Ein Jahr danach

04.06.2014 • Aktuelles, Landkreis Rosenheim, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Jahrestag der Hochwasser-Katastrophe

In der Nacht vom 2. auf den 3. Juni erreichte die Mangfall mit 3,28 Metern ihren Pegelhöchststand, gemessen auf Höhe Feldolling. Viele Bürgerinnen und Bürger, vor allem aus Kolbermoor und Rosenheim, verbrachten die Nacht bei Freunden, Verwandten oder in Notunterkünften. Vor genau einem Jahr stand die Region vielerorts unter Wasser.

In den vergangenen zwölf Monaten hat sich viel getan: Die Dämme wurden ertüchtigt und die Schäden vielfach beseitigt. Bis diese Katastrophe zu den Akten gelegt werden kann, wird aber noch einige Zeit vergehen. Rund neun Millionen Euro wurden bis heute an staatlichen Hilfsgeldern und Spenden für Betroffene im Landkreis Rosenheim bewilligt. Davon entfallen knapp vier Millionen Euro auf das Sofortgeld und 1,15 Millionen auf die Soforthilfe. Für die staatliche Aufbauhilfe, die überwiegend Gebäude- und Hausratsschäden abdeckt, wurden rund 220 Anträge beim Landratsamt Rosenheim eingereicht. Ein Drittel dieser Fälle, genau 75, konnte endgültig abgeschlossen werden. Bei den übrigen sind die Sanierungsarbeiten noch nicht beendet.

Um die Geschädigten finanziell zu unterstützen, wurden in den meisten Fällen Vorauszahlungen getätigt. Neue Anträge gehen beim Landratsamt bis heute ein. 3,35 Millionen Euro wurden bis dato an Aufbauhilfe bewilligt. Der „Renner“ bei den Sanierungsmaßnahmen sind im Übrigen hochwasserdichte Kellerfenster.

Da der Freistaat sich bereit erklärt hat, jeweils 80 Prozent der entstandenen Schäden zu ersetz-ten, werden die übrigen 20 Prozent aus Spendengeldern genommen. Dies ist möglich, weil die Hochwasserbilder eine zweite Flut, diesmal an Spenden auslösten. Allein für den Landkreis Rosenheim wurden 4600 Einzelspenden registriert. 974 000 Euro stellten die Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung. Aktuell sind davon knapp 440 000 Euro ausbezahlt. Die Details eines jeden Falls werden in einem Vergabeausschuss besprochen. Er entscheidet zudem, wie viel Geld im Einzelfall ausbezahlt wird.

Auch im Landratsamt, das auch Katastrophenschutzbehörde ist, wurde Bilanz gezogen. Um bei zukünftigen derartigen Ereignissen noch besser gerüstet zu sein, wurden drei Flachwasserschubboote angeschafft. Die Aluminiumboote haben festinstallierte Räder, sie können so problemlos im Übergangsbereich von Wasser und Land sowie im Flachwasser eingesetzt werden. Zu den bereits vorhandenen drei Großpumpen, die jeweils 11 000 Liter in der Minute ableiten können, wurde eine neue Hochwasserleistungspumpe gekauft, sie schafft 6000 Liter pro Minute. Eine beschädigte Sandsackfüllanlage wurde ersetzt und eine weitere zusätzlich angeschafft. Zudem verfügen die Feuerwehren in Prien und Kolbermoor über neue mobile Lautsprecheranlagen.

Hunderte Gebäude standen vor einem Jahr im beziehungsweise unter Wasser. In Aschau beispielsweise waren nicht nur die Schule, sondern auch ein Seniorenheim, ein Kindergarten und die Orthopädische Kinderklinik massiv betroffen. Am Montag, den 3. Juni blieben nicht nur alle Schulen im Landkreis geschlossen, auch die für diesen Tag geplanten Fachabitur- und Abiturprüfungen mussten abgesagt werden. Zahlreiche Straßen waren gesperrt, der Bahnverkehr unterbrochen. Im Priener Hafen stand der Pegel des Chiemsees 1,80 Meter über seinem durchschnittlichen Normalwert. Das größte Gefahrenpotenzial barg der Mangfalldamm zwischen der Brücken- und der Ludwigsstraße in Kolbermoor. Der Damm war völlig durchweicht, Sickerwasser trat bereits aus und trotzdem hielt er stand.

Etwa 5500 Einsatzkräfte waren im Einsatz. 3500 davon stellten alleine die 123 Feuerwehren aus Stadt und Landkreis. Hinzu kamen 100 von der Berufsfeuerwehr in München, 150 Feuerwehrler aus Tirol, über 600 Sanitätskräfte, mehr als 400 Frauen und Männer von der Wasserwacht, über 200 vom Technischen Hilfswerk, 200 von der Bergwacht, 100 Landes- und Bundespolizisten sowie 60 Soldaten aus Mittenwald. Am 5. Juni abends um 19 Uhr wurde der Katastrophenfall für die Stadt und den Landkreis aufgehoben.

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