Zwei wichtige Jubiläen: Bayern blickt auf bewegte Zeiten zurück. Foto: pixabay

Wir feiern Bayern!

29.05.2018 • Aktuelles, Kultur, Landkreis Rosenheim, Lk Rosenheim, Nachrichten, Stadt Rosenheim, Stadt Rosenheim

Doppeljubiläum: 200 Jahre Verfassungsstaat und 100 Jahre Freistaat

Bayern ist bunt und vielfältig: Der Freistaat, übrigens mit über 70 000 Quadratkilometern flächenmäßig das größte Bundesland, hat sieben Regierungsbezirke ist geprägt von den unterschiedlichsten Landschaften und Dialekten.

Das Klischee von zwei Trachtenkindern, die im grünen Gras sitzen, den Laptop auf dem Schoß und über ihnen der strahlend weiß-blaue Himmel – das mag wohl der „Marke“ Bayern entsprechen und dem Bild, das sich Touristen von Land und Leuten machen. Doch es wird dem Freistaat und seiner Geschichte nicht ganz gerecht. Gleich zwei besondere Jubiläen laden heuer die bayerischen Bürgerinnen und Bürger zu einer Rückschau auf die Geschichte ihres Landes ein: Unter dem Motto „Wir feiern Bayern“ wird im gesamten Bundesland an 200 Jahre Verfassung und 100 Jahre Freistaat erinnert. Zum Programm gehört eine Vielzahl an unterschiedlichsten Veranstaltungen in allen Regionen und Städten Bayerns, aber auch außergewöhnliche Mitmachaktionen wie ein Fotowettbewerb „Mein schönstes Bauernhoferlebnis“, ein Kreativwettbewerb, Kindertageseinrichtungen oder der Trikot-Tag der Sportvereine. Die Zusammenfassung aller Termine und Aktionen sowie einen Abriss der bayerischen Geschichte der letzten 200 Jahre findet man unter www.wir-feiern-bayern.de, der Internetseite der Staatsregierung.
1818 – dieses Jahr markiert den Beginn eines modernen Verfassungsstaates Bayern. In diesem Jahr erließ König Max I. Joseph für das Land eine Verfassung. Das Besondere dieses Staatsaktes: Er legte die Basis für eine konstitutionelle Monarchie mit Regeln, an die sich auch der König halten musste. Seine Macht wurde durch die Ständeversammlung in zwei Kammern begrenzt, ein Vorläufer der Gewaltenteilung. Und nicht zuletzt: In der Verfassung wurden die auch heute noch gültigen und wichtigen Grundrechte wie Meinungs- und Religionsfreiheit sowie der Zugang zu Staatsämtern nach Befähigung anstelle von gesellschaftlichem Stand begründet. Bei der Thronbesteigung ließen sich die Könige in Bayern nicht mehr krönen, sondern schwörten auf die Verfassung. Dass die konkrete Umsetzung und Einklagbarkeit der Grundrechte im Alltag der Bürger allerdings noch eine ganze Weile auf sich warten ließen, lag an den Machtinteressen des mo-narchischen Staates ebenso wie an dem dogmatisch noch nicht durchgesetzten Vorrang der Verfassung vor dem einfachen Recht. Erst allmählich, nach der Revolution 1848 und der sich anschließenden Repressionsphase des Staates, gewannen der Grundrechtsgedanke und die Orientierung von Verwaltung und Gesetzgebung an diesen elementaren Rechten an Bedeutung.

100 Jahre später, ein weiterer Meilenstein in der bayerischen Geschichte, den es zu feiern gilt: 1918, der Erste Weltkrieg, die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, die über 17 Millionen Menschen weltweit das Leben kostete, ist beendet. Im November schafft Kurt Eisner, jüdischer Journalist und Führungspersönlichkeit der sozialistischen USPD, mithilfe bewaffneter Soldaten einen Umsturz fast ohne Gegenwehr, König Ludwig III. flieht. Als erster Ministerpräsident Bayerns ruft Eisner den Freistaat aus und bringt umfangreiche Reformen auf den Weg. Dazu gehörten das erste Frauenwahlrecht in Deutschland, die Einführung des Acht-Stunden-Tags und einer Arbeitslosenversicherung sowie die Abschaffung der geistlichen Schulaufsicht.
Klingt der Begriff „Freistaat“ heutzutage nach einem Sonderstatus, den die derzeitige Regierungspartei CSU im föderalen Gefüge Deutschlands auch gerne betont, war er 1918 eigentlich nur ein Synonym für Republik.

Damit wollte man sich vom „unfreien“ Obrigkeitsstaat der abgedankten Monarchie abgrenzen, Souverän sollte von nun an das Volk sein.
Lange währte jedoch die Phase der Ruhe nach dem folgenreichen Krieg nicht: Im Februar 1919 wurde Ministerpräsident Kurt Eisner von Anton Graf von Arco auf Valley erschossen, einem 22-jährigen Mitglied der völkischen, republikfeindlichen und antisemitischen Thule-Gesellschaft.

Dem vorübergehenden Machtvakuum nach diesem Mord folgten im April 1919 die Ausrufung zweier Räterepubliken kurz hintereinander und schließlich die Konterrevolution, die Ende April zum entscheidenden Schlag ausholte. Mit Unterstützung des SPD-Reichswehrministers Gustav Noske, der Reichswehrverbände nach München entsandte, schlugen diverse paramilitärische Truppen und rechtsextreme Freikorps die Revolution in München nieder. Eine Woche von Mord und Totschlag mit Hunderten Opfern und unvorstellbarer Exzesse der Freikorps-Angehörigen gegenüber den Rotarmisten und Spartakisten folgte. Übrigens: Bei den entscheidenden Kämpfen der revolutionären Rotgardisten gegen die Übermacht der „Weißen“ Gegner der Räterepublik im Arbeiterviertel Giesing waren als eifrige Schergen die späteren NS-Größen Ernst Röhm und Rudolf Heß dabei. Mit der endgültigen Niederschlagung der Revolution zogen auch allmählich dunkle Wolken über der neuen Demokratie auf: Republikfeindliche Kräfte fühlten sich damit bestätigt, darunter auch Adolf Hitler, der 1920 in München aus der Deutschen Arbeiterpartei DAP die NSDAP machte.

Mit der bewegten Zeit von 1918 und all ihren Facetten, der Zeitenwende in den gesellschaftlichen Strukturen, Kunst und Kultur und Alltagsleben beschäftigt sich auch die Gemeinschaftsausstellung „heimat 1918“ die vom 1. Juli bis 5. Mai an 14 verschiedenen Orten in Stadt und Landkreis Rosenheim gezeigt wird. Sämtliche Informationen dazu und das vielfältige Rahmen programm mit Lesungen, Vorträgen und Musik kann man unter www.museumnetzwerk-rosenheim.de nachlesen.

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