Vroni Lutz im heimischen Garten. Foto: von Liel

Eine vielfältige Frau

06.09.2016 • Aktuelles, Landkreis Rosenheim, Nachrichten

Eine Riederingerin mit großen Plänen

Jetzt war erst einmal Urlaub angesagt, in Kroatien, in einem ganz einfachen Haus auf einer Insel. Auf dem Markt einkaufen, selber kochen, ein wenig lesen, mit Mann und Kindern schnorcheln oder Stand up-Paddeln: So sahen die beiden Wochen dort aus. Etwas Erholung kann sicher nicht schaden, denn Veronika Lutz hat eine Menge Pläne, die eines gemeinsam haben: es geht ums Kochen und um gutes Essen.

„Gerade in südlichen Ländern gibt es so tolle Angebote, viel mehr Auswahl als bei uns, richtig gutes Obst und Gemüse oder ganz frischen Fisch. Die Menschen dort legen viel mehr Wert auf gutes Essen“, freute sich Veronika Lutz schon im Vorhinein aufs Einkaufen in den Ferien. Die Einstellung vieler Deutscher findet Vroni – wie sie eigentlich von allen genannt wird – eher schwierig: „Gute Lebensmittel sind oft das Letzte, wofür Deutsche Geld ausgeben.

In ihr Auto kippen sie das teuerste Motorenöl, in sich selbst nur das Billigste“, sagt die Mutter von drei kleinen Kindern.

Vielleicht sieht sie das besonders kritisch, weil Kochen ihre Leidenschaft und ihre Art von Entspannung ist. Sie hat bei zwei TV-Kochshows gewonnen und ein Jahr lang Erfahrungen im Landgasthof Gut Apfelkam gesammelt. Jetzt kocht sie freiberuflich. Zum Beispiel für das Raublinger Unternehmen BORA und ab kommendem Jahr auch für deren Radteam.

„Jetzt war ich ein paar Tage bei der Tour de France dabei, um mir das anzuschauen. Ab kommendem Jahr werde ich dann bei einigen kleineren Touren dabei sein und nach ihren Ernährungsrichtlinien für die Fahrer kochen. Da gibt es ausschließlich Bio-Produkte, viel Obst und Gemüse, keinen Zucker und keine Weizenprodukte. Klar, dass das für die Spitzensportler gesund sein muss. Aber gut schmecken soll es halt auch.“ In der Zeit kümmert sich ihr Vater um die Kinder, der mit im Haus lebt. „Ohne den Opa würde das überhaupt nicht gehen. Mein Mann arbeitet in München und kann nicht einspringen. Aber der Kindergarten geht zum Teil bis in den Nachmittag und auch die Schule bietet eine Nachmittagsbetreuung an. Und wenn ich nicht da sein kann, holt mein Vater sie ab und spielt mit ihnen.“

Vroni Lutz ist mit dem Kochen aufgewachsen. Sie hat viel von der Mutter gelernt, auch im Garten, und baut inzwischen selbst Gemüse und Obst an. Sogar ein paar Gänse gibt es. Die Kinder helfen im Garten mit und kennen sich dort gut aus. „Wenn ich sage, holt mir schnell mal Basilikum, wissen sie genau, was das ist. Ich finde, schon Kinder sollen ein Bewusstsein fürs Essen haben. Meine drei wissen auch, von welchem Tier das Fleisch auf ihrem Teller kommt, das gehört bei uns auf dem Land dazu. Zumal meine Familie früher einen Bauernhof hier in Riedering hatte.“ Dieser Bauernhof oder vielmehr sein Standort wird in den kommenden Monaten eine besondere Rolle in ihrem Leben spielen.

Denn dort, wo früher einmal der Bauernhof war, entsteht ab Herbst ein neues Gebäude, das so ähnlich aussehen wird wie das alte. Aber es wird zusätzlich eine große Terrasse geben und einen schönen Gastraum mit einer komplett offenen Küche. Und wozu das Ganze? „Zusammen mit meiner besten Freundin Silke werde ich dort ab kommendem Jahr ein Café oder sogar noch ein bisschen mehr eröffnen. Morgens werden wir ein Frühstück mit richtig guten Zutaten anbieten. Mittags gibt es dann ein oder zwei warme Gerichte, dazu tolle Sandwichs mit ausgesuchtem Belag. Vielleicht bauen wir das auch zu einer Art Lunchbox aus mit Sandwich, frischem Smoothie und einem Stück Obst. Für alle, die keine Zeit haben, sich bei uns hinzusetzen und unterwegs etwas Gutes essen wollen. Außerdem werden wir natürlich Kaffee und Kuchen haben. Der soll ganz bodenständig sein, ein guter Käsekuchen, ein saftiger Obstkuchen – solche Dinge. Es muss einfach alles hierher passen.“

Doch das ist noch nicht das Ende der Pläne: „Einmal pro Woche wollen wir auch abends öffnen. Dann kochen wir kein Essen à la carte, sondern ein Menü für die etwa 25 Gäste, die wir alle an eine lange Tafel bitten. Sehr regional und saisonal soll das werden. Wir leben in einer Gegend mit so vielen Möglichkeiten, im Chiemgau können wir wirklich aus den Vollen schöpfen.“

Ihre Philosophie lautet dabei: „Es muss nicht immer so viel Schnörkel haben, es muss einfach gut sein. Wozu brauche ich zehn Zutaten und noch mehr Deko auf dem Teller, wenn ich ein tolles Stück Fleisch habe. Hut ab vor Sterneköchen, aber ich brauche keine Pülverchen und Schäumchen.“

In Riedering gebe es wenig, wohin man gehen kann, sagt sie. Im neuen Café sollen sich die Riederinger wohlfühlen, aber auch alle anderen Gäste. Die 33-Jährige stellt sich das schon einmal vor: „Wenn ein Einheimischer in Ruhe bei seinem Weißbier sitzen mag und der nächste in lustiger Runde, dazu vielleicht noch ein paar von den Münchnern, die mich immer fragen, wo sie denn zum Essen hin sollen hier in der Gegend, dann wird es gerade die richtige Mischung.“

Einen Internet-Blog rund ums Kochen hat sie auch, wobei der allerdings derzeit eher auf Eis liegt. Alles bringt sogar sie nicht unter einen Hut. Vor allem, weil es ihr wichtiger ist, mit Familie und Freunden bei einem guten Essen rund um den Tisch zu sitzen, zu ratschen und zu genießen. Die vielen Freunde wissen das sehr zu schätzen und kommen entsprechend oft vorbei. „Ich liebe es einfach für viele zu kochen. Also habe ich eigentlich immer genug für ein paar mehr Esser.“

Ein paar mehr Esser waren es auch am Abend vorher: „Mit einer Kollegin habe ich gerade bei einem großen Fest aus Anlass der spanischen Radrundfahrt Vuelta gekocht: Tapas und Paella für 180 Leute. Bis das Café gut läuft, werde ich sicher auch noch auswärts kochen. Aber es freuen sich jetzt schon alle in Riedering. Ich werde quasi jeden Tag gefragt, wann es los geht.“ Mindestens 40 Plätze drinnen und 60 draußen soll es geben. Genug Platz auch für Feste wie Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten, findet Vroni Lutz.

Dass sie Herausforderungen liebt, liegt vielleicht auch daran, dass sie in ihrer Jugend Wettkampfschwimmerin war und es bis in die Juniorennationalmannschaft geschafft hat: „Ich war ziemlich talentiert, aber nicht ganz so ehrgeizig. Weil es hier in der Gegend nicht genug Trainingsmöglichkeiten gegeben habe, bin ich eine Zeit lang in München auf eine Sportschule gegangen. Aber als 16-Jährige war ich einfach zu jung, um alleine in der Großstadt zu leben.“ Eine Weile ist sie mit anderen Schwimmern ins Trainingslager gefahren, blieb aber eher eine Einzelkämpferin. Auf Dauer habe ihr das keinen rechten Spaß gemacht. Heute schwimmt sie „mehr zum Spaß. Vor dem Benefiz-Triathlon Ende Juli in Gstadt für den Irmengard-Hof bin ich einmal in der Woche ein bisserl ins Wasser gegangen“, erzählt Vroni Lutz. Immerhin hat das „Bisserl“ für sie und ihre Rad- und Laufpartner für den ersten Platz gereicht. Das freute sie besonders, weil sie den Irmengard-Hof für ein tolles Projekt hält. Ihr war es ein Anliegen, das Erholungshaus für Familien mit schwer kranken Kindern und Kindern mit Behinderungen zu unterstützen. „Man muss so froh sein, dass man selbst drei gesunde Kinder hat. Da ist es doch selbstverständlich, dass man sein Bestes gibt für dieses besondere Projekt.“ Isa von Liel

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