Je verlockender das Angebot, umso vorsichtiger sollte man sein! Foto: pixabay

Gefahr aus dem Netz

26.03.2019 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Verbraucherzentrale appelliert, sich bestmöglich zu schützen

Ein Blick auf die Statistiken lässt aufhorchen: Rund 121 Millionen Computer-Schadprogramme sind derzeit weltweit im Umlauf, jede Sekunde kommen vier bis fünf neue dazu. Mit diesen Zahlen machte Polizeirat und stellvertretender Inspektionsleiter Johann Brumbauer bei einer Pressekonferenz der Verbraucherzentrale auf die ständig wachsende Gefahr von Identitätsdiebstahl im Internet aufmerksam. Eingeladen hatte die Beratungsstelle in Rosenheim anlässlich des alljährlichen Weltverbrauchertags.

Ob durch Hackerangriffe oder Phishing-Mails – dass persönliche Daten in falsche Hände geraten, kann jeden treffen. „Ein großes Problem ist dabei der sogenannte Identitätsdiebstahl“, sagt Simone Oberholz von der Verbraucherzentrale Rosenheim. Davon spricht man, wenn Kriminelle im Internet gestohlene Daten für Betrügereien missbrauchen. Die Verbraucherzentrale Bayern hat genau dieses Thema in den Fokus des diesjährigen Weltverbrauchertages gestellt.
Die Fälle reichen von gefälschten Einkaufstouren mit fremden Kreditkartendaten bis zu dubiosen Abbuchungen über die Handyrechnung. „Damit es erst gar nicht dazu kommt, sind sichere Passwörter und das Erkennen von Phishing-Mails wichtig“, betont die Verbraucherschützerin.

„Simple Passwörter können wir uns zwar gut merken, sie sind aber meist nicht besonders sicher“, so Simone Oberholz. Sichere Passwörter sollten mindestens zehn Zeichen lang sein und in keinem Wörterbuch zu finden sein. Und am besten verwendet man für jedes Nutzerkonto ein eigenes Passwort.

Denn was ist, wenn auf einmal das Passwort für Ebay geklaut wird, das zugleich vielleicht auch der Schlüssel zu Paypal, diversen Online-Shops sowie zum E-Mail-Account ist? Dann besteht schnell die Gefahr, dass sich Dritte einloggen und mit falschen Daten Bestellungen im Internet tätigen. Die Rechnungen gehen dann an die Opfer des Identitätsdiebstahls. Fremde können mit gestohlenen Logins außerdem Verträge abschließen, Nachrichten verschicken, Profile verändern und vieles mehr. „Für Betroffene bleibt häufig unklar, wie die Täter an ihre digitalen Identitäten gelangt sind und in welchem Umfang diese nun genutzt oder weitergegeben werden“, sagt Oberholz.

Empfehlenswert sind sogenannte kryptische Passwörter. Diese lassen sich einfach und schnell mit Hilfe eines Kryptonizers erzeugen, der aus einem einfachen Wort ein sicheres Passwort erstellt. In der Rosenheimer Beratungsstelle in der Münchener Straße 36 mit den persönlichen Daten sind solche Kryptonizer in Kartenform kostenfrei erhältlich.
Betrüger kommen oft per Phishing-Mails an die Daten ihrer Opfer. Unter Phishing versteht man das Angeln (Fishing) nach Passwörtern. „Wer per E-Mail nach sensiblen Daten wie der Bankverbindung gefragt wird, sollte äußerst vorsichtig sein“, warnt die Verbraucherzentrale. Denn Nutzer werden so oft auf gefälschte Websites gelockt, um dort ihre Daten preiszugeben. „Tückisch ist, dass die entsprechende Betrugswebsite der Originalwebsite sehr ähnlich sieht“, weiß Simone Oberholz. Vor welchen verdächtigen E-Mails die Verbraucherschützer aktuell warnen, ist unter dem Stichwort „Phishing-Radar“ auf der Internetseite www.verbraucherzentrale-bayern.de aufgeführt.

Ist der Erstfall eingetreten und Kriminelle haben bereits Geld vom Konto überwiesen, sollte man schnell handeln. Kriminaloberkommissarin Veronika Reitschuh appelliert an alle Betroffenen: „Bitte suchen Sie umgehend den Kontakt zur Polizei, unsere bestens qualifizierten Spezialisten stehen Ihnen zur Seite!“ Man sollte sich hier auch nicht von einem falschen Schamgefühl leiten lassen, so Polizeirat Johann Brumbauer: „Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, auch wenn es Ihnen vielleicht unangenehm ist, auf einen Betrüger hereingefallen zu sein!“ Die Polizei rät außerdem dazu bei Betrugsverdacht, auch wenn es sich um kleinere Geldbeträge handelt, alle E-Mails als Beweis zu sichern, Überweisungsbelege und andere Unterlagen aufzubewahren und von der dubiosen Internetseite einen Screenshot anzufertigen.

Alle Internet-Nutzer sollten sich der bestehenden Gefahren und Risiken, die sich in unserem digitalen Alltag mit Computer, Tablet und Smartphone auftun, bewusst sein. Dazu gehören, so Polizeirat Johann Brumbauer und Kriminaloberkommissarin Veronika Reitschuh, ein aktueller Virenschutz auf Computer und Handy ebenso wie die regelmäßige Überprüfung der Geldbewegungen auf dem eigenen Konto. Und nicht zuletzt sollte man auf seinen eigenen gesunden Menschenverstand vertrauen: „Lassen Sie sich Zeit beim Online-Einkauf, oder um dubiose Angebote zu prüfen. Grundsätzlich gilt: Je verlockender ein Angebot ist, desto misstrauischer sollten Sie sein!“ ff

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