Baumeister Biber

17.10.2017 • Aktuelles, Nachrichten

Seit der Biber in unserer Region wieder heimisch wurde, stieg seine Population auf mittlerweile geschätzte 750 Tiere im Landkreis Rosenheim. Wir begaben uns mit Markus Sichler, dem Biberbeauftragen des Landratsamts, seinen Mitarbeitern und auch Landrat Wolfgang Berthaler auf eine kleine Reise durch den Landkreis um zu sehen, wo die Lebensweise des begabten Dammbauers, der sich durchaus auch mal seinen eigenen Teich oder sogar kleinen See aufstaut, keine Probleme bereitet und wo seine Lebensart mit den Interessen des Menschen in Konflikt kommt.

Gleich auf der ersten Station der Reise, auf dem Samerberg, beeindruckt die Schaffenskraft des Großnagers. Mitten im Wald hat er sich durch geschicktes Anhäufen von Ästen als Baumaterial einen idealen Lebensraum geschaffen. Entstanden ist durch seine Arbeit ein kleiner See. Durch die Erhöhung des Wasserspiegels liegt der Eingang zu seinem Bau – in einem solchen leben die beiden Bibereltern mit maximal vier bis fünf Jungtieren – unter die Wasserlinie gelegt und damit Schutz vor „unbefugtem Zutritt“. Hier oben, so der zur Exkursion gestoßene Samerberger Bürgermeister Georg Huber, stört das eigentlich niemanden. Das Gebiet wird nicht bewirtschaftet, die vom Biber gefällten Bäume gehen nicht ab. Dennoch haben Gemeindemitarbeiter einen Ablauf angelegt, der den Wasserspiegel nicht noch weiter ansteigen lässt. Die in der Nähe gelegenen Grundwasserbrunnen zur Versorgung mit Trinkwasser könnten mit dem Oberflächenwasser gefüllt werden, was man verhindern will. Von einer Bejagung kann man hier aber absehen, auch weil der Biber sich einsichtig zeigt. „Es kann aber schon auch vorkommen, dass ein Biber die angelegten Abflussrohre einfach wieder verstopft und weiter staut“, so Markus Sichler.

Anders gelagert ist der Fall in der Gemeinde Neubeuern, im Forst auf dem Betriebsgelände einer Betonfabrik. Hier wird der Wald bewirtschaftet, an dem sich der Biber gerne gütlich tut. Mit seinem kleinen See und vernetzten Wasserwegen ist der Wald ein ideales Biberrevier. Im Normalfall bewegt sich der meist nachtaktive Biber nicht weiter als 30 bis 40 Meter im Umkreis seines Baus weg. Wird es ihm mit zusammenhängenden Wasserwegen aber leicht gemacht, kann der Bewegungsradius schon einmal länger werden.
Den Schäden – über die vergangenen Jahre gingen sie in die Zigtausende – an den dort vorhandenen wertvollen großen Eichen, Linden, Eschen und Wildkirschbäumen, versucht man mit Eindrahtungen der unteren Stammbereiche vorzubeugen. Eine Aktion, die laut Förster Andreas Traitl nicht nur sehr aufwendig ist, sondern auch kostenintensiv. Deshalb sei sie nur in begrenztem Maße sinnvoll. „Begonnen haben wir mit 400 eingedrahteten Bäumen, mittlerweile sind es 3 000 bis 4 000 geworden“, so Traitl. Übersteigt der Schaden ein gewisses Maß, müsse man auch über einen Abfang der Biber nachdenken. Zwar stellt der Landkreis im Jahr etwa 350 000 Euro für die Entschädigung der Grundbesitzer zur Verfügung, das bringt das natürlich die Bäume nicht zurück. Deshalb ist es manchmal sinnvoller, den Biber durch die Zerstörung seines Baues zu vergrämen oder ihn zu bejagen.
Ein ganz aktuelles Beispiel der Bautätigkeit des Bibers stellt Raublings Bürgermeister Olaf Kalsperger vor Ort vor. An einem Bachlauf hat ein Biber ganz frisch sein Werk begonnen und innerhalb kurzer Zeit einen stolzen Damm errichtet, der den Bach gehörig anstaut. Allerdings hat genau dieser Bach auch eine Hochwasserschutzfunktion und damit auch einen eigenen seitlichen Damm, den der Biber im Rahmen seines Baus beschädigt hat. Hier wird man versuchen, den Biber zu vergrämen. Das ist auch eine Frage der Schnelligkeit, denn wo der Großnager einmal Fuß gefasst hat, dorthin kehrt er immer wieder zurück.
Etwa zehn bis 15 Bereiche im Landkreis gibt es, in denen der Biber vertrieben wird, gibt der Biberbeauftrage an. Natürliche Feinde hat der Biber in unseren Breiten nicht, da der Wolf nicht mehr ansässig ist. Der größte Feind sei der Starßenverkehr, sagt Sichler, etwa 15 bis 20 Tiere fielen im Jahr zum Opfer.
Wünschenswert sei es, wenn sich auch der Staat an den Entschädigungszahlungen beteiligen würde, die bisher allein von den Gemeinden getragen würden.
Übrigens, so Landrat Berthaler, ist auch schon ein „neuer alter“ Bewohner der Gewässer des Landkreises zu erwarten: Über Tirol wandern derzeit die ersten Fischotter nach langer Zeit wieder nach Bayern ein.
Nusser

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