Aller Anfang ist schwer, auch der Start in ein neues Leben in einem fremden Land. In einem geschützen Rahmen lernen die afrikanischen Mädchen, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten.

Gefühl der Geborgenheit in einer fremden Welt

12.05.2015 • Aktuelles, Landkreis Rosenheim, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Kinderdorf bereitet afrikanische Mädchen auf selbstständiges Leben vor

Während früher überwiegend männliche Kinder und Jugendliche die Risiken und Strapazen einer Flucht alleine auf sich genommen haben, sind heute immer mehr unbegleitete, minderjährige Mädchen – vor allem aus Somalia und Eritrea – unter den Flüchtlingen. Fünf von ihnen, fünf Mädchen aus Afrika haben in einer betreuten Wohngruppe des Carititas Kinderdorfs Irschenberg eine neue sichere Heimat gefunden. Sie hatten sich ohne Eltern auf den Weg nach Europa gemacht, um den Kriegswirren und dem Terror in ihren Heimatländern zu entkommen. Bei ihrer oft jahrelangen, gefährlichen Flucht mussten sie sich in Schlepperbooten über das Mittelmeer wagen, das schon so vielen Flüchtlingen zum Verhängnis wurde.

Die Mädchen kommen dann in ein für sie unbekanntes Land, in dem zudem eine fremde Sprache gesprochen wird. Sie müssen hier zwar nicht mehr um ihr Leben bangen, sind jedoch halt- und hilflos. Dipl. Sozialpädagogin Cordula Meyer-Erben vom Caritas Kinderdorf Irschenberg leitet das Projekt: „Wir versuchen, den uns anvertrauten Mädchen zunächst ein Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln und ihr Vertrauen zu gewinnen.“ Schrittweise lernen sie das Leben in Deutschland kennen. Das beginnt mit alltäglichen Dingen. Wie benutze ich eine Waschmaschine, wie koche ich mit den deutschen Geräten, wie teile ich mir mein Geld ein? Sozialpädagoginnen aus dem Kinderdorf sind unter der Woche täglich vor Ort, kaufen mit den Jugendlichen ein, kochen und essen gemeinsam oder begleiten sie zum Arzt. An einem Wochenende im Monat werden zudem gemeinsame Freizeitaktivitäten unternommen.

Cordula Meyer-Erben ist stolz auf ihre Schützlinge: „Unsere Mädchen sind hochmotiviert, möchten schnell viel lernen und machen tolle Fortschritte. Deshalb erarbeiten wir mit ihnen schon früh schulische oder berufliche Perspektive. Parallel kümmern wir uns um die posttraumatischen Belastungssymptome unter denen die Jugendlichen nach ihrer langen Odyssee leiden.“ Die Doppelhaushälfte mit Garten, in der die jungen Menschen ein neues, sicheres Zuhause gefunden haben, konnte von der Erika von Boeckmann-Luibl Kinderdorf Stiftung aus Irschenberg erworben werden. Der Standort Prien hat sich laut Meyer-Erben als ideal herausgestellt: „Die Mädchen wohnen in einem geschützten Umfeld und kommen mit dem Zug dennoch gut zum Deutschkurs nach Rosenheim und später zu den weiterführende Schulen.“
Die Sozialpädagogin, die sich ebenfalls um die Bereitschaftspflegefamilien in der Region Rosenheim kümmert, in denen weitere unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge untergebracht sind: „Insgesamt haben wir gerade bei Mädchen sehr gute Erfahrungen mit der temporären Unterbringung in Bereitschaftspflegefamilien gemacht. Wenngleich wir immer auf der Suche nach neuen Familien sind, übersteigt die Zahl der Flüchtlinge leider die Zahl der freien Plätze.“ Im Gegensatz zu den unbegleiteten Jungen gibt es im südostbayerischen Raum für minderjährige Mädchen noch keine Clearing-Häuser und Nachfolge-Einrichtungen. Diese Lücke wurde mit Haus Nala in Prien am Chiemsee geschlossen, zumindest zu einem Teil.

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