Wenn Freunde zusammenstehen

03.07.2018 • Aktuelles, Kurznachrichten, Landkreis Rosenheim, Nachrichten

Freundeskreis veranstaltet Benefiz-Fußballspiel in Kolbermoor am Sonntag, 8. Juli

Es gibt Schicksale, die einen sprachlos werden lassen, wenn man von ihnen erfährt. In besonderem Maße getroffen hat es den Kolbermoorer Andreas Grimm und seine Familie. Der Geschäftsmann und begeisterte Bergsportler glaubte anfangs an einen Defekt seines uralten Blutdruckmessers. Daraus entwickelte sich in vier Jahren eine Leidensgeschichte, die ihn mehr als nur einmal dem Tod nahe brachte und die ihn letztlich zum Pflegefall werden ließ. Auf eines konnte er sich aber neben seinem Willen zu Überleben verlassen: Die Unterstützung seiner Familie und die seiner Freunde, die den „Freundeskreis Andi“ ins Leben riefen. So konnten sie helfen, die enormen Kosten zu tragen, die für Behandlung und Pflege anfallen.

Nun organisieren sie ein Benefiz-Fußballspiel zwischen dem Regionalligisten TSV 1860 Rosenheim und der Drittligamannschaft der SpVgg Unterhaching am Sonntag, 8. Juli, um 15 Uhr auf dem Sportplatz der Pauline-Thoma-Schule in Kolbermoor. Sämtliche Einnahmen werden für die Finanzierung der nötig gewordenen 24-Stunden-Pflege verwendet. Alle Beteiligten, von den beiden Vereinen über die vielen Helfer bis hin zu den Schiedsrichtern, verzichten dabei auch auf Erstattung von Unkosten.

Doch wie kam es zu der Notlage? Als Andreas Grimm im Januar 2014 einen viel zu hohen Blutdruck hatte, schob er es zunächst auf sein altes Messgerät. Doch in den Tagen darauf musste er starken Leistungsabfall, Schwindelgefühl und andere Symptome erleben. Der Arzt traf die Diagnose: Herzmuskelentzündung. Und damit einhergehend die Schwächung der Leistungsfähigkeit des überlebenswichtigen Organs. Bei Andi Grimm war der Schaden so groß, dass er nur mit einem tragbaren Defibrillator mobil sein konnte.

Nach mehreren Zusammenbrüchen, die er nur mit Hilfe dieses Defibrillators überlebte, und einem multiplen Organversagen, bei dem Andreas Grimm nur mit knapper Not gerettet werden konnte, stand fest: Andreas Grimm brauchte ein Spenderherz, um überleben zu können.
Groß war die Erleichterung, als nach relativ kurzer Zeit ein passendes Spenderorgan bereit war. Als es im Juni 2015 an die Operation ging, machte man sich hauptsächlich Gedanken darum, ob der schwere Eingriff ohne Komplikationen ablaufen würde und ob das neue Herz vom Organismus angenommen werden würde. Was dann passierte, damit hatte niemand gerechnet: Insgesamt sieben Schlaganfälle trafen Grimm während der eigentlich erfolgreichen Transplantation des Spenderherzens, davon drei schwere. Die tragische Folge: Lähmung der Arme und Beine, künstliche Beatmung, Luftröhrenschnitt, Magensonde, Astronautenkost, Wesensveränderung, Sprachverlust, Sehnerv-Schädigung.
Andreas Grimm war zu einem Schwerstpflegefall geworden und lag monatelang bewegungsunfähig im Krankenzimmer. Er war im eigenen Körper gefangen, sprachlicher Austausch war ihm unmöglich. Schwerste Depressionen waren die logische Folge, noch dazu, da ein multiresistenter Krankenhauskeim erste, kleine Rehaerfolge wieder zunichte machte.

Im Dezember 2016 wurde Andreas Grimm in ein Altenheim nach Kolbermoor verlegt. Nach wie vor verbrachte Grimm seine Tage meist in Isolation, doch zumindest gab es die Möglichkeit, mit Besuchern zu ‚Frischluft‘-Rollstuhl-Fahrten und kleine Therapie-Erfolge. Die Zustände in der Pflege und die Wohnsituation inmitten vieler alter, teils dementer Mitbewohner sind jedoch psychisch sehr belastend.
Seit Sommer 2017 geht es nun in kleinen Schritten bergauf, Rückschläge inklusive.

Um wieder in gewohnter Umgebung mit seiner Frau, die „nebenbei“ noch das Geschäft weiterbetreibt, und seinem elfjährigen Sohn zuhause sein zu können, bedarf es einer 24-Stunden-Pflege.

Die gute Nachricht: In der letzten Woche konnte eine Kraft organisiert werden, die Kosten jedoch müssen finanziert werden. Eine Gruppe von Personen ist für Andreas Grimm unentbehrlich geworden: Der Freundeskreis Andi, der ins Leben gerufen wurde zum Großteil von ehemaligen Heeresbergführer-Kameraden und ihren Familien.

„Finanzielle Unterstützung bei notwendigen und vom Staat nicht übernommenen Förderungen und speziellen Behandlungen, Erreichung eines würdigen Lebensumfeldes zusammen mit der Familie, Andi wieder in die soziale und gesellschaftliche Gemeinschaft zu integrieren, in Benefiz-Veranstaltungen auf das Schicksal und die Folgen aufmerksam machen“, sind ihre Ziele.
Nachzulesen, auch in den eigenen Worten Andreas Grimms ist das berührende Schicksal auf der Internetseite www.freundeskreis-andi.de nachzulesen, dort finden sich auch Informationen über Spendenmöglichkeiten.

 

Related Posts

Comments are closed.

« »