Auf eine gute Zusammenarbeit auch im Jahr 2017 (von links): Erwin Lehmann (Caritas), Anton Reiserer (Arbeiterwohlfahrt, Klaus Voss (Diakonie) und Stefan Müller (Bayerisches Rotes Kreuz). Nicht auf dem Bild ist Franz Langstein (Paritätischer Wohlfahrtsverband).

Gemeinsam für die Menschen

17.01.2017 • Aktuelles, Landkreis Rosenheim, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Vorsitz bei der Arbeitsgemeinschaft der freie Wohlfahrtspflege in Rosenheim wechselt zur Arbeiterwohlfahrt

Unsere Gesellschaft wandelt sich: Auch in so wohlhabenden Regionen wie Rosenheim wird die soziale Spaltung immer größer, die Abstiegsangst der sogenannten Mittelschicht steigt. Phänomene wie Wohnungslosigkeit oder Überschuldung sind in der Mitte der Bürgerschaft angekommen. Diese und viele andere Probleme waren Thema bei einer Pressekonferenz der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege in Rosenheim.

Anlass war die die turnusgemäße offizielle Stabübergabe beim Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft, zu der die Arbeiterwohlfahrt, das Bayerische Rote Kreuz, die Caritas, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Diakonie gehören. Neuer Sprecher ist ab sofort Anton Reiserer, Geschäftsführer des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt Rosenheim. Er dankte seinen Vorgängern im Amt, Peter Selensy und Klaus Voss von der Diakonie Rosenheim für ihr Engagement im letzten Jahr. In guter Kooperation haben sich, so Reiserer, die Wohlfahrtsverbände auch im letzten Jahr wieder den sozialen Herausforderungen in der Region gestellt und gemeinsame Positionen entwickelt und öffentlich vertreten. Wichtige Themen im Jahr 2016 waren unter anderem die Einrichtung eines neuen Studienganges Soziale Arbeit an der FH Rosenheim und die Asylsozial- und Migrationsberatung sowie die inhaltliche Begleitung des Bundesteilhabegsetzes.

Soziale Berufe haben Zukunft – davon zeigten sich die Vertreter der Rosenheimer Wohlfahrtsverbände fest überzeugt. Umso erfreuter zeigten sie sich, dass nun ein neuer Studiengang „Soziale Arbeit“ der Hochschule Rosenheim am Campus in Mühldorf eingerichtet wurde. „Wir als Wohfahrtsverbände in der Region begleiten diese Ausbildung nicht nur fachlich im Beirat, wir sind als auch als Arbeitgeber ein wichtiger Partner“, so Anton Reiserer. Angesichts des Fachkräftemangels im sozialen Bereich sei dieser neue Studiengang eine wichtiger Fortschritt.

Asyl und Migration bleibt auch weiterhin ein wichtiger Schwerpunkt in der Arbeit der Wohlfahrtsverbände, so Stefan Müller, stellvertretender Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes in Rosenheim. Auch hier sind die Wohlfahrtsverbände in Stadt und Landkreis intensiv engagiert und leisten umfangreiche Hilfs- und Beratungsdienste. „Integration ist mehr als ein Sprachkurs“, so Erwin Lehmann, Kreisgeschäftsführer der Caritas Rosenheim. Er mahnt wie seine Kollegen der anderen Verbände in diesem Bereich ein „Konzept aus einem Guss“ an. Wichtig sei es, die teilweise traumatisierten Geflüchteten durchgängig zu betreuen und bei Qualifikation, Arbeits- und Wohnungssuche zu begleiten. Mit einem Betreuungsschlüssel von einem Berater auf 150 Klienten werde man keinem der Beteiligten gerecht. Derzeit würden sogar teilweise Integrationsprogramme schon wieder zurückgefahren, der bedeutende Bereich der Migration aus EU-Ländern wie etwa aus Rumänien und Bulgarien ist aus dem Blickfeld geraten. Skeptisch sehen die Vertreter der Wohlfahrtsverbände auch die aktuele Konzentration Volksvertreter auf die reine Ordungspolitik. Ebenso wichtig ist es, die Menschen, die bei uns ankommen sind, richtig in unserer Gesellschaft zu integrieren: „Soziale Begleitung ist eine Investition in unsere Zukunft und unsere Sicherheit!“, so Klaus Voss, Geschäftsstellenleiter der Rosenheimer Diakonie Soziale Dienste Oberbayern.

Deutlich verschärft hat sich in unserer wohlhabenden Region in den letzten zehn Jahren auch die Armutsgefährdung. Sehr bedenklich sei es, dass sich diese Gesellschaftsschicht nicht nur verfestige, das heißt ein Aufstieg immer schwerer möglich ist. Zunehmend stelle man fest, dass sie auch „vererbbar“ sei, also Kinder von Armut Betroffenen ebenso später ebenso am Existenzminimum leben. Brüche in der Lebensbiografie, etwa Trennung, Verlust des Arbeitsplatzes oder eine schwere Erkrankung können, so die Vertreter der Verbände, schnell eine Spirale nach unten in Gang setzen mit Hartz IV, Wohnungsverlust oder Überschuldung. Nicht umsonst sei die Abstiegsangst der Mittelschicht besonders groß geworden.

„Die Wohlfahrtsverbände, basierend auf ihren humanitären, religiösen und politischen Überzeugungen und mit unzähligen Ehrenamtlichen fest verankert in der Gesellschaft werden auch weiterhin für die Menschen da sein“, versichrte der neue Sprecher Anton Reiserer. Ihre Positionen wollen sie auch im neuen Jahr im Austausch mit den Stadt- und Kreistagsfraktionen sowie den Abegordneten aller Parlamente vertreten. ff

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