Breites Spektrum an Hilfen

29.09.2015 • Aktuelles, Kurznachrichten

Caritas lud zum Pressegespräch über Flüchtlings-Situation

Die Flüchtlingswelle ist in aller Munde. Weltweit diskutieren Politiker, wie man damit umgehen soll. Erwin Lehmann, Kreisgeschäftsführer der Caritas-Zentren in Stadt und Landkreis Rosenheim ist überzeugt, dass sich die Welle der Flüchtlinge nicht eindämmen lässt. „Das gleicht dem Versuch einen Tsunami zu kanalisieren“, sagte er bei einem Pressegespräch, bei dem Caritas-Verantwortliche ein breites Spektrum an Hilfen vorstellte.

Seit Januar dieses Jahres haben sich die Zahlen der Aufgriffe durch die Bundespolizei Rosenheim mehr als verzehnfacht. „Im August lagen sie bei rund 10 000 Menschen“ informierte Lehmann. Durch die Verlagerung der Kontrollaktivitäten habe sich zwar der Schwerpunkt nun etwas mehr weg von Rosenheim hin nach Freilassing verlagert. Dennoch sei Rosenheim nach wie vor einer der Hauptbrennpunkte.

Aktuell stellt die Stadt Rosenheim rund 1000 Plätze, sozusagen als „Puffer“ zwischen den Aufgriff der Bundespolizei und Zuweisung zu einer Erstaufnahmeeinrichtung zur Verfügung.Turnhallen in Bad Aibling, Prien und Raubling fungieren als Erstaufnahmeeinrichtung. In Feldkirchen-Westerham und Wasserburg sind weitere in Planung.

Wöchentlich werden derzeit rund 100 Flüchtlinge aus den Erstaufnahmeeinrichtungen in Stadt und Landkreis Rosenheim zugewiesen. Dort bleiben sie für die Zeit des Anerkennungsverfahrens untergebracht. Zunehmend ist auch die Zahl der Flüchtlinge mit Bleiberecht.
Diese Situation stellt Kommunen, Behörden und Wohlfahrtsverbände vor eine enorme Herausforderung. Die Caritas stemmt derzeit mit über 60 Prozent der bestehenden Kapazitäten den größten Teil der Asylsozialberatung, die in Kooperation mit dem Diakonischen Werk und dem Bayerischen Roten Kreuz in der Region sichergestellt wird. „Zur Finanzierung setzen wir einen gehörigen Anteil an kirchlichen Eigenmitteln ein“, informierte der Caritas-Kreisgeschäftsführer.
Verstärkte
Diskussion
Die Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Integration in der Gesellschaft verstärke sich. Lehmann begrüßt diese Entwicklung: „Das zeigt, dass sich die Bürgerschaft mit diesem Thema auseinandersetzt.“

Das Spektrum an Hilfs- und Unterstützungsangeboten ist breit. Melanie Bumberger und Ehrenamtskoordinator Lothar Thaler gaben bei dem Pressegespräch im Caritas-Zentrum Rosenheim in der Reichenbachstraße einen Überblick über ihre Aufgaben und das Miteinander mit den Flüchtlingen. Melanie Bumberger empfindet den Umgang mit den Menschen aus verschiedensten Kulturen als „sehr bereichernd“. Lothar Thaler freute sich über die große Willkommenskultur in der Bevölkerung. Doch auch Ehrenamtliche würden oft an ihre Grenzen stoßen, unter anderem gestalte sich die Kommunikation mit Behörden manchmal schwierig. Für Thaler steht fest: „Ehrenamt muss Freude bereiten, sonst ist ein Ende schnell absehbar.“

Einsicht in Zahlen und Fakten lieferte Claudia Huber, Fachdienstleiterin Soziale Stadt. Von den derzeit 2024 Asylsuchenden werden rund 1000 in fünf von 16 Unterkünften in der Stadt und in 52 von 111 Unterkünften im Landkreis von Asylsozialberatern der Caritas betreut. Für diese Aufgabe stehen drei Vollzeit- und zwei Teilzeitmitarbeiter zur Verfügung. Ab 1. Oktober wird auf sechs Vollzeitstellen, zwei Teilzeitmitarbeiter und ein Bundesfreiwilligendienstler mit 25 Stunden aufgestockt.

Erwin Lehmann ist sich sicher. „Der Einsatz wird sich lohnen“. Im Hinblick auf die demografische Situation gäbe es durchaus eine beträchtliche Chance, dass durch eine möglichst breite und weitgehende Integration der Flüchtlinge, die Gesellschaft insgesamt profitieren könnte. wu

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