Grandios und regungslos innehaltend

03.12.2020 • Aktuelles, Nachrichten

Rosenheimerin fotografiert Edinburgh während des Lockdowns – Zwei Kalender zu gewinnen

Ihre Wahlheimatstadt ist Edinburgh. Die schottische Hauptstadt mit ihren gut 500 000 Einwohnern hat eine reiche Geschichte, die zahlreiche Baudenkmäler aus den verschiedenen Jahrhunderten hinterlassen hat.
Die Gegenwart gehört einer aufgeschlossenen, aus Schotten und vielen Zugereisten bestehenden Einwohnerschaft. So ist Edinburgh auch eine Kulturhauptstadt, beispielsweise als Ausrichterin des international bekannten Edinburgh Festivals. All das lockt in normalen Jahren eine enorme Menge an Besuchern in die Stadt an der gewaltigen Mündung des Flusses Forth in die Nordsee. Nicht so in diesem Frühjahr. Die Rosenheimer Fotografin Vroni Holzmann, seit vielen Jahren Wahl-Edinburgherin, nahm die Gelegenheit wahr, die schlagartig leer gewordene Stadt abzubilden. Entstanden ist nun aus den eindrucksvollen Bildern ein Kalender .
Wir sprachen mit ihr über das Leben in Schottland und ihre Eindrücke aus dem Frühjahr.
Wie kommt eine Rosenheimerin nach Edinburgh?
„Ich wusste immer schon, dass ich mal aus Rosenheim weg will, und hab die Augen offengehalten nach einem schönen Ort. 1993 bin ich nach Schottland in den Urlaub gefahren, und da dachte ich mir: „Super, das is‘ es!“ Da ist eine super Kneipenkultur und die Menschen sind so freundlich und die Landschaft ist so schön. Wie kann man da nicht bleiben wollen? Keine Ahnung, ich finde, jeder sollte hierher ziehen.“

Was macht eine Rosenheimerin in Edinburgh?
„Ich habe in Schottland zweimal studiert, erst Fotographie und dann Musik. In der Komposition erwarb ich mir einen Master und habe heuer mein drittes klassisches Klavieralbum veröffentlicht. Ich mach immer viel mit Kunst und wenig mit Verdienst. Das ist jetzt natürlich nochmal problematischer, da mit Corona alle Bereiche einbrechen. Aber ich kann an meinen Onlineveröffentlichungen weiterarbeiten, und hoffe als Optimist, dass sich die Lage bis zum nächsten Jahr bessern wird.“

Was war das Beeindruckendste während des Frühjahrslockdowns?
„Bei uns in Schottland ging am 23. März der Lockdown los. Totales Daheimbleiben war angesagt. Ich wohne mit meiner Tochter mitten in Edinburgh, und die Stadt hat sich einfach total geleert. Man durfte ja auch nicht mehr reisen, also waren mit einem Schlag alle Touristen weg. Da sind normalerweise haufenweise Leute bei uns. Zum Glück haben wir einen Park ums Eck, da konnte ich einmal am Tag drumradeln, damit ich nicht wahnsinnig wurde bei dieser ganzen Zuhausehockerei. Auch um meinen kleinen Garten war ich sehr froh.
Was jemandem wie mir natürlich zu schaffen macht, ist, wenn die Kneipen zu sind, da steppt ja in Schottland sonst der Bär, es tobt die Musik, und alt und jung vergnügen sich allnächtlich. In meiner Ausstellung wollte ich die Surrealität dieser zugebretterten Gaststätten zeigen, das war eine der erschreckenden, äußerlich sichtbaren Anzeichen dieser sonst doch eher versteckt und unsichtbar waltenden Krankheit.“

Was war die Idee hinter den Bildern und wie kam es zur Idee mit dem Kalender?
„Irgendwann, als ich mal zum Einkaufen ging, sah ich, dass diese wunderschöne Stadt in dieser völligen Leere eine wahnsinnige Ausstrahlung hatte. Edinburgh ist ja eine Bilderbuchstadt, die gesamte Altstadt gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Auf einem erloschenen Vulkan thront die Burg und ist umringt von beeindruckenden Bauten. Normalerweise wimmelt es da nur so von Menschen, und jetzt herrschte gähnende Leere. Ich fand, diese Surrealität musste man festhalten. Ich hab das mit dem Rad und zu Fuß gemacht so gut es ging, ohne Vorschriften zu verletzen. Ich beschloss, die Fotos schwarz/weiß zu machen, damit der Ernst der Lage irgendwie im Bild stecken würde. Manchmal schauen die Bilder fast bedrohlich aus und das finde ich auch gut so, es war ja keine Spaßzeit. Andrerseits sind die Bilder total zeitlos, es sind keine Menschen mit Gesichtsmasken vertreten, die Stadt steht grandios und regungslos, wie wenn sie einen Moment innehalten würde.“

Wo kann man den Kalender erwerben?
„Den Kalender kann man auf meiner Webseite bestellen, unter vronionline.net/shop. Ich freu‘ mich, wenn ich damit vielen Leuten meine schöne Wunschheimat zeigen kann. Auf meiner Webseite ist auch ein Weblink zum youtube Video der Bilder, sie sind mit meiner klassischen Musik dunkel untermalt.“
An unsere Leser können wir zwei Exemplare verlosen. Schicken Sie einfach bis Dienstag, 8. Dezember, eine Postkarte an echo, Hafnerstraße 8, 83022 Rosenheim, ein Fax an 0 80 31/1 70 04 oder eine E-Mail an info@echo-rosenheim.de. Stichwort ist „Edinburgh“, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.  nu

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