Elisabeth Bartl (rechts) und ihre engagiertes Team. Fotos: ff

„Warum bin ich nicht früher gekommen?“

23.01.2018 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Die Tafel Rosenheim versorgt pro Woche rund 500 Menschen mit Lebensmitteln

Es geht gegen Ende des Monates und der Kühlschrank ist leer. Was für die meisten von uns selbstverständlich ist, einfach einen Einkauf im nächsten Supermarkt zu machen, das stellt leider viele Menschen in unserer Region vor ein unlösbares Problem. Denn ihr Geldbeutel ist leer, jede noch so kleine Anschaffung muss gut überlegt sein. In dieser Situation springen „als Lebensretter“ die Tafeln ein, von denen es fast 900 deutschlandweit gibt und in denen sich jede Woche bis zu 50 000 Helfer ehrenamtlich engagieren.

Eine diese Einrichtungen gibt es auch in Rosenheim: Seit 2001 betreibt die Diakonie Soziale Dienste Oberbayern die Tafel Rosenheim mit zwei Läden, und zwar in der Westermayerstraße sowie in der Tannenbergstraße im Ortsteil Endorferau.

Die Leiterin Elisabeth Bartl, die seit dem Beginn vor 17 Jahren dabei ist, berichtet von etwa 500 Personen, die so wöchentlich mit Lebensmitteln versorgt werden und versichert: „Die Anmeldung ist für die Kunden völlig unkompliziert und unbürokratisch; es reicht völlig beim ersten Besuch einen aktuellen Einkommensnachweis, etwa den Rentenbescheid oder die Hartz IV-Bescheinigung vorzulegen.“ Dann wird anhand der Unterlagen geprüft, ob die Berechtigung zur Ausstellung einer Tafelkarte vorliegt. Auf dieser wird die Zahl der zu versorgenden Personen in der Haushaltsgemeinschaft eingetragen. Daran bemisst sich auch die Menge der Lebensmittel, die man für einen Euro pro Person bei einem Höchstbetrag von vier Euro einkaufen kann. „Warum bin ich nicht früher gekommen?“, das sagen viele Menschen, die nach langem Zögern endlich den ersten Schritt gemacht und sich zur Anmeldung entschlossen haben.

In der Tat müssen, so Elisabeth Bartl, viele Menschen in Not zunächst einmal eine Hemmschwelle und ihre Schamgefühle überwinden, bevor sie um Hilfe bitten. Gerade ältere Menschen, von denen eine erschreckend hohe Anzahl bei der Tafel einkauft, täten sich anfangs dabei sehr schwer.
Zum Kundenkreis der Rosenheimer Tafel gehören neben Senioren, die von Altersarmut betroffen sind, auch viele Hartz IV-Empfänger beziehungsweise Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen länger arbeitslos sind. „Doch das ist nur die Spitze des Eisberges“, ist sich Elisabeth Bartl sicher Sie glaubt, dass es bedeutend mehr Menschen gebe, die der Hilfe der Tafel bedürfen und diese nur aus Scham, aus Unwissenheit oder wegen mangelnder Möglichkeiten nicht suchen würden.

Die Lebensmittel stammen von Supermärkten in der Region und werden von den ehrenamtlichen Helfern der Tafel regelmäßig abgeholt. „Und die Läden sind durchaus sehr dankbar dafür, dass wir ihnen diese Waren abnehmen, die knapp am Mindesthaltbarkeitsdatum sind oder aus anderen Gründen aus dem Sortiment genommen wurden“, erklärt Elisabeth Bartl das über die Jahre hin gewachsene gute Netzwerk. Grundsätzlich gelte, dass man nur die Lebensmittel, die man selbst auch im Haushalt verwenden würde, im Tafelladen verkaufe. Ganz genau, so die Leiterin der Tafel, überprüfen die ehrenamtlichen Mitarbeiter, ob die gespendeten Lebensmittel weitergegeben werden können: „Das Mindestverfallsdatum, auf verpackten Lebensmitteln ist nämlich kein Verfallsdatum. Unserer Erfahrung nach können viele Produkte auch einige Tage nach Ablauf dieser Frist mit gutem Gewissen verzehrt werden“. Sorgfältig bereiten die ehrenamtlichen Helfer das Obst und Gemüse, das weiterverkauft wird, auf: Oftmals ist nur ein angeschlagenes Stück Obst im Säckchen oder ein Blatt am Salat welk. „Unsere Mitarbeiter, die teilweise schon Jahre lang bei uns mithelfen, leisten wirklich tolle Arbeit!“, lobt Elisabeth Bartl ihre 50 „Ehrenamtler“. Die allermeisten davon sind Rentner, die sich nach ihrer Berufstätigkeit gerne nochmals gesellschaftlich engagieren wollen.

Und ganz nebenbei, so Bartl, retten die Tafeln mit ihrer Tätigkeit Lebensmittel vor dem Wegwerfen. Das bundesweite Motto, „Tafeln – Essen wo es hingehört“ und als Aufdruck auf den Schürzen der Mitarbeiter auch in Rosenheim präsent, trifft es auf den Punkt. „Denn gute Lebensmittel gehören auf die Teller der Menschen, nicht in den Müll“.

Die Öffnungszeiten der Tafel Rosenheim: Dienstag 10 bis 12 Uhr (Tannenbergstraße 4) und Donnerstag, 10.30 bis 13 Uhr (Westermayerstraße 1).

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