Erste Hilfe für die Seele

15.10.2019 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Seit fast 25 Jahren steht die Ökumenische Notfallseelsorge Menschen bei

Es sind die dunklen und fast unerträglich traurigen Momente im Leben: Die Polizei steht vor der Tür und informiert die Angehörigen über den Unfalltod oder den Suizid eines geliebten Menschen. Eltern finden ihren, an plötzlichen Kindstod gestorbenen Säugling, im Bettchen. Ein Wohnhausbrand raubt den Betroffenen ihre Existenz und ihr Heim und hinterlässt ein schweres Trauma. Bei einem schlimmen Verkehrsunfall werden Menschen getötet oder schwerst verletzt.

Das sind nur vier von vielen unterschiedlichen Einsatzsituationen, in denen die Mitarbeiter der Ökumenischen Notfallseelsorge Rosenheim tätig werden. Seit 1995 stehen die bestens ausgebildeten und erfahrenen Seelsorgerinnen und Seelsorger allen Menschen, die mit einem plötzlichen, unerwarteten Verlust eines Angehörigen konfrontiert sind, zur Seite.
Sie werden grundsätzlich nur auf Anforderung der Einsatzkräfte vor Ort tätig und arbeiten eng mit dem Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes (KID) zusammen, der etwa 20 Prozent der Bereitschaftszeiten übernimmt. Die restliche Zeit der 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr trägt die Gruppe der rund 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ökumenischen Notfallseelsorge.
Rund 150-mal im Jahr meldet sich die Integrierte Leitstelle Rosenheim über einen „Piepser“ beim diensthabenden Teammitglied.

Entweder übernimmt dieses selbst die Aufgabe oder übergibt den Einsatz an einen Kollegen oder eine Kollegin.
In der Regel ist die Notfallseelsorge dann innerhalb einer Stunde vor Ort und kann die betroffenen Angehörigen in den ersten Stunden nach dem traumatischen Erlebnis angemessen und qualifiziert begleiten: „Erste Hilfe für die Seele“, besser kann man es wohl nicht ausdrücken „Im Mittelpunkt steht dabei immer der Mensch, unabhängig von seiner Religion oder Herkunft. Manche brauchen Ruhe, mit anderen versucht man, die nächsten Schritte zu überlegen und planen. Vielleicht gibt man auch Hinweise auf das flächendeckende Netz an Hilfsdienst, Selbsthilfegruppen oder stellt den Kontakt zum Ortspfarrer her. Auf jeden Fall bringen wir die Zeit mit, Trauer, Sprachlosigkeit und Schmerz zu teilen“, so Pfarrer Peter Peischl, der Dekanatsbeauftragte für die Notfallseelsorge im evangelischen Dekanat. So können die Stunden, die die Notfallseelsorger bei den betroffenen Menschen sind, erste, wichtige Schritte auf dem Weg der Trauerbewältigung oder des Verarbeitens des traumatisch Erlebten sein, so die Erfahrung von Pfarrer Peischel.

Träger sind das Evangelisch-Lutherische Dekanat Rosenheim und die Katholischen Dekanate Bad Aibling, Chiemsee, Inntal, Rosenheim und Wasserburg; finanziert wird das Angebot aus Spenden und Kirchensteuermitteln beider Konfessionen.

Im Laufe der Jahre sind die Anforderungen an die Notfallseelsorge, angesichts der steigenden Zahl der Einsätze und gesetzlicher Verpflichtungen sowie mehr organisatorischem Aufwand, gestiegen. Schon vor mehreren Jahren wurde deshalb eine befristete Personalstelle geschaffen, die vor allem die Koordination und die Betreuung der Einsatzkräfte übernimmt. Vonseiten der Stadt und des Landkreises wurde dafür eine finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt, doch bisher wurde diese Zusage noch nicht eingelöst. Um diese wichtige halbe Stelle auch weiterhin erhalten zu können, hat die evangelische Kirche nun die Verantwortung übernommen: Vor Kurzem hat die Dekanatssynode des Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirk Rosenheim beschlossen, diese Stelle bis Ende 2025 zu sichern – allerdings mit dem Auftrag, auch weiterhin auf die finanzielle Unterstützung der Kommunen, der Stadt und des Landkreises sowie anderer Geldgeber hinzuwirken. Die zum 31. Oktober scheidende Dekanin Hanna Wirth zeigte sich erfreut über diesen Beschluss: „Diese Aufgabe müssen wir konsequent angehen. Schließlich kommt diese besondere Seelsorgeaufgabe an 365 Tagen rund um die Uhr allen Menschen und nicht nur den Kirchenmitgliedern zugute.“
Geplant sind, so Helmut Franke, Referent im evangelischen Referat, etwa Benefizkonzerte, um Spenden für die Finanzierung der wichtigen Koordinationsstelle zu sammeln. So brachte etwa vor Kurzem das gut besuchte Konzert des Bundespolizeikonzertes in Prien einen stattlichen Betrag von 1300 Euro für die gute Sache ein. Weitere Aktionen sind in Planung, auch weitere Unterstützung und Spenden sind sehr willkommen. Wer sich ausführlich informieren will, findet weitere Informationen auf der Homepage des Dekanats dekanat-rosenheim.de unter dem Stichwort „Notfallseelsorge“. ff

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