Das große Krabbeln

02.06.2020 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Untersuchung im Thalkirchner Moos – Insektenzählaktion zum Mitmachen des LBV

Das Thalkirchner Moos mit seinen Streuwiesen, den unberührten Uferbereichen am Simssee und der Antworter Achen ist ein besonderes Naturjuwel im Landkreis Rosenheim.

Weil hier ganz besondere und seltene Tier- und Pflanzenarten vorkommen, hat das Gebiet eine landesweite Bedeutung und ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“. Viele Vogelarten wie der Große Brachvogel, die Bekassine, der Kiebitz oder das Braunkehlchen finden hier geeignete Brutplätze und Nahrung für die Aufzucht ihrer Küken. Zudem stellt das Moor eine bedeutende Raststation für Zugvögel dar, die sich hier ungestört für die lange Weiterreise stärken können. Im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Rosenheim werden bis September auf ausgewählten Flächen am Simsseeufer und im zentralen Wiesenbrütergebiet Bestandserhebungen von Libellen, Heuschrecken und Tagfaltern durchgeführt. Hierfür wurde ein Team von erfahrenen Biologen und Landschaftsökologen beauftragt, das in fünf Begehungen die Artausstattung der Flächen untersucht und auswertet. Auf Basis dieser Ergebnisse werden die in den letzten Jahren durchgeführten Pflegemaßnahmen auf ihre Wirksamkeit überprüft, um den Lebensraum weiterhin für Wiesenbrüter und zahlreiche Insektenarten erhalten zu können.

Dass es die Streuwiesen im Thalkirchner Moos mit ihren wunderschönen Blütenpflanzen und seltenen Insektenarten noch gibt, ist vor allem der Verdienst der ortsansässigen Landwirte. Diese pflegen die Streuwiesen oft bereits seit Generationen extensiv, damit sie nicht verbrachen und verbuschen. Auch der Landschaftspflegeverband Rosenheim e.V. (LPV) pflegt einige Flächen im Einverständnis mit den Eigentümern. Weil diese Art der Pflege wirtschaftlich nicht sehr rentabel ist, können Bewirtschafter Förderungen über das Vertragsnaturschutzprogramm beantragen. Auskunft dazu erteilen der Landschaftspflegeverband unter Telefon 0 80 31/ 3 92 33 92 sowie die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Rosenheim. Hier steht Anita Schmidleitner für Fragen zur Verfügung unter Telefon 0 80 31/ 3 92 33 24.

Wer Lust bekommen hat, sich das Gebiet einmal näher anzuschauen, bleibt bitte auf den ausgeschilderten Wanderwegen und nimmt seinen Hund an die Leine. Wiesenbrüter fliehen vor Fußgängern und Hunden schon auf weite Distanzen. Das Aufscheuchen der Altvögel von ihren Nestern endet oft tödlich für den Nachwuchs, weil die Eier und Küken sehr schnell auskühlen.

Das große Krabbeln

Jeder kann bei der großen Insektenzählaktion des Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) mitmachen. Im Mittelpunkt steht der Marienkäfer.
Beim Insektensommer von LBV und seinem bundesweiten Partner NABU spielt der Marienkäfer in diesem Jahr eine besondere Rolle. Die Mitmachaktion findet noch bis 7. Juni und vom 31. Juli bis 9. August deutschlandweit statt. „Den beliebten Glückskäfer kennt jeder“, so LBV-Insektenexperte Gerhard Hübner. „Dass es deutschlandweit rund 70 verschiedene Marienkäferarten gibt, wissen jedoch die wenigstens. Den klassischen, bei uns heimischen Siebenpunkt-Marienkäfer können wir am häufigsten entdecken.“

Immer öfter ist auch der Asiatische Marienkäfer zu beobachten, der auch Harlekin-Marienkäfer genannt wird. Die invasive Art brachten Menschen erst vor wenigen Jahren zur Schädlingsbekämpfung nach Europa. „Mit der neuen Entdeckerfrage beim Insektensommer wollen wir herausfinden, wie weit sich der fremde Marienkäfer bereits bei uns verbreitet hat“, erklärt Hübner.

Beobachten und zählen kann jeder und das fast überall: Garten, Balkon, Park, Wiese, Wald, Feld, Teich, Bach oder Fluss. Das Beobachtungsgebiet soll nicht größer sein als etwa zehn Meter in jede Richtung vom eigenen Standpunkt aus. Gezählt wird eine Stunde lang. Gemeldet werden die Beobachtungen online unter www. lbv.de/insektensommer.de Aber nicht nur die Marienkäfer – jeder gesichtete Sechsbeiner soll LBV und NABU gemeldet werden. Um von der Vielfalt der Insekten nicht überrannt zu werden, soll auf einige in Deutschland häufig vorkommende Arten jetzt im Frühsommer besonders geachtet werden: außer den Marienkäfern sind das Steinhummel, Florfliege, Hainschwebfliege, Tagpfauenauge, Lederwanze, Blutzikade und Admiral. „Die anschaulichen Insektenporträts auf der LBV-Webseite helfen, die Insekten zu bestimmen“, so Gerhard Hübner. Und wenn man sich bei der Art nicht sicher ist, kann man auch einfach die Gruppe von Insekten angeben, zum Beispiel Schmetterling oder Käfer. „Eine Erkundungstour in die Insektenwelt ist schon auf kleinstem Raum möglich, wie zum Beispiel der Blick in die Blumentöpfe auf dem Balkon“,sagt Hübner.

Der LBV engagiert sich seit vielen Jahren für den Schutz der Insekten. Studien zeigen, dass die Insekten deutlich zurückgehen. Die Daten zur Zählaktion „Insektensommer“ werden in Zusammenarbeit mit der Plattform www.naturgucker.de erfasst, von LBV und NABU ausgewertet und zeitnah veröffentlicht. Mehr Infos unter www.lbv.de/insektensommer.

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