Du bist nicht allein!

09.11.2020 • Aktuelles, Nachrichten

Rund 35 000 junge Menschen in Bayern sind „Young Carer“

Mit einem Antragspaket an den bayerischen Landtag hat vor Kurzem die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Bevölkerungsgruppe in den Fokus der Öffentlichkeit gestellt, die vielen leider noch gänzlich unbekannt ist: die „Young Carer“, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die einen oder mehrere Angehörige versorgen und pflegen.

Das ist etwa dann der Fall, wenn in der Familie nur ein Elternteil lebt oder weitere erwachsene Familienmitglieder beruflich intensiv eingespannt sind, um die finanzielle Existenz zu sichern. Einem Bericht der Staatsregierung zufolge gibt es in Bayern etwa 35 400 „Young Carer“ zwischen zwölf und 18 Jahren. Wissenschaftliche Studien des Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) zeigen, so die Begründung im Antrag, dass insbesondere „Young Carer“, bei denen die Pflegelast für ein Familienmitglied überwiegend angesiedelt ist, immensem Druck ausgesetzt sind: Psychische, soziale und schulische Belastungen sind die Folge.
Deshalb fordern die Abgeordneten der Grünen vom Landtag, ein umfangreiches Maßnahmenpaket zu beschließen, von der verstärkten Aufklärungsarbeit über Online-Unterstützung und der Sensibilisierung von Fachstellen bis hin zu Ansprechpartnern an Schulen im Rahmen der Jugendsozialarbeit und nicht zuletzt der Gewährung von Haushaltshilfen, die bisher nur bei Kindern bis zwölf Jahren möglich sind.

Es brauche passgenaue Unterstützungsangebote, damit sich Kinder und Jugendliche angesprochen fühlen und diese sie niedrigschwellig erreichen. In einem ersten Schritt müsse zudem die Öffentlichkeit stärker für die belastende Lebenssituation der „Young Carer“ sensibilisiert werden. Wenn das Bild der starken Familie auseinanderbricht, herrsche oft Angst, Scham und es werde totgeschwiegen. Dies liege auch an der gesellschaftlichen Tabuisierung, die die Last auf den Schultern dieser Kinder und Jugendlichen unsichtbar mache.
Die Grünen-Fraktion rechnet nicht damit, dass ihr Antragspaket vor Dezember im zuständigen Landtagsausschuss für Gesundheit und Pflege beraten wird. Wann sich danach das Plenum befassen wird, steht noch nicht fest.

Einen wichtigen Impuls, um auf deren Situation aufmerksam zu machen, gab bereits 2018 Lana Rebhan mit ihrem öffentlichen Engagement beim europaweiten Netzwerk von jungen Pflegenden „Young Carers“. Der Teenager aus Bad Königshofen bei Schweinfurt musste bereits als Achtjährige mit Verantwortung für den Haushalt und die Unterstützung ihres Vaters übernehmen. Im letzten Jahr wurde ihr als Auszeichnung der „pflegekompass“ überreicht. Die Begründung der Jury: „Die 14-Jährige steht stellvertretend für alle jungen Pflegenden in Deutschland. Sie gibt ihnen Hoffnung und eine Stimme.“
Auf der Homepage von Lana Rebhan für Kinder kranker Eltern finden Betroffene ein breites Spektrum an Unterstützung, Erfahrungsberichte, Anregungen und weiterführende Links. „Du bist nicht alleine“, das ist die Botschaft, die vermittelt werden soll und hoffentlich viele junge Menschen auch erreicht.
Zudem gibt es eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter dem Motto „Pausentaste“. Auch auf diesem Portal erhalten Betroffene aber auch Fachpersonal und Angehörige viele Tipps, Materialien und Downloads und Beratungsangebote.
Ausführliche Informationen gibt es zum Nachlesen unter young-carers.de und pausentaste.de. ff/Foto: Pixabay

 

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