Fleischlos glücklich

14.07.2015 • Nachrichten

Ein Blick auf die Regale mit Ernährungsratgebern und Kochbüchern in den Buchhandlungen macht es deutlich: Vegan, gänzlich ohne Produkte von Tieren, zu leben hat Hochkonjunktur. Unzählige Veröffentlichungen, darunter viele Bestseller, geben Koch-Tipps und Empfehlungen, und ganz nebenbei noch das Versprechen auf Fitness, Fun und Jugendlichkeit.

Der Vegetarierbund Deutschland geht derzeit von rund 7,8 Millionen Vegetariern (rund zehn Prozent der Bevölkerung) und 900 000 Veganern (1,1 Prozent) in Deutschland aus, andere Erhebungen von Meinungsforschungsinstituten bestätigen diese Entwicklung.
Die Umstellung auf veganes Leben ist eine sehr einschneidene, verzichtet man damit doch nicht nur auf Fleisch und Fisch, sondern auch auf sämtliche Milchprodukte, Eier und Honig. Vegan zu leben bedeutet darüber hinaus auch, diese Prinzipien auch auf die anderen Bereiche des Alltags auszuweiten: Das bedeutet Lederprodukte und Tierwolle zu meiden oder Kosmetika ohne Tierversuche zu wählen.
Veganer begründen ihre Lebensform mit ethisch-moralischen Erwägungen: Sie möchten nicht für das Töten und Schlachten von Tieren mitverantwortlich sein. Auch die Produktion von Eiern und Milch kommt unabhängig von der Haltungsform nicht ohne das Töten von Tieren aus: Milchkühe werden geschlachtet, sobald ihre Milchleistung nachlässt, männliche Tiere sehr bald geschlachtet. Bei der Züchtung von Legehennen werden die männlichen Küken direkt nach dem schlüpfen getötet. Als weitere Gründe führen Veganer ökologische Gesichtspunkte an: Ihre Lebensform leiste einen wesentlichen Beitrag zu Lösung von Umweltproblemen, seien es die Folgen von Überdüngung oder die Emission von Treibgasen.
Auch in Rosenheim gibt es eine große vegane Gemeinschaft.

Ähnlich wie in unzähligen anderen Städten organisieren sich Gruppen in sozialen Netzwerken und tauschen darüber Rezepte, Einkaufs- und Restauranttipps aus.
Dazu gehört auch Kristina Berchtold, die sich vor fast drei Jahren zu diesem Lebensstil entschlossen hat: ,,Bei einem Praktikum 2012 bei der Welttiergesellschaft habe ich mehr über die schrecklichen Details in der Milchtierhaltung erfahren. Nach einer kurzen vegetarischen Übergangszeit entschloss ich mich dann vegan zu leben. Ich will nicht, dass Tiere für meine Lebensmittel leiden und sterben müssen. Und ich möchte im Übrigen auch nicht, dass Menschen in Afrika leiden und verhungern müssen, weil die Industrieländer ihre Anbauflächen für Tiernahrung vereinnahmen. Das ist eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit!“
Eine gute Gelegenheit, veganes Essen zu probieren, ist übrigens das große Sommerfest ,,Veganmania“ am 22. August am Rosenheimer Salzstadel. An vielen Ständen kann man vom Döner über süßes und deftiges Fingerfood, Crèpes, Kuchen und Eis bis hin zu bayerischen Schmankerln kosten – natürlich alles rein pflanzlich. Den unterhaltsamen Rahmen bieten viele Musikgruppen, eine Live-Kochshow und Kabarett.
Den verstärkten Trend zu veganer beziehungsweise vegetarischer Ernährung bestätigt auch Diplom-Ökotrophologin Daniela Krehl vom Referat Ernährung der Verbraucherzentrale Bayern. Dort gehen vermehrt E-Mail-Anfrage zu diesem Thema ein. Sie rät dazu, sich bei einer Umstellung auf ausschließlich pflanzliche Lebensmittel, seine Nahrung sehr sorgfältig zusammenzustellen und empfiehlt einen abwechslungsreichen Speiseplan bestehend aus Obst, Gemüse, Vollkorn- und Sojaprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen. Um sich ausreichend mit Eiweiß zu versorgen, sind Kombinationen von Lebensmitteln sinnvoll wie Getreide mit Hülsenfrüchten oder mit Sojaprodukten. Auch ist es ratsam, ein kalziumreiches Mineralwasser zu bevorzugen. Eisenreiche Gemüse- und Getreideprodukte sollten zusammen mit Vitamin-C-haltigem Saft oder Obst gegessen werden. Dies begünstigt die Eisenaufnahme.

Für Kinder, Kleinkinder und Säuglinge sei eine rein vegane Ernährung nicht empfehlenswert. Sie haben hohe Ansprüche an die Nährstoffdichte und teilweise geringere Nährstoffspeicher. Es besteht die Gefahr, dass sich die Entwicklung verzögert und neurologische Störungen auftreten. Zu den Risikogruppen zählen auch Schwangere, Stillende und Senioren. „Wer sich dauerhaft vegan ernährt, sollte regelmäßig beim Arzt durch einen Labortest überprüfen, ob ein Nährstoffmangel vorliegt“, rät die Verbraucherzentrale.
Einen genauen Blick auf die Zutatenliste empfiehlt Daniela Krehl auch bei Fleischersatzprodukten, die es in großer Auswahl bei fast allen Discountern und Supermärkten gibt: ,,Viele solcher Fleischalternativen enthalten Aromen und andere Zusatzstoffe“. Basis für das „Pflanzenfleisch“ sind Soja, Weizen, die Hülsenfrucht Lupine sowie Milch. „Diese Zutaten sind im Prinzip eine gute alternative Eiweißquelle anstatt Fleisch“, betont Krehl. Doch unter den Produkten gibt es große Unterschiede. So gehen durch aufwendige Herstellungsprozesse wertvolle Mineralstoffe und Vitamine verloren. Und mit dem Verarbeitungsgrad wächst der Einsatz von Zusatzstoffen wie Geschmacksverstärkern und Aromastoffen.

Kristina Berchtold hält dieses ständig wachsende, umfangreiche Sortiment an Fleischalternativen und vegetarischen Produkten im Prinzip für nicht schlecht: ,,Für Einsteiger in eine vegetarische oder vegane Lebensweise sind diese Produkte sicherlich praktisch. Ein langjährig überzeugter Veganer allerdings wird das frische Kochen immer bevorzugen!“

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