mehr. Nur so können wir unser ambitioniertes Ziel des Energiekonzepts 2020 erreichen!“ ff

Bild: Innovative Technik: der Biogasmotor am iKWK-Standort Oberaustraße. Foto: Stadtwerke Rosenheim

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